Mindestlohn: Was sagt Ihr zu dem Thema?


Hi,

nachdem ich nun losgemeckert habe, dass zurzeit so wenig (für mich) spannende Themen diskutiert werden, werfe ich mal eines "auf den Markt", das mich sehr interessiert bzw. worüber ich gerne diskutieren würde.

Thema ist Mindestlohn in Deutschland! Was haltet Ihr davon? Ich bin der Ansicht, es wäre richtig und wichtig da jetzt endlich mal einen (gescheiten) Mindestlohn für Deutschland festzulegen!! Meine Argumente:

1. Denke ich nicht, dass Arbeitsplätze dadurch vernichtet werden, ganz im Gegenteil!! :yes: Ich glaube, dass, wenn Leute mehr Kaufkraft haben, sie auch mehr Geld ausgeben. Dadurch entstehen doch Arbeitsplätze, durch höhere Binnenkonkunktur!!

2. Glaube ich nicht, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen, da das in Ländern, wo es Mindestlöhne gibt, auch nicht passiert ist. Warum also hier? Soll Deutschland etwa Billiglohnland werden?! :unsure: Im Vergleich zu einigen anderen Ländern (Schweiz, Norwegen) ist es das nämlich schon!

3. Außer Deutschland haben - soviel ich informiert bin - fast alle europäischen Länder einen Mindestlohn festgelegt (der allerdings stark variiert).

Ich finde es sollte so viel gezahlt werden, dass Leute mit einem Vollzeit-Job ihr Leben bestreiten können ohne zusätzlich noch Hartz IV zu bekommen (wie das zurzeit teilweise ist! :huh: )

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen. :blumen:

Gruss
Krötilla


Hallo,
stimme dir voll und ganz zu. Allerdings sollten diejenigen, die den Mindestlohn festsetzen nicht bei den Arbeitgebern zu finden sein. Selbst der Regierung stehe ich skeptisch gegenüber, da ich der Meinung bin, dass in Wirklichkeit die Industrie-und Wirtschaftsbosse hier das Sagen haben, jedenfalls zur Zeit.
Viele Grüße
Agricola


Wie hoch sollte der Mindestlohn denn sein ? :hmm:
Gibt es dazu schon Vorschläge?
Kenn mich leider mit dem Thema nicht aus und hab immer selber zuviel Probleme um mich mit Politik zu beschäftigen. Kann also an dieser Diskusion nur schlecht teilnehmen ;)


Der Mindeslohn muss kommen, es kann nicht sein, das jemand Vollzeit arbeitet nicht mehr hat als jemand der Sozialleistungen bezieht. Allerdings sollte er auch nicht so hoch sein. Es dürfte schwierig sein die richtige Höhe festzulegen.
Leistung muß sich wieder lohnen. Allerdings sehe ich die Gewerkschaften in dieser Sache mit Skepsis. Wenn ich allein die Forderungen in der Metallindustrie sehe, da werden mittelfristig Arbeitsplätze abgebaut. Warum kann man nicht festlegen, dass in besseren Zeiten ein Zuschlag gewährt wird, der in schlechten Zeiten wegfällt.
Auch finde ich die Unterschiede in z.B. Metallindustrie - Dienstleister sehr hoch.
Wie soll denn eine Friseuse sich ein neues leisten können.?
Die Mindestlöhne sind nur der Anfang, es muß noch mehr passieren.

Die Gewerkschaften fordern einen Mindestlohn von 7,50€

Bearbeitet von Sparfuchs am 29.03.2007 09:54:09


@ krötilla, das sehen ich genauso.

Ich würde gern noch etwas ergänzen.
Sollte ein Arbeitgeber den Mindestlohn zahlen müssen, überlegt er sich wen er einstellt. Den mit einer vernünftigen Ausbildung. Oder den gelernten oder auch ungelernten aus dem Ausland (dies ist nicht ausländerfeindlich zu verstehen), diejenigen die unser Preise unterbieten und kaputtmachen. Oftmals auf Kosten der Qualität.
Das würde eventuell einige motivieren wieder nach Arbeit zu suchen, oder auch unsere Jugend zu einer Ausbildung.


Viele Sparten haben ja den Mindestlohn, was bringt es aber wenn dann die Firmen ins Ausland abwandern und dadurch wieder sparen.
Ich sehe den Aspekt mit den enorm hohen Lohnnebenkosten sollte man hier nicht unterschätzen, wieviel Arbeit ist denn in Deutschland noch zu bezahlen, die Auflagen die Arbeitgeber ab einer bestimmten Anzahl Beschäftigter bekommen, die ganze Bürokratie schrecken viele auch ab.

Auf der einen Seite dann die Sicherung der Arbeitsplätze mit entsprechendem Lohn und dann aber gleichzeitig die Subvention des Staates da die Drohung im Raum steht dass der Arbeitgeber ins Ausland abwandert.


Zitat (grizzabella @ 29.03.2007 10:26:24)
Viele Sparten haben ja den Mindestlohn, was bringt es aber wenn dann die Firmen ins Ausland abwandern und dadurch wieder sparen.
Ich sehe den Aspekt mit den enorm hohen Lohnnebenkosten sollte man hier nicht unterschätzen, wieviel Arbeit ist denn in Deutschland noch zu bezahlen, die Auflagen die Arbeitgeber ab einer bestimmten Anzahl Beschäftigter bekommen, die ganze Bürokratie schrecken viele auch ab.


Wo werden denn die Niedriglöhne bezahlt, hauptsächlich im Dienstleistungssektor und den kann man nicht einfach ins Ausland verschieben. Für die anderen Branchen gibt es meist Tarifverträge. Was die Lohnnebenkosten angeht, aht einerseits unsere Regierung nicht rechtzeitig gehandelt anderseits zahlen Niedriglöhner wenig Sozialabgaben, also müssen die anderen mehr bezahlen. Das ist ein Teufelskreis. Vielleicht sollte unser Staat einmal darüber nachdenken keine neuen Schulden mehr zu machen, sondern zu tilgen, dann wäre auf mittlere Sicht auch wieder mehr Geld in den Kassen und die Steuern könnten gesenkt werden.

Wenn ich sehe wie die Gelder verschleudert werden..... :kotz:

Ja, die Bürokratie verschlingt auch massig Geld, aber trotz großer Reden diese abzuschaffen ist nichts geschehen.

Bearbeitet von Sparfuchs am 29.03.2007 10:37:21

Zitat (Sparfuchs @ 29.03.2007 09:52:40)
Der Mindeslohn muss kommen, es kann nicht sein, das jemand Vollzeit arbeitet nicht mehr hat als jemand der Sozialleistungen bezieht. Allerdings sollte er auch nicht so hoch sein. Es dürfte schwierig sein die richtige Höhe festzulegen.

Warum kann man nicht festlegen, dass in besseren Zeiten ein Zuschlag gewährt wird, der in schlechten Zeiten wegfällt.

Die Gewerkschaften fordern einen Mindestlohn von 7,50€

Ah, es schreiben ja doch noch welche, supi!

Also ich fänd den Vorschlag der Gewerkschaften schon ädäquat. Sinnvoll wäre es ggf. diesen ein wenig auch von dem Ort der Beschäftigung abhängig zu machen. In den neuen Bundesländern sind 7,50 Euro sicher ein Top-Lohn und beispielsweise in München lächelt man darüber müde.

Damit will ich jetzt kein Bundesland oder so diskriminieren!!! :nene: Aber ich denke, dass Ortszuschläge Sinn machen würden. Z. B. ein Mindestlohn von 6,50 Euro/Std. und dann ein Ortszuschlag in besonders teuren Orten wie Hamburg, München, Frankfurt/Main etc.

Es kann nicht sein, dass ein Familienvater in Berlin mit 800 Euro netto nach Hause geht und darum noch Hartz IV zusätzlich bekommt, um überhaupt einigermassen über die Runden zu kommen (wobei ich nicht weiss, wie einer von 1100 Euro in Berlin das macht).

Mindestlöhne gibt es z. B. im benachbarten Holland schon ewig und von Arbeitsplatzabbau keine Spur!

Übrigens... "in schlechten Zeiten"?! :blink: Was für schlechte Zeiten? Großkonzernen ging es noch nie so gut wie heute und der Export boomt. Die Bosse reiben sich die Hände, genau wie die Großaktionäre. Die wollen nur Fritz Meier und Franz Müller, die deren Müll entsorgen, deren Fenster putzen und deren Klo sauber machen nichts davon abgeben.

