Sonntag abend...die richtige Zeit.... :grinsen:
Es war einmal....
ein kleiner, brauner Kuckuck, der eines Morgens anfing, einige Materialien zu einer Astgabel zu transportieren.
Es dauerte auch gar nicht lange, bis einige Tiere neugierig zuschauten, wie der unscheinbare Vogel versuchte, Gräser und Blätter mit seinem Schnabel zusammen zu schieben.
Schließlich räusperte sich eine Elster: „Also ich würde ja die Gräser weglassen und es mit langen dünnen Zweigen versuchen. Die Blätter halten ja nie zusammen.“
Eine Schwalbe fing an zu lachen: „Du bist besser im stehlen als im Nestbauen, Elster. An seiner Stelle würde ich trockenen Lehm nehmen. Das ist bombenfest und sicher.“
„Dafür ist das aber kälter“, mischte sich ein Sperling ein, „am besten klatscht du dein neues Nest unter ein Häuserdach der Menschen. So was ist nicht übel. Wie ein Bungalow.“
Ein Specht schaute aus seinem Baumloch hervor: „Euch könnte ich stundenlang zuhören, keine Ahnung von nichts, aber großartig herumreden. Ein Baumloch ist das einzig wahre. Wenn man das noch auspolstert, gibt es nichts Besseres.“
„Na ja, Specht“, gluckste der Adler, „wenn du dich unbedingt wie in einem Erdloch fühlen möchtest, ist ein Baumloch bestimmt prima. Es geht doch nichts über frische Luft in einem großen Horst auf einem Berg.“
„Natürlich“, schüttelte der Storch den Kopf, „und im Winter frierst du dir die Schwanzfedern ab. Nestbau, wenn ich das schon höre. Ich fliege, wenn es kalt wird, mit meinen Artgenossen nach Afrika. Das ist das einzig wahre. Und wenn ich wieder komme, haben Menschen schon alles vorbereitet."
„Tolle Logik, Storch“, brummelte der Specht aus seinem Baumloch, „zu faul, ein Nest zu bauen, aber zigtausende von Kilometern fliegen.“
Gelangweilt schaute der Kuckuck hoch und bastelte schließlich an seinem Kunstwerk weiter.
Ihn störte das immer lauter werdende Gezeter der anderen Vögel überhaupt nicht und schließlich schob er die Gräser mit seinen Füssen auf der Astgabel endgültig zusammen und setzte sich leise seufzend drauf.
Sofort zwitscherte der Buchfink laut los: „Das kann man doch nicht so lassen. Jeder Windstoss weht das Teil doch auseinander. Und das soll ein Nest sein?“
Der Kuckuck atmete tief durch: „Wer hat hier eigentlich gesagt, das ich ein Nest baue?“
Augenblicklich wurde es still und die Vögel schauten zum Kuckuck, der sich aufplusterte und langsam auf seinem Kunstwerk hin – und her bewegte.
Eine alte Schleiereule öffnete ein Auge und sagte langsam: „Wenn ihr alle euch nicht so streiten würdet und nachgedacht hättet, dann wüsstet ihr, das ein Kuckuck kein Nest baut. Er legt sein
Ei in ein fertiges Nest.“
Der Kuckuck grinste: „Ja, ich mag alle Nester gerne, aber nur, wenn sie fertig sind.“
„Und was soll der ganze Zinnober nun, Kuckuck“, wetterte der Adler peinlich berührt.
Der Kuckuck lachte: „Ich mache nur eine Pause auf weichem Untergrund, weil mir mein Hintern weh tut, ihr Schlauberger.“
Distinguiert und brummelnd stob die neugierige und streitlustige Vogelschar auseinander, während unser Freund so laut lachte, dass er fast seinen schmerzenden Hintern vergaß.
Bleibt nur noch zu erwähnen, dass die alte Schleiereule an diesem Morgen erst sehr spät einschlief.
Und solltet ihr mal in einem Wald ein lautes „Kuckuck, Kuckuck“ hören, dann ist das vielleicht unser kleiner Freund, der immer noch laut über so einige bunte Vögel lachen muss. ;)