Internetsucht


Hallo,
ich habe eine 17jährige Tochter, die nach 1 Jahr Pause wieder versucht das 3. Schuljahr im Gymnasium
zu wiederholen. Die Idee ist an sich sehr lobenswert, allerdings hab ich arge Bedenken, was ihren Umgang mit Computer und Internet betrifft. Dieser wird eben von ihr nicht nur zum Zwecke der Erledigung der Hausaufgaben eingesetzt, sondern sie driftet ständig ab ins Chatten, schaut Filme an oder hört Musik, sodass nach 5 - 8 Std.(!) nicht wirklich konstruktiv für die Schule was raus kommt. Sie hat dadurch enorme Konzentrationsprobleme.
Meist ist sie dann auch noch am nächsten Morgen zu müde, um rechtzeitig aufzustehen, sodass sie zu spät zur Schule kommt oder den Unterricht sogar ganz ausfallen lässt.
Wie kann man erzieherisch dagegen angehen, wer hat ähnliche Erfahungen und kann mir helfen?


Toll, dass deine Tochter ihre Schule nach der Pause doch noch abschließen will.
Aber nun die nächste, nicht bös gemeinte Frage: Ist das auf ihrem Mist gewachsen oder wurde sie dazu gedrängt und lässt sich jetzt darum hängen, weil sie eigentlich nicht wieder zur Schule wollte?

Zur Sucht: Vernachlässigt sie nur die Schule oder ihr ganzes reales Leben? Erst dann kann man von Internetsucht sprechen.
Wenns wirklich schon eine Sucht ist, wirst du deiner Tochter mit Verboten oder ähnlichem nicht weiter helfen können, sondern höchstens einen ständigen Streitpunkt schaffen.
Einer Sucht kann man nur wirksam begegnen, wenn man sich eingesteht, dass sie besteht.
Vielleicht gibt es bei dir in der Nähe eine Selbsthilfegruppe für Angehörige Suchtkranker. Frag doch einfach mal dort, was du tun kannst.
Meistens ist es für sehr enge Angehörige sehr schwer, zu tun, was sie am effektivsten tun könnten.
Man hilft Suchtkranken leider am besten, indem man ihnen nicht hilft. Also nicht mehr die Hand vorn Hintern halten, zur Schule fahren, wenn verschlafen da bis früh morgens im Netz gesurft und so weiter.


Hallo, Annemone,

in der Schule gibt es doch sicher eine Art Vertrauenslehrer/in?- Mit dem/der würde ich an Deiner Stelle mal sprechen.- Die Lehrer sind ja nun tagtäglich in anderer Form mit den Jugendlichen zusammen, und kennen die Gepflogenheiten Internet und Schule wohl noch besser, als ein Elterteil.

Ganz sicher gibt es auch spezielle Beratungsportale im www für "Internetsüchtige/ Angehörige".- Ansonsten bekommt man entsprechende Kontaktadressen bei der Drogenberatungsstelle der Stadt/Gemeinde/Kreisverwaltung.

Tatsache ist wohl, daß Deine Tochter in einem Alter ist, in dem sie, je mehr Du versuchst, ihr "gut zuzureden" oder ihr 'was verbietest, entweder ganz dichtmacht, oder es gerade tut, um Dich zu ärgern.- Den Schaden, den sie sich dadurch selbst zufügt, wird sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sehen.

Viel Erfolg...liebe Grüße...IsiLangmut


Muss Isi und den anderen zustimmen. Erstmal würde ich nachschauen, ob es wirklich das Richtige für sie ist, die Klasse noch einmal zu wiederholen und ob dieses stundenlange Surfen nicht als eine Art Flucht vor der Realität dient.

Dann, mit dem Begriff Internetsucht würde ich nicht direkt um mich werfen. Meine Eltern hielten mich früher auch für computersüchtig. Ich habe aber trotz vieler Hobbies, die mit dem Computer zu tun haben, Schule und Uni erfolgreich abgeschlossen ;) sogar meinen Job dadurch bekommen, weil ich mir das relevante Programm über Jahre selbst beigebracht habe.

Richtig ist aber, dass sie in dem Alter einfach nicht von selbst realisiert, wann Zeit zum Abschalten ist. Hier würde ich vielleicht ihren Computer aus ihrem Zimmer in einen etwas öffentlicheren Raum in eurer Wohnung stellen, so dass du besser im Blick hast, wie viel sie surft und dass sie deswegen nicht zu wenig schläft. Du kannst auch einfach radikal den Router um 10:00 abstöpseln. Mach auch eine feste Zeit für ihre Hausaufgaben mit ihr aus, dass sie z. B. nach dem Mittagessen zwei Stunden wirklich für die Schule arbeitet, weg vom Computer, zum Beispiel am Küchentisch und danach als Belohnung machen kann, was sie möchte.


Hallo,

heute möchte ich mich endlich für Eure Beiträge bedanken.
Tja, meiner Tochter wurde es einfach zu langweilig und sie sucht v.a. wieder den permanenten Kontakt zu ihren Mitschülern, mit den sie auch viel Freizeit verbringt. So drastisch ist es doch noch nicht mit ihrer "Computersucht", dass sie deswegen ihre Freunde vernachlässigt.
Ja, es ist wirklich ihr eigener Wunsch gewesen, weiter bzw. wieder zur Schule zu gehen und nicht auf mein Drängen hin passiert. Viele Vorbereitungen hinsichtlich Schule hat sie aus meiner Sicht und trotz teurer Lerntherapeutin nicht getroffen und ich glaub auch nicht, dass sich das bis zum Schulbeginn am nächsten Montag gross ändern wird...
Aber das muss sie endlich allein begreifen, dass alles seinen Preis hat.
Trotzdem werde ich noch einen Jugendtherapeuten befragen, wie ich mit ihr umgehen soll, wenn die Situation (d.h. nicht zur Schule gehen, zuviel am PC sitzen und sich wenig auf die Schule vorbereiten) wieder eskaliert.
Also, ich bin auch sehr gespannt, ob sich ihr Verhalten wirklich ändern wird. Gerne werd ich Euch weiterhin darüber informieren.



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