Edit: Eigentum verpflichtet eben NICHT MEHR und das unternehmerische Risiko trägt schon lange nicht mehr der UNTERNEHMER. Und die Politiker sind der Lobby der Bosse unterlegen.

Bearbeitet von Krötilla am 29.03.2007 11:24:18

Jeder der arbeitet hat ein Recht auf gerechte Bezahlung. Leider ändert aber ein festgesetzter Mindestlohn nicht viel dran. Jobs wie Müllabfuhr oder Putzen sind einfach verpöhnt, jeder denkt, das machen Deppen, denen muss man nicht viel zahlen.

Der Mindestlohn sorgt vielleicht dafür das wir nicht mit ausländischen Billigpersonal überflutet werden, manche Jobs kann man ja leider nicht nach Asien verlagern.

Allerdings sehe ich auch die Gefahr das wenn ein Mindestlohn festgesetzt wird, gerade in kleinen Firmen Leute entlassen werden und der Rest mehr arbeiten muss, halt auf Überstundenbasis. Das kapieren die Chefs auch nicht, wie unsinnig diese Regelung ist.


Zitat (Nobody @ 29.03.2007 11:23:39)
Jobs wie Müllabfuhr oder Putzen sind einfach verpöhnt, jeder denkt, das machen Deppen, denen muss man nicht viel zahlen.

Allerdings sehe ich auch die Gefahr das wenn ein Mindestlohn festgesetzt wird, gerade in kleinen Firmen Leute entlassen werden und der Rest mehr arbeiten muss, halt auf Überstundenbasis.

Da muss ich ein wenig widersprechen!
Ich finde nicht, dass das verpöhnt ist. Aber ich kann es nur aus meiner Sicht schreiben! Also ich habe gehört bei unserer Müllabfuhr wird nicht übel gezahlt und ich denke, das sehen auch viele Leute.

Mit "nicht übel" meine ich übrigens: Mehr als 6 €/Std.

Zum Punkt Überstunden: Dazu gibt es gesetzliche Regelungen.

Zitat (Krötilla @ 29.03.2007 11:22:34)
Übrigens... "in schlechten Zeiten"?! :blink: Was für schlechte Zeiten? Großkonzernen ging es noch nie so gut wie heute und der Export boomt. Die Bosse reiben sich die Hände, genau wie die Großaktionäre. Die wollen nur Fritz Meier und Franz Müller, die deren Müll entsorgen, deren Fenster putzen und deren Klo sauber machen nichts davon abgeben.


An das Geld kommst du nie ran - Kapital wandert eben Global.

Wenn du hier den Konzernen was wegnimmst, verlagern sie ihre Arbeitsplätze ins Ausland - fertig.

Zitat (Sparfuchs @ 29.03.2007 11:27:13)
An das Geld kommst du nie ran - Kapital wandert eben Global.

Wenn du hier den Konzernen was wegnimmst, verlagern sie ihre Arbeitsplätze ins Ausland - fertig.

Alles kann man nicht verlagern.
Und irgendwann wollen Polen & Co. auch mal gescheite Gehälter, das glaub mal. Und wo wollen die Konzerne denn verkaufen? Im (noch) wohlhaben Deutschland, oder?

Ein Äthiopier oder ein Ukrainer kann sich wohl kaum so schnell einen Mercedes leisten oder teure Designer-Möbel etc.

Und was soll dieses Auswander-Argument ständig? :hmm: Sollen wir demnächst vielleicht umsonst arbeiten, damit bloss keine Firma auswandert? :blink: Wie soll das dauerhaft funktionieren?! Die Gehälter SIND doch schon gesunken (die Ausgaben leider nicht).

Wenn ich so überlege: Ich habe vor 12 Jahren schon das an Gehalt bekommen (wo vor 12 Jahren viele gesagt haben "dafür gehe ICH nicht arbeiten"!!), was die Firmen z. T. HEUTE noch bezahlen --- wenn nicht weniger!!! Das ist doch nicht gut sowas! Und die Manager bauen sich eine Villa nach der anderen. Leben und Leben lassen!

Noch n Edit: Was ist mit Bayern (München im Besonderen)? Da sind die Gehälter astronomisch hoch z. T., aber die haben die geringste Arbeitslosenquote! Und dann sieh mal Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind die Gehälter im Vergleich zu München deutlich niedriger und guck Dir da mal die Arbeitslosenquote an!! Du kannst das nicht immer nur am Gehalt festmachen!!

Bearbeitet von Krötilla am 29.03.2007 11:40:01

Krötilla - ich gebe dir ja recht. Viele große Konzerne verdienen ja auch gar nicht mehr viel in Deutschland sondern im Ausland. Und jeder von uns unterstützt doch mit der Geiz ist Geil - Mentalität die Niedriglohnpolitik. Die Wirtschaft ist eben heute Global und in China schert sich keiner um Sicherheits-und Umweltvorschriften - da ist jeder froh, wenn er Arbeit bekommt, da gibts kein Hartz4 oder Sozialhilfe. Wenn man wollte könnte man nur EU-weit etwas gegen Billiglöhne tun. Wir exportieren mehr als wir von anderen Ländern kaufen.


Zitat (Krötilla @ 29.03.2007 11:38:12)
Zitat (Sparfuchs @ 29.03.2007 11:27:13)
An das Geld kommst du nie ran - Kapital wandert eben Global.

Wenn du hier den Konzernen was wegnimmst, verlagern sie ihre Arbeitsplätze ins Ausland - fertig.

Alles kann man nicht verlagern.
Und irgendwann wollen Polen & Co. auch mal gescheite Gehälter, das glaub mal. Und wo wollen die Konzerne denn verkaufen? Im (noch) wohlhaben Deutschland, oder?

Ein Äthiopier oder ein Ukrainer kann sich wohl kaum so schnell einen Mercedes leisten oder teure Designer-Möbel etc.

Und was soll dieses Auswander-Argument ständig? :hmm: Sollen wir demnächst vielleicht umsonst arbeiten, damit bloss keine Firma auswandert? :blink: Wie soll das dauerhaft funktionieren?! Die Gehälter SIND doch schon gesunken (die Ausgaben leider nicht).

Wenn ich so überlege: Ich habe vor 12 Jahren schon das an Gehalt bekommen (wo vor 12 Jahren viele gesagt haben "dafür gehe ICH nicht arbeiten"!!), was die Firmen z. T. HEUTE noch bezahlen --- wenn nicht weniger!!! Das ist doch nicht gut sowas! Und die Manager bauen sich eine Villa nach der anderen. Leben und Leben lassen!

Noch n Edit: Was ist mit Bayern (München im Besonderen)? Da sind die Gehälter astronomisch hoch z. T., aber die haben die geringste Arbeitslosenquote! Und dann sieh mal Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind die Gehälter im Vergleich zu München deutlich niedriger und guck Dir da mal die Arbeitslosenquote an!! Du kannst das nicht immer nur am Gehalt festmachen!!

in München sind die Lebenhaltungskosten auch astronomisch.

Zitat (Sparfuchs @ 29.03.2007 11:44:27)
Krötilla - ich gebe dir ja recht.
Und jeder von uns unterstützt doch mit der Geiz ist Geil - Mentalität die Niedriglohnpolitik.
Die Wirtschaft ist eben heute Global und in China schert sich keiner um Sicherheits-und Umweltvorschriften - da ist jeder froh, wenn er Arbeit bekommt

Ja,
das ist auch noch so ´ne Sache....! :hmm: Wie man die in den Griff kriegt, weiss ich auch nicht. Aber das ist halt der Trend und ich seh leider gar kein Ende. Da beisst sich halt die Katze in den Schwanz....

... man hat weniger Geld, muss also sparen. Nimmt also z. B. n billigeren Telefonanbieter. Der zahlt aber auch an seine Mitarbeiter weniger und die müssen dann wiederum sparen. Die suchen sich dann z. B. einen günstigeren Lebensmittelhändler. Der zahlt auch weniger an seine Mitarbeiter als ein teurerer und die müssen dann auch wieder zusehen, wo die sparen. Und und und und.... Nimmt kein Ende.

