Motor schwitzt Öl


Hallo,
mein Auto war auf der Hebebühne und dabei habe ich entdeckt, dass der Motor etwas schwitzt. Jedenfalls waren Öltropfen unter der Wanne und der Motor etwas feucht. Habe den Ölstand kontrolliert und da fehlt eigentlich nichts. Es befindet sich auch kein Ölfleck unter dem Auto, wenn er mal länger gestanden hat.

Da im Moment die Finanzen etwas knapp sind und ich darum die Dichtungen nicht gleich erneuern lassen kann, stellt sich die Frage, ob ich mit dem Auto noch eine Weile weiterfahren kann. Ich fahre überwiegend Stadt- bzw. Kurzsttrecke und der Km-Stand ist bei 153 000km. Und ich bin auf das Auto angewiesen, da gehbehindert.


Ich würde mal sagen wollen das soll dir der Fachmann sagen.

Weisst du denn hundert prozentig das es die Dichtungen sind die tropfen? Das wäre weniger tragisch. Das macht ds Auto schon ne zeitlang mit. Allerdings würde ich dir davon abraten schnell und weit zu fahren ...


Da der Kühler undicht wurde, nehme ich an, dass es damit zusammen hing. Inzwischen wurde der Kühler erneuert, insofern kann keine Überhitzung des Motors mehr vorkommen. Und da ich fast nur Kurzstrecken in der Stadt fahre, wird der Motor nicht wirklich gefordert und demnach auch nicht wirklich heiß.

Ich kontrolliere den Ölstand jetzt öfter und beobachte außerdem meinen Stellplatz und habe da auch noch keinen Ölfleck entdecken können.

Aber trotzdem mache ich mir Gedanken, darum habe ich hier gefragt.


Wird das Öl gar nicht weniger? Vielleicht hast Du durch die Kurzstrecken etwas Benzin im Öl?


Ein gesunder Motor darf ruhig etwas schwitzen Da seh ich noch nix gefährliches dran.


Chris35, warum soll durch die Kurzstreckenfahrerei Benzin ins Öl kommen? Das erschließt sich mir nicht wirklich. Kannst Du mir das erklären.

Das Öl am Mess-Stab sieht eindeutig nach reinem Öl aus. Die Viskosität hat sich auch nicht verändert. Und der Motor hält seine normale Temperatur.

Bearbeitet von Keelan am 08.08.2011 07:47:16


Zitat (KLeinEinstein @ 28.07.2011 - 10:55:57)
Weisst du denn hundert prozentig das es die Dichtungen sind die tropfen? Das wäre weniger tragisch. Das macht ds Auto schon ne zeitlang mit. Allerdings würde ich dir davon abraten schnell und weit zu fahren ...

KleinEinstein, ja es sind die Dichtungen, die tropfen. Jedenfalls sagt das der Mechaniker, bei dem mein Auto auf der Hebebühne stand.

Und was verstehst Du unter "schnell und weit zu fahren"? Wie schnell? Wie weit?

Zitat (Keelan @ 08.08.2011 - 07:45:43)
Chris35, warum soll durch die Kurzstreckenfahrerei Benzin ins Öl kommen? Das erschließt sich mir nicht wirklich. Kannst Du mir das erklären.


Ich weiß nur das bei Kurzstreckenfahrerei mehr Wasser im Öl ist.
Dieses geht bei Langstreckenfahren wieder weg und kann evtl. zu Ölmangel führen.

Zitat (Keelan @ 08.08.2011 - 07:45:43)
Chris35, warum soll durch die Kurzstreckenfahrerei Benzin ins Öl kommen? Das erschließt sich mir nicht wirklich. Kannst Du mir das erklären.

Hat man mir vor Urzeiten bei meinem Käfer gesagt - da schien das Öl sogar immer mehr zu werden. Liegt wohl am Metall des Motors, das sich beim Warmwerden ausdehnt und dann erst irgendwelche Dichtungen richtig passen läßt Gibt jedenfalls auch jede Menge Treffer dazu im Internet, scheint also kein Gerücht zu sein...

