Wir, meine Familie und ich, besuchen seit langer, langer Zeit einen urgemütlichen Gasthof in einem kleinen Ort, man kann ihn ruhig als "Bauernort" bezeichnen, im tiefsten Oberbayern. Ein Ort mit höchstens 300 Einwohnern.
Der Gasthof ist ein wichtiges Kommunikationszentrum, insbesondere für die regionalen Landwirte. Hier wird über Aktuelles, Probleme, Erntesituation, Wetter, eben über alles Wichtige in der Landwirtschaft diskutiert. So manche Unstimmigkeit (sei es über Landrechte oder z. B. Fragen des ökologischen Anbaus) ist hier auch schon gelöst worden.
Aber es ist nicht nur ein Gasthof für die "Einheimischen". Mit seinem Speisenangebot hat der Wirt schon viele (und damit meine ich richtig viele) andere Gäste in diese Landgaststätte gelockt. Die Besonderheit ist sein offener
GrillHier treffen sich viele, ganz unterschiedliche Menschen und gerade für mich (als Sesselpupser) ist es mal interessant, von den Problemen in der Landwirtschaft zu erfahren. Aus der hahegelegenen US-Army Kaserne (ca. 10 km) entfernt kamen auch viele dort stationierte Soldaten mit ihren Familien zum essen, den der Wirt ist für seine Spare-Ribbs überregionel bekannt. Allerdings wurde diese Kasene vor einigen Jahren aufgelöst und die meisten der dort stationierten Armeekräfte mussten dem Ruf ihrer Obrigkeit folgen. Aber einige sind auch hier geblieben.
Seit 28 Jahren ist der Wirt, mit seinen heute 57 Jahren, nun in diesem Gasthof eben der Wirt. Es haben sich in diesen vielen Jahren nicht nur Bekanntschften sondern auch Freundschaften geschlossen. Zumindes für meine Familie kann ich sagen, der Wirt gehört schon fast zu uns. Die fast gleichaltrigen Kinder sind miteinander aufgewachsen und verbringen auch heute noch viel Zeit miteinander. Viele Jahre haben Gäste, wie auch wir, den Hund des Wirtes in Pflege genommen, wenn der Wirt mal seinen wohlverdienten Urlaub gemacht hat.
Der Wirt hat allerdings eine entscheidenden Fehler, wie viele seiner Gäste und auch sein Grill: er raucht!
Gestern Abend war die traurige Abschiedsfeier (mit lokaler Prominenz und Presse). Das Rauchverbot macht der Wirt nicht mehr mit. Zum 01. Januar 2008 ist der Gasthof geschlossen. Und das NICHT, weil der Wirt eh schon lange aufhören wollte. Es ist eben sein Protest. Er gehört noch der Generation an, die sich nicht alles gefallen läst.
Die Dorfgemeinschaft hat nun das Problem, dass sich für diese Örtchen wahrscheinlich kein neuer Wirt finden dürfte. Der Betrieb des offenen Feuers (Grill) ist an die Person des derzeitigen Wirtes konzessioniert (quasi ein Gewohnheitsrecht). Das wird auf niemals auf einen neuen Wirt übertragen. Und welcher Gastronom ist (gerade ab 01. Januar 2008) so risikobereit, in einem Ort mit 300 Seelen zu dem gerade 4 mal am Tag ein Bus verkehrt seine Existenz versuchen aufzubauen.
Ich finde dieses totalitäre Rauchverbot zum :kotz: . Es nimmte den Wirten ihre Entscheidungsfreiheit, ob in ihrer Gaststätte geraucht werden darf oder nicht. Aber das erstaunliche ist für mich auch, dass es alle Raucher völlig willenlos hinnehmen.
M. E. kann das Rauchverbot auch nur funktionieren, wenn sich die Gäste gegenseitig bespitzeln und denuntieren. Willenloses hinnehmen, Denuntiantentum - man oh man, das hätten wir doch aus der Vergangenheit lernen sollen, dass das nicht gut gehen kann.
Ich für meinen Teil werde nur noch sehr ausgewählt in eine Gaststätte gehen und wenn, dann zur gehobenen Gastronomie um mir mal was zu gönnen.
Unhappy Hippo