Aber z. T. kann man es nicht verhindern. Ein Beispiel ist, dass wir immer noch bei der Telekom waren (sind). Ich dachte "Ach egal, Du bezahlst etwas mehr, aber dafür kriegen die Leute bei der T-com auch anständiges Gehalt". Aber: 1. ist die Leistung inzwischen einfach sch... :ph34r: und 2. habe ich gehört, die kriegen jetzt alle Änderungskündigungen und sollen dort für 2/3 des Gehaltes weiterarbeiten. :no:

Find ich traurig! Oder dass in mehrern Firmen Leute, die lange dabei sind und noch alte Tarife haben rausgemobbt werden und nur noch Leute mit neuen, schlechteren Tarifverträgen (oder gar keinen, noch besser ! <_< ) bleiben sollen.

Früher konnte man mit reeller Arbeit auch nicht reich werden, aber ganz gut leben. Heute geht man vollzeit arbeiten und ist froh, wenn man sich sein Essen und seine Miete leisten kann. Sicher jammern viele von uns auf hohem Niveau, aber das wird immer tiefer, das Niveau und was mich ärgert: Viele Sachen sind von Politikern versaut und wir, die Allgemeinheit, muss es ausbaden!!

Z. B. diese unseeligen 1-Euro-Jobs! :angry: Ok, für den Hartz IV-Empfänger selber ist es sicher schön sich was dazu zu verdienen. Aber dadurch werden nunmal vielfach reguläre Jobs verdrängt. Das kann doch nicht gut sein!! So gaaaaanz langsam werden die Politiker wach, aber ich hätte das schon bei der Einführung sagen können, dass das nicht hinhaut! Ist doch klar, dass das ausgenutzt wird!

Oder ein Konzern hier vor Ort.... Da müssen Leute erstmal 2 Monate umsonst arbeiten, um den Job zu behalten. Die kriegen in der Zeit ihr Arbeitslosengeld weiter. Hallo?! Es handelt sich um einen finanzstarken Konzern und WIR (die Steuerzahler) zahlen dem für seine 250 Mitarbeit jeweils 2 Monate lang das Gehalt an SEINE Mitarbeiter?!? :blink: :blink: :wallbash: Das ist doch nicht richtig und gehört unterbunden!

Dafür wird mittelständischen Unternehmen scheinbar ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt. Ist auch nicht richtig.

Zitat (Nobody @ 29.03.2007 11:46:53)
in München sind die Lebenhaltungskosten auch astronomisch.

Umpf :wacko: ! DAS WEISS ICH.

Aber bei der Debatte spielt das erstmal keine Rolle! Das ist einer FIRMA doch schnuppe, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind!! Die sehen nur: In München zahlen wir im Monat 3000 Euro an den und den Mitarbeiter und in Sachsen-Anhalt 1300. Wo der Mitarbeiter das läßt und ob er das auch braucht, ist doch dem globalen Konzern zunächstmal völlig schnurz.

Zum Thema Mindestlohn kann ich als direkt Betroffener auch etwas beisteuern. Ich bin seit 25 Jahren als Taxifahrer tätig - also im Dienstleistungsbereich. Bei uns ist es üblich, dass keine festen Löhne, also Stundenlohn oder Festgehalt - bezahlt werden. Man bekommt 45 % des Umsatzes als Bruttolohn. Das hört sich viel an, ist es auch - für den Arbeitgeber. Nur muss man sich überlegen, wie schwierig es heute ist, erst mal 100.- Euro einzufahren. Von 100 Euro Einnahme gehen - mit Lohnnebenkosten 50 als Lohn ab. Von dem Rest muss der Taxiunternehmer alle anderen Kosten bestreiten: 15 % des Gesamtumsatzes gehen für Sprit drauf. Versicherung, Zentralegebühren, Steuern, Reparaturen, Verschleiss, Berufsgenossenschaft, all das muss der Unternehmer bei 100 Euro Umsatz von 50 Euro bezahlen. Man kann davon ausgehen, dass ein Fahrer in der Tagschicht rund 100 Euro täglich einfährt, in der Nachtschicht etwa 150 (Kasseler Verhältnisse, in anderen Städten kann es anders aussehen). Meist ist es eher etwas weniger, ich habe diesen Monat etwa 1700 Euro eingefahren, wobei zu breücksichtigen ist, dass ich auch einige Tage für Reparaturen genutzt habe. Rechnet man nun diese Umsätze nach der "Cash-Flow-Methode" kaufmännisch nach, wird man feststellen, dass ein Taxi oder ein Mietwagen, den ich fahre, weder eine sog. "Investitionarücklage", noch einen reellen "Gewinn" erwirtschaftet. Man kann davon leben, mehr aber auch nicht. Es ist für die meisten Unternehmer nicht möglich, einen Fahrer zu reellen Bedingungen einzustellen. Daher arbeiten die meisten Fahrer als "400-Euro-Jobber". Das gilt auch für mich, denn ohne Unterstützung durch ein "Amt" würde wohl kaum ein Taxifahrer leben können. Man bekommt eben zum Wohngeld noch etwas dazu, da man seinen Lebensunterhalt kaum von 600 Euro brutto bestreiten kann. Insofern wäre es wohl kaum möglich, dass ein Taxiunternehmer einen Mindestlohn überhaupt zahlen könnte.

Aaaaaaber: In anderen Branchen ist es sicherlich möglich, einen Mindestlohn zu zahlen. Man müsste für die kleinen und mittelständischen Unternehmen aber erst mal die Rahmenbedingungen schaffen. Aus meiner Sicht wären das Steuererleichterungen, günstige langfristige Kredite, die nicht die Substanz eines Unternehmens auffressen, öffentliche Aufträge ohne Ausschreibungen an auswärtige oder ausländische Konkurrenten, aber auch faire Preise. Etwas mehr Fantasie bei der Kalkulation würde manchen Handwerksmeister sicher vor dem finanziellen Aus sichern können. Und schließlich flexiblere Arbeitszeiten - auch ohne Lohnausgleich. Es kann nicht angehen, dass im Dienstleistungsgewerbe ohne Murren und Streiks Tag und Nacht, am Wochenende und Feiertags, gearbeitet wird, ohne dass jemand auch nur an einen Zuschlag denkt, auf Baustellen aber (vorzugsweise Strassen - oder Autobahnbaustellen) am Freitag um 14.00 Uhr der Hammer fällt. Mit der heutigen Technik könnte sehr wohl auf einer Autobahnbaustelle auch nachts gearbeitet werden, ohne dass die Qualität der Arbeit leiden würde. Und Lohnzuschlag (nach Gewerkschaftsvorstellungen) müsste meiner Meinung nach auch nicht gezahlt werden. Es müsste die Regel sein, so wie in Kneipen, in Taxibetrieben, im Einzelhandel, an Tankstellen o. ä. Wenn man dafür VERNÜNFTIGE, planbare, langfristige, FESTE Arbeitsplätze schaffen könnte, könnte doch eigentlich JEDER auf Nacht - und Feiertagszuschläge verzichten. Voraussetzung wäre, dass Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gezahlt werden könnten.

Und jetzt zum leidigen Thema "Lohnnebenkosten": Unsere tolle "regierung" brüstet sich damit, so wenig Arbeitslose wie seit zehn Jahren zu haben. Nur: in deren Statistiken sind 400-Euro-Jobber nicht enthalten, Frührentner, Umschüler, Harzt-IV-Empfänger, 1-Euro-Jobber, Hausfrauen, die nicht arbeitslos gemeldet sind, junge Mütter ebenfalls nicht. Nach einem Bericht von Ullrich Meyer (Sat1, "Akte06") im letzten Jahr werden nur etwa die HÄLFTE aller Arbeitslosen in der Statistik geführt. Wenn die oben genannten Bevölkerungsgruppen (Arbeitsfähige) alle VOLL beschäftigt WÄREN, könnten die Lohnnebenkosten sinnvoll gesenkt werden und TROTZDEM der Sozialstaat nach Bismarck VOLL erhalten werden. Man sollte bedenken, dass nicht 4,1 Millionen Menschen in Deutschland, sondern nach Meyer-Rechnung fast NEUN Millionen Menschen in Deutschland doppelte Kosten verursachen. Zum Einen zahlen sie nicht in den "Sozialstaat" ein, zum Anderen müssen diese Menschen ernährt, gekleidet und gesund erhalten werden. Und das alles von den Sozialabgaben einer immer geringer werdenden arbeitenden Schicht. Das kann ja wohl nicht lange gutgehen, zumal die deutsche Industrie aus Profitgier immer weiter ins Ausland abwandert (man nennt das auch "Globalisierung"). Was wird dann mit den vielen Menschen in Deutschland, die in der Industrie beschäftigt sind? Wie kann es angehen, dass ein Konzern wie "Siemens" im Jahr 2004 NEUN MILLIARDEN GEWINN NACH STEUERN einsackt, andererseits 6000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen darf? Ich denke, da müsste der Staat eingreifen. Im Grundgesetz steht schließlich auch ein Satz, der für ALLE gelten sollte: Eigentum verpflichtet. Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

Mein Fazit dazu: Wenn der globale "Turbo-Kapitalismus" amerikanischer Machart so weitergeht, gehen ALLE "Demokratien" auf Dauer gesehen den Bach runter. Wer lässt sich schon eine solche konsequente "Enteignung" lange gefallen? Und, da der "Arbeitnehmer" gewöhnlich als "Kapital" nichts als seine Arbeitskraft hat, wird er stetig seines Kapitals beraubt, denn man gibt ihm ja keine vernünftige Möglichkeit, "sein" Kapital zu versilbern.