Technisch erklärt es sich so:
Ein Motor muß, um Reibungsverluste bei Kaltem Betrieb sowie die Kondensationsverluste an den kalten Saugrohren und Zylinderwänden auszugleichen, im fetten Betrieb gefahren werden. Das heißt, der Motor läuft mit mehr Kraftstoff, als letzendlich verbrannt wird. (ganz grob gesagt)
Ein großer Teil davon kondensiert an der noch kalten Zylinderwand, und läuft mit dem dabei verdünnten Öl in die WAnne. Ein weiterer Teil gelangt über die Kurbelgehäusebelüftung ins kurbelgehäuse, kondensiert dort und läuft auch ins Öl. Außerdem ist die Passung Kolbenring-Zylinderwand noch zu groß bei kaltem Motor, daß ein Teil des Gemischs als Blow-By-GAs am Kolben vorbei ins Kurbelgehäuse gelangt. Das ist mit den "zu kleinen Dichtungen" gemeint :-)
Zusätzlich ist es heute so, daß zum schnelleren erreichen der Anspringtemperatur des (Vor-)Katalysators das Gemisch bei KAltstart noch zusätzlich angefettet wird, um eine höhere Verbrennungstemperatur zu erreichen, was den Effekt noch beschleunigt.

Fährt man nun ausreichend lange, wird dieser Kraftstoff wieder vollständig verdunsten und über die Kurbelgehäuseentlüftung der Verbrennung wieder zugeführt. Alles wäre gut.
Fährt man aber nur kurzstrecke, reicht die Zeit dazu nicht aus. Zusätzlich kommt dazu der Effekt, daß die Kurbelgehäuseentlüftung zukokt und versottet, bei einigen Motoren eines großen deutschen Herstellers setzt sie sich sogar komplett zu, was im Winter zu massenhaftem Motorsterben führt, und das alle Jahre wieder.
Und so kommt es dazu, daß der Ölstand sogar steigt- zumindest scheinbar. Denn ein Teil ist eben dieser unverdunstete Kraftstoff und auch ein Teil Kondenswasser.

Wenn dies im Umfang mit dem Ölverlust sich die Waage hält, fällt dieser natürlich auch nicht auf. Aber die Brühe, die dann in der Ölwanne noch drin ist, taugt nicht zum sicheren Motorbetrieb.


Zum Schwitzöl sie gesagt, daß es wirklich normal ist- soweit es SCHWITZöl ist- also OHNE Tropfenbildung. Sind dort TROPFEN ist es kein Schwitzöl mehr und muß instandgesetzt werden. Genauso wenn statt Flächendichtungen Radialwellendichtringe betroffen sind. Dann kann z.B. Öl in den Riementrieb gelangen, was mittelfristig bei einem Zahnriemenriß einen Motortotalschaden nach sich ziehen würde.

Bearbeitet von Gerrit am 08.08.2011 22:53:15


Zitat (Gerrit @ 08.08.2011 - 22:50:24)
"Technisch erklärt es sich so:
Ein Motor muß, um Reibungsverluste bei Kaltem Betrieb sowie die Kondensationsverluste an den kalten Saugrohren und Zylinderwänden auszugleichen, im fetten Betrieb gefahren werden. Das heißt, der Motor läuft mit mehr Kraftstoff, als letzendlich verbrannt wird. (ganz grob gesagt)
Ein großer Teil davon kondensiert ......
Fährt man nun ausreichend lange, wird dieser Kraftstoff wieder vollständig verdunsten und über die Kurbelgehäuseentlüftung der Verbrennung wieder zugeführt. Alles wäre gut.
Fährt man aber nur Kurzstrecke, reicht die Zeit dazu nicht aus. Zusätzlich kommt dazu der Effekt, daß die Kurbelgehäuseentlüftung zukokst und versottet. Bei einigen Motoren eines großen deutschen Herstellers setzt sie sich sogar komplett zu, was im Winter zu massenhaftem Motorsterben führt, und das alle Jahre wieder. .....
Aber die Brühe, die dann in der Ölwanne noch drin ist, taugt nicht zum sicheren Motorbetrieb.

Zum Schwitzöl wie gesagt, daß es wirklich normal ist- soweit es SCHWITZöl ist- also OHNE Tropfenbildung. Sind dort TROPFEN ist es kein Schwitzöl mehr und muß instandgesetzt werden. ...."

Gerrit, das ist jetzt wenigstens mal eine richtige Erklärung. Danke.

Allerdings ist mein Auto nicht von einem großen deutschenen Hersteller. :)
Ich fahre ein Modell aus Japan, das allerdings in GB hergestellt wurde. Ersteres ist okay, denn es ist eine sehr inovative Firma. Zweiteres bedeutet, dass manche Ersatzteile etwas schwieriger zu erhalten sind.

Da sich ein paar Tropfen gesammelt haben, soweit ich das sehen kann, werde ich wohl erstmal einen Ölwechsel machen lassen und dabei dann kontrollieren, inwieweit da noch Ölaustritt vorhanden ist.
Die nächste Stufe wird dann ein kompletter Wechsel der Dichtungen sein. Dazu werde ich mir aber eine andere Werkstatt suchen.

Danke für Deine Ausführungen.