Gruß

Abraxas


Hallo zusammen,

hier in Deutschland bekommt man für richtige Arbeit kein richtiges Geld mehr.

Die Damen die bei den Putzfirmen arbeiten und die qu meter putzen das ist schon anstrengend.

Hier ist ja auch der Lebenunterhalt sehr teuer.

Wenn man für 50 € einkaufen geht hat man nichts im Wagen liegen.

Und das nur von voriges Jahr bis jetzt gesehen. Von den DM Zeiten garnicht zu sprechen.

Und wenn die den Mindestlohn einführen, da wird das überall so, das zieht sich dann nach und nach in jede Branche durch.

Das werden wir noch erleben.

Wartet mal ab.

Gruß Andante :tv:


Zitat (Abraxas3344 @ 29.03.2007 18:43:35)
Mein Fazit dazu: Wenn der globale "Turbo-Kapitalismus" amerikanischer Machart so weitergeht, gehen ALLE "Demokratien" auf Dauer gesehen den Bach runter. Wer lässt sich schon eine solche konsequente "Enteignung" lange gefallen? Und, da der "Arbeitnehmer" gewöhnlich als "Kapital" nichts als seine Arbeitskraft hat, wird er stetig seines Kapitals beraubt, denn man gibt ihm ja keine vernünftige Möglichkeit, "sein" Kapital zu versilbern.


Ich habe mal irgendwo den schlauen Satz gehört: Wenn ein System sich dauerhaft gegen das Volk richtet (egal welches) wird es früher oder später untergehen. So ist es mit diesem Turbo-Kapitalismus meiner Ansicht nach ebenfalls. Und dafür brauch ich kein BWL, VWL oder sonstwas studiert haben.

Arbeit soll doch FÜR die Menschen sein und nicht gegen sie. Sklaventum ist glücklicherweise abgeschafft. Nicht alle Macht dem Kapital!

Habe heute in der Zeitung gelesen:

Aufschwung am Arbeitsmarkt
Arbeitsmarkt unter zehn Prozent - 500 000 Menschen reicht der Lohn nicht zur Grundsicherung

Bedenklich: 500 00 Menschen bekommen Zuschüsse zur Grundsicherung, obwohl Sie ganztägig arbeiten. Die Zahl hat sich innerhalb 2 Jahre verdoppelt.

So kanns doch nicht weitergehen.


Zitat (Sparfuchs @ 30.03.2007 09:57:56)
Arbeitsmarkt unter zehn Prozent - 500 000 Menschen reicht der Lohn nicht zur Grundsicherung
Bedenklich: 500 00 Menschen bekommen Zuschüsse zur Grundsicherung, obwohl Sie ganztägig arbeiten. Die Zahl hat sich innerhalb 2 Jahre verdoppelt.
So kanns doch nicht weitergehen.

Mein Reden!
Und gestern hab ich gelesen, dass die "Superreichen" ihr Einkommen um 50 % steigern konnten im letzten Jahr!!!!! :wallbash: Und der "kleine Mann"?!? :blink:

Hallo Sparfuchs,

das ist das auch unter anderem was meine Befürchtungen sind. Das ist dann heute so und bei dem Mindestlohn auch.

Das wird ja nicht besser sondern schlimmer.

Weil dann alle Firmen den Lohn drücken.

Ausser natürlich die das vermitteln, die können sich dann schon in die Sonne legen, auf den Leuten ihre Knochen.

Andante :( :P


Hab ich vor zehn Jahren schon gelesen: Da haben einige Wissenschaftler die wirtschaftlichen und politischen Systeme untersucht. Man hat gesagr, dass sich die Verhältnisse global total ändern werden. Die Länder der sogenannten "ersten Welt" werden ihren Reichtum langfristig verlieren, die Schwellenländer oder die "dritte Welt" wird im gleichen Atemzug ihren Lebensstandard für unabsehbare Zeit auf unser Niveau (vor zehn Jahren) erhöhen und letztendlich - wenn der Kapitalismus an seine Grenzen stößt, zusammenbrechen. Diese Voraussagen traf schon Silvio Gesell, der die Freiwirtschaftslehre um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts erdachte. Zu diesen Themen gibt es weit bessere Erklärungen, als ich es könnte, auf www.systemfehler.de. Allerdings: ich kann jedem Leser nur versprechen, dass "Gänsehaut pur" dabei auftritt. Und die Voraussagen sind nicht halb so vage wie die von Nostradamus, sondern wissenschaftlich und politisch erklärt. Viel Spass beim Gruseln...


Gruß

Abraxas


N Arbeitgeber, der nen Mindestlohn zahlen muss, der dem gegen den Strich geht, wird versuchen auszuweichen. Entweder einen Praktikaten nach dem andern einstellen (und natürlich nicht übernehmen), Überstunden machen lassen und nicht bezahlen (ist heute nix besonderes mehr, dass da auch keiner gegen aufmuckt, die können froh sein wenn die die Zeit abfeiern können) oder Schwarzarbeiter einschleusen. Das sind dann natürlich "Freunde der Familie, die nicht da arbeiten, sondern bloß mal eben aushelfen" und und und.
Im Dienstleistungsbereich isses noch einfacher. Da wird dann eben noch weiter eingespart, der Service wird schlechter, bis jetzt hat das auch geklappt. Und kaum verliert die Post ihr Monopol endgültig, heißts auch schon dass samstags keine Post mehr ausgeliefert werden soll. War das nicht mal so in Deutschland, dass da auch nachmittags nochmal Post kam? Wenn dann jedenfalls vor meiner Zeit.


ich kann da ja nicht mitreden...
habe aber einen interessanten artikel gefunden...besonders der titel hat es
mir angetan :o
http://www.blick.ch/sonntagsblick/wirtschaft/artikel56773


Zitat (bonny @ 30.03.2007 22:39:27)
ich kann da ja nicht mitreden...
habe aber einen interessanten artikel gefunden...besonders der titel hat es
mir angetan  :o
http://www.blick.ch/sonntagsblick/wirtschaft/artikel56773

Jepp, so isses! :yes: Deutschland ist, soviel ich weiss, das einzige Land, in dem die Gehälter niedriger werden, aber gewaltig!! I know! B)

Ich habe es schon mal geschrieben und werde nicht müde mich zu wiederholen!! Die Wirtschaft wird nicht zu Grunde gehen, nur weil wir Mindestlohn einführen und es werden auch nicht alle Firmen abwandern etc.!! :nene:

Denn - und auch das wiederhole ich gerne mehrmals! - in anderen Ländern passiert das auch nicht und es liegt nicht nur an Löhnen, wenn Firmen auswandern! Guckt Euch z. B. Schweden an!

Lt. dem Link von bonny hat Schweden einen Gehaltszuwachs von 28,5 % und Deutschland von minus 5,1 % ! <_< Aaaaber: Schweden hat ne Arbeitslosenquote von 5,5 % und wir?! Wir von ca. 10 %. :blink:

Oder die Schweizer... 4 % Arbeitslosigkeit!! Auch die hatten eine Reallohnzuwachs von 4 %. Also?!? Wat nu? Meint Ihr immer noch es liegt an unseren angeblich "astronomischen" Gehältern? Und nun kommt nicht, dass die Lebenshaltungskosten in Schweden höher sind! Das mag sein, aber nochmal: Das hat erstmal nix miteinander zu tun! Die Lebenshaltungskosten sind da u. a. höher, weil die Leute dort mehr Geld haben? Und warum haben die mehr Geld? Ja, weil die mehr Arbeit haben!

Abgesehen davon: Einem weltweit agierender Konzern ist es doch schnuppe, ob die Lebenshaltungskosten in Schweden so hoch sind, weil die Leute das Geld brauchen, um normal zu leben. Wieso geht der Konzern nicht nach Polen oder in die Urkaine? Da kosten die Löhne nicht mal 1/3 und produzieren können die da auch. Aber offenbar tun sie es nicht, zumindest sehr viele nicht.

Deutschland braucht mehr Binnenkonjunktur und das erreicht man durch höhere Löhne. Wie soll denn der "kleine Mann" sich einen Zimmermann leisten, wenn er arbeitslos ist? Und dann werden wieder Zimmerleute arbeitslos, weil die nix zu tun haben und die kaufen dann weniger und dann haben weniger Verkäuferinnen einen Job und und und. DAS ist für mich Arbeitsplatzabbau! <_<

Der Mindestlohn muss kommen - und zwar sehr bald.

1) Ein Arbeitgeber stellt (meiner Erfahrung nach) erst dann jemanden ein, wenn es gar nicht mehr anders geht, wenn die Arbeit auch mit Überstunden, mit Druck und viel Phantasie nicht von der bestehenden Mannschaft bewältigt werden kann.
Und dann spielt es auch schon keine Rolle mehr, ob der Mitarbeiter dann 3,50 EUR oder 7,50 EUR pro Stunde bekommt. Ich muss mein Auto reparieren lassen, wenn die Bremse nicht geht - egal was es kostet, und der Arbeitgeber muss eben manchmal auch jemanden einstellen - egal was es kostet.

2) In einem Konzern fallen entweder viele schlecht qualifizierte (und schlecht bezahlte) Arbeiten an oder es gibt nur wenige.
Sind es viele, dann ist der Konzern (sofern es denn möglich ist) mutmaßlich bereits in ein Billiglohnland ausgewandert. Es gibt in Deutschland eben einige Industriezweige nicht mehr. Diese Auslagerungswelle ist bereits passiert und niemand wird hier wieder eine Textilindustrie aufbauen, nur weil es keinen Mindestlohn gibt.

Beschäftigt der Konzern dagegen hier nur einige wenige schlecht bezahlte Mitarbeiter, dann wird deswegen niemand den Firmenstandort ändern. Denn auch das ist ziemlich teuer. Und die 700 EUR, die ein Mitarbeiter danach vielleicht mehr bekommt - sorry das ist eine ganz normale Spesenabrechnung für einen höheren Angestellten, der mal für 3 Tage einen Kunden besucht - das bringt den Konzern nicht um. Auch wenn er jetzt die Putzkolonne und den Kurierdienst anständig bezahlen muss.

3) Ich stimme meinem Vorschreiber zu, dass es eh vor allem die Dienstleistungsjobs sind, die schlecht bezahlt werden. Und diese lassen sich, Globalisierung hin oder her, nicht ins Ausland auslagern.

4) Durch Harz IV kommen nun viele Menschen in eine Lage, in der sie arbeiten müssen, egal wie gering der Lohn ist. Das war ja auch politisch so gewollt, man wollte Druck ausüben, dass auch schlechtere Arbeit angenommen wird. Früher gab es eine "natürliche Lohnuntergrenze", für weniger als Sozialhilfe haben nur wenige gearbeitet. Dies ist jetzt weggefallen (vor allem weil viele ja gar kein Harz IV bekommen). Wenn wir nicht wollen, dass die Löhne ins Bodenlose sinken, dann brauchen wir jetzt einen Mindestlohn. Das eine bedingt das andere.

5) Angenommen, bisher wurde in einem Ort 100 000 Eur für Haareschneiden ausgegeben. Jetzt müssen (wegen Mindestlohn) die Löhne steigen, jeder Mitarbeiter bekommt 50 % mehr Lohn. Würden die Menschen weiter genau so oft zum Friseur gehen, so würde nun 135 000 Eur ausgegeben. (Es fallen ja noch andere Kosten (Miete, Strom, Wasser, Haarpflegemittel... ) an.

Einige Bewohner können sich aber die höheren Preise nicht leisten, andere aber doch. Denen ist eben ein vernünftiger Haarschnitt wichtiger als ein Flachbild-Fernseher. Also werden in Zukunft vielleicht 125 0000 EUR in dem Ort umgesetzt.
Ich hör schon den Einwand: Aber jetzt fällt ja weniger Arbeit an: Das ist so. Trotzdem bleibt mehr Geld bei den Friseuren, man muss ja nun nicht unbedingt Leute ausstellen, man kann einfach die Arbeitszeit ein wenig reduzieren und trotzdem haben die einzelnen Friseure danach mehr Geld.


Zitat (Kalle mit der Kelle @ 30.03.2007 22:17:19)
N Arbeitgeber, der nen Mindestlohn zahlen muss, der dem gegen den Strich geht, wird versuchen auszuweichen. Entweder einen Praktikaten nach dem andern einstellen (und natürlich nicht übernehmen), Überstunden machen lassen und nicht bezahlen (ist heute nix besonderes mehr, dass da auch keiner gegen aufmuckt, die können froh sein wenn die die Zeit abfeiern können) oder Schwarzarbeiter einschleusen. Das sind dann natürlich "Freunde der Familie, die nicht da arbeiten, sondern bloß mal eben aushelfen" und und und.
Im Dienstleistungsbereich isses noch einfacher. Da wird dann eben noch weiter eingespart, der Service wird schlechter, bis jetzt hat das auch geklappt. Und kaum verliert die Post ihr Monopol endgültig, heißts auch schon dass samstags keine Post mehr ausgeliefert werden soll. War das nicht mal so in Deutschland, dass da auch nachmittags nochmal Post kam? Wenn dann jedenfalls vor meiner Zeit.

Das machen die doch jetzt schon. Soweit es irgendwie geht.
Nur - irgendwann ist Schluss, irgendwann kommt der Punkt, an dem die Firma einfach jemanden braucht.

Wenn man mal jemanden einstellen muss, um die Beschwerdefaxe zu beantworten (war bei uns in der Firma schon mal fast so weit) -dann kann man ebenso gut noch jemanden im Service einstellen. Und das wurde dann auch gemacht.

Solange es irgendwie anders geht, stellt doch keine Firma jemanden ein. Und wenn man dann jemanden einstellt, nimmt man eben den billigsten, den man kriegen kann. Und da sollte ein Mindestlohn dafür sorgen, dass der billigste eben nicht vollends ausgenutzt wird.

Krötilla leider wirfst du Äpfel und Birnen durcheinander und vergleichst sie mit Bananen.

Du beziehst deine Ausssagen nur darauf, was in Deutschland verdient wird. Die Ausgaben in einem Unternehmen und damit ob Arbeit teuer oder billig ist, werden noch durch ganz andere Faktoren bestimmt. Diese nennen sich Lohnnebenkosten dazu kommen Steuern und Abgaben. Auflagen müssen erfüllt werden. Ein Kleinbetrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern muss soviele Statistiken führen, das dazu eine weitere Arbeitskraft benötigt wird, die aber leider völlig unproduktiv nur irgendwelche Zettel für die Gewerbeaufsicht, Innung und Berufsgenossenschaft ausfüllt.

Um Arbeit in Deutschland zu halten, muss massiv die Bürokratie abgebaut und das Steuersystem vereinfacht werden. Abbau von Subventionen, die am Ende mehr Kosten als Nutzen verursachen, wäre mal ein richtiger Schritt. Weiterhin gehört mal über die EU nachgedacht, deren Reglementierung ist die Jobvernichtungsmaschine schlecht hin.


Zitat (Nobody @ 31.03.2007 10:59:00)
Du beziehst deine Ausssagen nur darauf, was in Deutschland verdient wird. Die Ausgaben in einem Unternehmen und damit ob Arbeit teuer oder billig ist, werden noch durch ganz andere Faktoren bestimmt.

Ich denke auch, dass die Bruttolohn selbst eben nicht der wesentliche Punkt ist, der bestimmt, ob in Deutschland jemand Arbeit findet.

Eben, es gibt noch viele andere Punkte.
Aber gerade deshalb ist doch die Aussage "Wenn die Leute mehr verdienen, gibt es noch mehr Arbeitslose" falsch.

Bürokratie kann hilfreich und sinnvoll sein (ich bin ganz froh, dass ich kein Haus bauen kann, bei dem das Treppengitter so ist, dass sich mein Kind in den Tod stürzen kann)
Und Bürokratie kann sinnlose Zeitverschwendung sein.

Da muss (mit Augenmaß) abgebaut werden.

Das ist aber richtig, egal, ob es Mindestlöhne gibt oder nicht.

Nobody: Um wie viel Prozent würde der Unternehmensgewinnn (oder Verlust) sich bei einem Kleinbetrieb denn ändern, wenn jeder Mitarbeiter nun mindestens 7,50 € verdienen würde?
Ich denke, dass das (wenn es nicht gerade ein Friseur oder ein Taxiunternehmen ist) kaum in's Gewicht fällt.

Zitat (Charly_70 @ 31.03.2007 11:12:31)
Zitat (Nobody @ 31.03.2007 10:59:00)
Du beziehst deine Ausssagen nur darauf, was in Deutschland verdient wird. Die Ausgaben in einem Unternehmen und damit ob Arbeit teuer oder billig ist, werden noch durch ganz andere Faktoren bestimmt.

Ich denke auch, dass die Bruttolohn selbst eben nicht der wesentliche Punkt ist, der bestimmt, ob in Deutschland jemand Arbeit findet.

Eben, es gibt noch viele andere Punkte.
Aber gerade deshalb ist doch die Aussage "Wenn die Leute mehr verdienen, gibt es noch mehr Arbeitslose" falsch.

Bürokratie kann hilfreich und sinnvoll sein (ich bin ganz froh, dass ich kein Haus bauen kann, bei dem das Treppengitter so ist, dass sich mein Kind in den Tod stürzen kann)
Und Bürokratie kann sinnlose Zeitverschwendung sein.

Da muss (mit Augenmaß) abgebaut werden.

Das ist aber richtig, egal, ob es Mindestlöhne gibt oder nicht.

Nobody: Um wie viel Prozent würde der Unternehmensgewinnn (oder Verlust) sich bei einem Kleinbetrieb denn ändern, wenn jeder Mitarbeiter nun mindestens 7,50 € verdienen würde?
Ich denke, dass das (wenn es nicht gerade ein Friseur oder ein Taxiunternehmen ist) kaum in's Gewicht fällt.

Als Beispiel
Eine Reinigungsfirma, also Dienstleistungsbranche. Von der kleinen Anwaltskanzlei über Behörden, Schulen und großen Einkaufszentren ist im Kundenstamm alles vertreten. Leider ist aber diese Dienstleistung aber nicht besonders angesehen, jeder will es sauber aber nicht um jeden Preis, lieber nimmt man sich eine 400 Euro Putze die mit Drogerieartikeln den Boden sicherlich sauber aber nicht nachhaltig porentiefrein bekommt. Der Stundenlohn liegt in der Firma zwischen 5,20 Euro und 8,56 Euro. Das richtet sich nach der Schwere der Arbeit und auch nach den Objekten. Kommunale Einrichtungen zahlen schlechter umgehen eigene Auflagen. Fordern aber Mindestlohn.
Die Firma macht keinen großen Gewinne, das was übrig bleibt, wird in neue Maschinen investiert und um Kredite schneller zu tilgen. Sollte die Firma den Gewünschten Mindestlohn zahlen müssen, wird die Firma alle Veträge die sich dann nicht rechnen kündigen und die Angestellten in die Arbeitslosigkeit schicken.

Mindestlöhne zu fordern ist das eine, Arbeit bezahlbar zu machen das andere.

Zitat (Nobody @ 31.03.2007 11:27:20)
[
Die Firma macht keinen großen Gewinne, das was übrig bleibt, wird in neue Maschinen investiert und um Kredite schneller zu tilgen. Sollte die Firma den Gewünschten Mindestlohn zahlen müssen, wird die Firma alle Veträge die sich dann nicht rechnen kündigen und die Angestellten in die Arbeitslosigkeit schicken.

Mindestlöhne zu fordern ist das eine, Arbeit bezahlbar zu machen das andere.

Aber wer putzt dann?

Die Behörden etc. werden ja trotzdem schmutzig - zu viel wird bisher bestimmt nicht geputzt. Das ist bereits das unterste Level.

Das heißt, wenn jetzt angekündigt wird, dass es zum 01.06.2008 Mindestlöhne gibt, muss die Firma eben andere Verträge aushandeln. Und da die Behörden niemanden finden, der es noch billiger macht (außer sie gehen in die Illegalität) wird eben der nächste Vertrag nicht mehr gar so kostengünstig sein. Und dann sind die Mindestlöhne auch finanzierbar.

Zitat (Nobody @ 31.03.2007 10:59:00)
Krötilla leider wirfst du Äpfel und Birnen durcheinander...

Du beziehst deine Ausssagen nur darauf, was in Deutschland verdient wird. Die Ausgaben in einem Unternehmen und damit ob Arbeit teuer oder billig ist, werden noch durch ganz andere Faktoren bestimmt. Diese nennen sich Lohnnebenkosten dazu kommen Steuern und Abgaben.

Ok, ich finde zwar nicht, dass ich Äpfel mit Birnen vergleiche, aber von der Hand zu weisen ist Dein Einwand nicht. Ein Fakt, den ich bei meinen Ausführungen bisher außer Acht gelassen habe sind die Lohnnebenkosten, das ist wahr.

Ich muss leider gestehen, ich habe keine Ahnung, wie das etwa in Schweden oder der Schweiz gehandhabt wird. :huh:

Mindestlöhne schön und gut, aber dann gibt es neue Arbeitsverträge mit geringerer Arbeitszeit und schon hat der ganze Mindestlohn nichts gebracht. :ph34r:

Siehe Zeitarbeit, der Vertrag mit dem Arbeitnehmer läuft über 35 Stunden, bei ca. 6,34 € brutto :wallbash: was will man dann noch Vollzeit verdienen? Zumal alle Mehrstunden die von der Entleiherfirma verlangt werden nicht bezahlt werden, sondern als Gutstunden angeschrieben werden (super da hat man viel davon wenn man die nicht mal frei nehmen kann, weil man ja Vertretung macht). Also ist man quasi gezwungen auch noch kostenlose Überstunden zu machen :(

Tja und wenn ich dann höre dass die Entleiherfirma mal eben mehr als das Doppelte vom Bruttolohn an die Zeitarbeit zahlt, da fasse ich mir an Kopf.

Also, da hilft der Mindestlohn auch nicht wirklich viel, denn mit so einem Reinverdienst winkt trotzdem das Harz IV. :wacko:

Es sind sicher nicht alle Zeitarbeitsfirmen so, aber ein Teil nunmal schon.


Zitat (Blackcat31 @ 02.04.2007 08:37:41)
Also, da hilft der Mindestlohn auch nicht wirklich viel, denn mit so einem Reinverdienst winkt trotzdem das Harz IV. :wacko:

:blink: Äh, den Satz hab ich nicht ganz kapiert....

Leiharbeit ist moderne Sklavenarbeit!! :yes:

Leiharbeit kann auch zu festen Anstellungen führen...gerade im IT-Bereich kommt das oft vor.


Zitat (murphy @ 02.04.2007 14:36:50)
Leiharbeit kann auch zu festen Anstellungen führen...gerade im IT-Bereich kommt das oft vor.

Ja, das ist wahr.

Aber auch hier gibt´s "Aber´s". ;) In der letzten Firma, in der ich beschäftigt war, arbeiteten teilweise Leiharbeiter schon seit 5 Jahren und das ist nicht ok, finde ich. Früher gab es mal ein Gesetz, was dieses unterbunden hat, aber das wurde abgeschafft (ich glaube sogar von Rot-Grün :huh: !).

LG
Kröti

Die Diskussion und die Probleme wären gelöst, wenn JEDER und ich meine JEDER ein Einkommen hat. Ein sogenanntes "bedingungsloses Grundeinkommen". Es würde jeder Deutscher so viel Geld bekommen, dass er gerade überleben kann (in Österreich = 726€ Armutsgrenze).
Dadurch könnte 1. sehr viel in der Verwaltung eingespart werden (andere Unterstützungen wie Hartz IV, Arbeitslosengeld, Mindestrente, Kindergeld... bla würden wegfallen) 2. müssten keine Diskussionen mehr über Mindestlöhne mehr gemacht werden, weil die Leute es sich viel mehr aussuchen können, ob und wo sie arbeiten. Die "Scheißjobs" würde keiner mehr annehmen wollen und die Unternehmer müssten um einiges mehr bezahlen, um trotzdem noch Leute dafür zu bekommen. Jeder könnte überleben, auch ohne Job. 3. Keiner würde sich mehr drüber aufregen, dass "Ausländer" ihnen die Arbeit wegnehmen oder die Arbeitslosenrate "schon wieder" gestiegen ist. Es wäre auf einen Schlag uninteressant. 4. Verdaut den Brocken mal und sagt mal, was ihr drüber denkt!

Liebe Grüße


PS: Diese Idee stammt unter anderem von Milton Friedman, Götz Werner (dm drogeriemarkt), ...


Zitat (umweltschuetzer @ 02.04.2007 19:25:55)
Die Diskussion und die Probleme wären gelöst, wenn JEDER und ich meine JEDER ein Einkommen hat. Ein sogenanntes "bedingungsloses Grundeinkommen".

Verdaut den Brocken mal und sagt mal, was ihr drüber denkt!


Gehört hatte ich das schon mal irgendwo.... Nun ja... Im ersten Moment, das gebe ich zu, mutet es utopisch an! Man kann es sich einfach nicht vorstellen und hat Angst vor zuvielen "Schmarotzern", die sich auf sowas ausruhen.

Anderseits: Die Zeit wird irgendwann reif sein für Reformen, aber krasse! :yes: Denn wenn es weiter in diese Richtung geht, wie bisher, wird es irgendwann den Aufstand der Armen geben und das glaube ich wirklich. Nicht heute oder morgen, auch nicht übermorgen, aber wenn das so weitergeht, wird die Bombe irgendwann platzen und es steht ein Bürgerkrieg oder sowas ins Haus.

Dieser Turbo-Kapitalismus hat irgendwann ausgedient, das weiss ich. Von daher... Auch, wenn es irgendwie utopisch klingt... irgendwas muss ja passieren.

Zitat (Krötilla @ 02.04.2007 20:05:23)

Denn wenn es weiter in diese Richtung geht, wie bisher, wird es irgendwann den Aufstand der Armen geben und das glaube ich wirklich.

Ich auch.
Mich wundert, dass das noch nicht längst passiert ist.

Es sind so viele Menschen, auch intelligente, gut ausgebildete, im Beruf erfolgreiche Menschen arbeitslos.

Wenn die sich zusammenschließen würden und ihr wissen zusammenlegen würden - die könnten ganz Deutschland inklusive Strom, Telefon, Banken und Presse übernehmen.

Zitat (Krötilla @ 02.04.2007 14:36:03)
Zitat (Blackcat31 @ 02.04.2007 08:37:41)
Also, da hilft der Mindestlohn auch nicht wirklich viel, denn mit so einem Reinverdienst winkt trotzdem das Harz IV.  :wacko:

:blink: Äh, den Satz hab ich nicht ganz kapiert....

Leiharbeit ist moderne Sklavenarbeit!! :yes:

Ich habe mich da wohl etwas blöd ausgedrückt :blink: Ich meinte nämlich, dass im Falle einer wöchentlichen Stundenabsenkung auch ein Mindestlohn nicht hilft um am zuzahlenden H IV vorbeizukommen. Denn z.B. 6,43€ x 35Std/wö. =? da kann man sich ja ausrechnen was da monatlich rauskommt. Und selbst wenn der Stundenlohn auf 7,50€ angehoben würde, wäre die monatliche Auszahlung immer noch zu gering um davon wirklich normal zu leben.

Ja aber Leiharbeit boomt, weil das immerhin eine Arbeit bietet und man sich nicht noch nutzloser vorkommt. :(

Früher war es tatsächlich so, dass man nicht zu lange an eine Firma entliehen werden durfte, ich glaube es waren 3 Monate. Leider ist es wirklich inzwischen so, dass man unbegrenzt in einer Firma bleiben darf, wobei die Zeitarbeit nach einem halben Jahr mehr Geld kassiert der Arbeitnehmer aber nichts davon hat :ph34r:

Zitat (Blackcat31 @ 03.04.2007 08:29:28)
Denn z.B. 6,43€ x 35Std/wö. =? da kann man sich ja ausrechnen was da monatlich rauskommt. Und selbst wenn der Stundenlohn auf 7,50€ angehoben würde, wäre die monatliche Auszahlung immer noch zu gering um davon wirklich normal zu leben.

Früher war es tatsächlich so, dass man nicht zu lange an eine Firma entliehen werden durfte, ich glaube es waren 3 Monate.

Blackcat, es waren 2 Jahre damals. Genau wie bei befristeten Einstellungen auch. Ist aber eh hinfällig -- leider!

Ja, ich denke auch 7,00 sollte schon die Untergrenze sein. Man muss halt von einem Job, zu dem man 40 h/Woche oder mehr geht, genug Geld zum Leben verdienen. Das ist so!

Was ich nicht so gut finde, ist ein niedrigerer Ost-Mindestlohn. Dann müsste es mehr Unterschiede geben z. B. zwischen Süd und Nord etc.! Oder zwischen Großstadt und dem Lande oder oder oder. Die sollen endlich mit dieser ollen Ost-West-Differenzierung aufhören, et reicht! <_<

Kröti

Zitat (Krötilla @ 03.04.2007 09:06:10)
Was ich nicht so gut finde, ist ein niedrigerer Ost-Mindestlohn.

Es stimmt Ost und West sollte gleich behandelt werden. Auch der Solidarbeitrag sollte abgeschafft werden oder auch der Westen gefördert werden, da sieht es mittlerweile teils schlechter aus als im Osten - wir sind ein Deutschland.

Zitat (Sparfuchs @ 03.04.2007 09:17:23)
Zitat (Krötilla @ 03.04.2007 09:06:10)
Was ich nicht so gut finde, ist ein niedrigerer Ost-Mindestlohn.

Es stimmt Ost und West sollte gleich behandelt werden. Auch der Solidarbeitrag sollte abgeschafft werden oder auch der Westen gefördert werden, da sieht es mittlerweile teils schlechter aus als im Osten - wir sind ein Deutschland.

Ja, ich stimme zu. Und ich sag gleich: Ich bin "Wessi". Obwohl ich ehrlich sagen muss: Auch dieses Ossi und Wessi-Gequatsche sollte aufhören. Es gibt ja auch keine Nordis und Südis. Mein ich echt ernst. Langsam isses doch mal gut.

Und München ist die teuerste Stadt -- dann müssten die doch eigentlich mehr Mindestlohn kriegen als sagen wir Essen oder irgendeine Kleinstadt!! Klar sind im Osten die Lebenshaltungskosten niedriger, aber bei uns (Niedersachsen, klein- bis mittelgroße Stadt) sind die Lebenshaltungskosten auch viel niedriger als z. B. in Hamburg.

Ich weiss auch nicht genau, was da die beste Lösung ist! Denn in München sind 7 Euro vermutlich ein Witz und z. B. in Frankfurt/Oder supergeil. Also schwer zu sagen, echt. Ich glaube, das hab ich schon mal irgendwo geschrieben :wacko: (oh je, das Alter).

Ich sag´s nochmal: Eine Idee wäre höchstens: Mindestlohn überall 6,50 oder so... und dann eben Ortszuschläge. Je nachdem, wo man wohnt. Dann hat man in Hintertupflingen vielleicht 6,50 und in Hamburg 8 Euro oder so.... Keine Ahnung....

LG
Kröti

Selbst wenn 20% aller Deutschen zu "Schmarotzern" würden, wäre es leistbar. Denn die Arbeitslosenquote - rechnet man alle "krieg keinen Job, dann mach ich halt ne Schulung/ein Studium", Hausfrauen, Nicht-Arbeitslos-Gemeldeten, "Privatiers", "Künstler", "Selbstversicherer", "Neuen-Selbständigen" noch zu der "offziellen" Arbeitslosenzahl dazu - wird schon jetzt so hoch sein.

Und irgendwie finde ich die Bezeichnung "Schmarotzer" schon etwas schräg, wenn man bedenkt, dass 726 Euro gerade mal die Armutsgrenze sind. Man kommt damit "gerade mal so" über die Runden, wenn man es sich gut einteilt. Nix mit Luxus. Nix mit großem Auto. Nix schmarotzen.

Politiker, die von "Faulbett" und "soziale Hängematte" reden, haben noch nie von 726 Euro gelebt....

Nebenbei bemerkt: Wer will sein ganzes Leben "nichts" tun? Mit der Zeit wirds einem einfach langweilig. Und dann legt man sich ein Hobby zu. Und da man nicht viel Geld hat, muss man sein Hobby irgendwie finanzieren. Indem man sein Hobby als Arbeit verkauft (schon jetzt gibt es Menschen, die ihr "Hobby zum Beruf" machen), oder sich eine andere Arbeit (vielleicht nur vorübergehend) sucht, um sein Hobby zu finanzieren.

Und ist eine Gesellschaft eine schlechte, in der die Menschen nicht ums Überleben kämpfen müssen sondern sich damit beschäftigen, wie sie glücklich werden können?
Niemand müsste sich mehr den Kopf zerbrechen, ob er seinen Job auch morgen noch hat. Niemand müsste sich einen Chef gefallen lassen, der einfach nur unmenschlich ist. Niemand müsste einen Scheißjob machen, nur damit er überleben kann.
Die Menschen würden die "Scheißjobs" dann machen, weil sie viel Geld dafür bekämen, oder weil sie der Überzeugung sind, dass es ein wertvoller und sinnvoller Beruf ist.

Und ja, es lässt sich finanzieren. Es muss nur der Wille da sein. An nichts anderem fehlt es.


Zitat (umweltschuetzer @ 04.04.2007 09:37:30)
Und ja, es lässt sich finanzieren. Es muss nur der Wille da sein. An nichts anderem fehlt es.

Da bin ich ganz anderer Meinung - was ist denn Geld - ein Tauschmittel. Am Anfang musste jeder eine Leistung erbringen um zu überleben. Nur wenn er was zum Tauschen hatte, konnte er etwas bekommen. Heute meinen wir auch vom Nichtstun leben zu können. Dafür müssen andere immer mehr arbeiten. Das führt dazu, dass die arbeitende Bevölkerung immer mehr an die anderen abführen muss und Arbeit nicht mehr lohnt. Wenn wir so weiter machen landen wir auf Entwicklungshilfe - Niveau.

Ihr werdet es nicht glauben - aber vor ungefähr 2 Monaten war in "markt.de" unter Jobangebote eine Anzeige geschaltet, in welcher ein Unternehmer eine Bürokraft suchte. So weit - so gut...aber: ich zitiere sinngemäß: ..leider kann ich für die Arbeit noch kein Gehalt zahlen. Das wird erst ungefähr in einem Jahr möglich sein..
Kann man dem noch was hinzufügen???????


Zitat (klausbege @ 04.04.2007 12:26:03)
..leider kann ich für die Arbeit noch kein Gehalt zahlen. Das wird erst ungefähr in einem Jahr möglich sein..[/b]
Kann man dem noch was hinzufügen???????

Ja kann man:

Bewerber die noch Geld mitbringen, werden bevorzugt :lol:

Zitat
Heute meinen wir auch vom Nichtstun leben zu können. Dafür müssen andere immer mehr arbeiten.


Nein, das stimmt nicht.
Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem der Unternehmer produziert: Er versucht, die Produktion so zu rationalisieren, dass immer weniger Arbeitskräfte dafür notwendig sind. Das Ziel der Rationalisierung ist also, immer mehr zu produzieren, mit immer weniger Aufwand. Je effizienter wir produzieren, desto weniger müssen wir dafür arbeiten. Das ist doch was Positives. (eigentlich)

Ein anschauliches Beispiel: Früher wusch eine Frau die Wäsche mit der Hand und hat dafür den ganzen Tag gebraucht. Es war harte Knochenarbeit. Dann gab es Leute, die sich dachten "Das muss doch nicht sein!". Irgendwann wurde die erfunden. Heute muss die Frau (oder auch der Mann!) die Wäsche nur noch in die Maschine tun und nach einer halben Stunde aufhängen. Man kam von der schweren körperlichen Arbeit zur eher "unterstützenden" bzw "administrativen" Arbeit. Die ist viel angenehmer. Und sie benötigt weniger Arbeitskraft.
Kann man sagen, dass diese Frau vom "Nichtstun" lebt und nur auf der faulen Haut rumliegt, weil sie die Wäsche viel schneller machen kann? Müssen andere dafür mehr arbeiten?
Die Antwort ist: nein.

Und genau so sieht es auf Dauer mit der Wirtschaft aus: Die Waren produzieren sich immer mehr "von selbst".

Wenn man mit der Arbeit im Haushalt fertig ist, ist man dann "arbeitslos"? Nein, man hat Freizeit!

Es ist unaufhaltsam: Die "Arbeitslosigkeit" wird immer weiter ansteigen. Man kann nicht Arbeit aus dem Nichts erschaffen, wo einfach schon alle Arbeit getan ist. Man muss auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn keine Arbeit da ist. Eigentlich ist das ein gutes Zeichen. (Wenn alle Menschen im Land mit den produzierten Waren versorgt werden können. Und das ist der Fall.)
Die Frage ist nur: warum müssen diejenigen, die "mit der Arbeit fertig sind" ein schlechtes Gewissen haben? Warum müssen andere wiederum 40 Stunden arbeiten um als "Vollzeitarbeiter" zu gelten?

Man stelle sich folgendes vor:

In einer Kommune leben 10 Personen. Sie sind Selbstversorger und alle 10 müssen rund um die Uhr am Feld arbeiten, damit alle versorgt sind. Mit der Zeit werden Maschinen angeschafft und die Arbeit so rationalisiert (natürlich umweltverträglich), dass nur noch eine Person den ganzen Tag arbeitet.
Diese eine Person - nennen wir sie "Hans" - arbeitet Tag für Tag, Woche für Woche. Er alleine macht sozusagen "die Arbeit für alle anderen". Irgendwann reicht es ihm.
"Warum soll ich euch mitversorgen?" "Ihr liegt da auf der faulen Haut und ich muss den ganzen Tag arbeiten!"
Alle merken, dass das irgendwie ungerecht ist. Also denken sie sich alle gemeinsam eine Lösung aus. Irgendwann kommen sie zum Schluss, dass nur derjenige Anspruch auf Essen hat, der den ganzen Tag arbeitet. Und wenn es für jemanden keine Arbeit (zb Hausarbeit) gibt, so muss derjenige sich bei einem Programm betätigen, dass "ABM" heißt. Beim "ABM" baut er jeden Tag 8 Stunden lang eine Wand aus Ziegelsteinen. Am Abend reißt er sie wieder ab und baut am nächsten Tag eine neue. "Ewald" ist schlecht in Hausarbeiten und ihm bleibt nur noch das "ABM". Er ist einer der Ärmsten. Eigentlich tut Ewald das nur, damit er ein "Recht" auf eine Mindestportion Essen hat. Interessant ist die Tätigkeit nicht. Und was macht Hans (der, mit dem Traktor)? Er arbeitet natürlich den ganzen Tag auf dem Feld und schafft das Essen heran "für alle anderen".

Ist das logisch?

Wäre es nicht logischer gewesen, wenn sie gesagt hätten: "Ok, da alles viel leichter geht und nur noch Arbeit für einen da ist, teilen wir diese Arbeit einfach auf alle auf. So trägt jeder was bei und alle haben viel Freizeit." Jeder der 10 Personen arbeitet dann einen Tag in der Woche auf dem Feld. Abwechselnd. Alle sind versorgt, alle haben viel Freizeit. Keiner macht dem anderen einen Vorwurf.

Versteht ihr, wie ich das meine?

Bearbeitet von umweltschuetzer am 04.04.2007 14:03:13

Umweltschützer - deine Ausführungen sind ja nachvollziehbar, aber leider funktioniert es in der Praxis nicht. Die die Arbeit haben, müssen immer mehr leisten und die anderen haben nichts zu tun. Das mit der Arbeitsteilung ist richtig - die Gewerkschaften haben das ja versucht umzusetzen, teils gelungen, aber auch wieder rückgängig gemacht.
Man müsste auch eine Maschinensteuer einführen, aber da heute alles global zu sehen ist - keine Chance dies durchzuführen. Geld ist genug da - ein paar wenige haben sehr viel mehr als die vielen Kleinverdienern und die Schere geht immer weiter auseinander.
Die Reformen die nächstes Jahr kommen, kommen den Firmen zugute und der einfache Arbeiter wird dies zahlen. Der normale Bürger soll für seine Rente sparen, gleichzeitig wird der Sparerfreibetrag nochmals halbiert und die Renten der Zukunft kann man besteuern wie man will. Keiner der heute arbeitet weis was er mal zum Leben hat als Rentner, ob er vorsorgt oder nicht. Es gibt keine klare Linie.



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