Ein Abenteuer..... ...im Leben eines Genießers....


Stell dir vor.......

.... du kommst von der Arbeit. Etwas müde, denn die vielen Stunden stecken dir in den Knochen. Entspannung....... eine halbe Stunde FM lesen....... ein Glas Bier dazu. Du wirst ruhig. Gehst dann in dein Königreich. Das mit dem . Du gehst an den . Voller Vorfreude befreist du den leckeren Vogel aus seiner Verpackung. Wäscht ihn liebevoll, frottierst ihn mit gutem Küchenpapier, massierst sein kaltes Fleisch. Zärtlich schaust du ihn an. Was für eine Freude. Du öffnest die Rotweinflasche. "Bordeaux, 2003" steht drauf. Den Rest vergisst du, wenn du sein klassisch-fruchtig-säuerliches Aroma riechst. Einen ganz kleinen Schluck. Er schärft die Sinne. Vor allem den Sinn auf deine eigene, wundervolle Kompostion. Ente. Barbarie. Welch wundervoller Klang im Zusammenspiel mit dem herben, gehaltvollen Bordeaux-Wein. Du öffnest den Gewürzschrank. Viel drin, doch du brauchst nur wenig. Meersalz. Die Mühle knirscht ihrewundervolle Melodie. Schwarzer Pfeffer. Es riecht. Das Aroma des Orients. Es verbindet sich mit dem getrockneten Majoran, den du zusammen mit den anderen spatanischen Gewürzen in die kühle Haut deines Festmahles einmassierst. Du spürst es. Sanft gleiten deine Hände über die tierische Haut. Du schaust auf die wunderbaren Farben des Gemüses. Prall sind sie, die wunderbar rot-orangenen Tomaten. Prall sind auch die roten und gelben Paprikaschoten, die vor dir liegen. Der goldfarbene Glanz einer Zwiebel lässt dich fast träumen. Unter sanftem, warmem Wasserstrahl wäscht du dein Gemüse. Bis auf die Zwiebel. Ihren Geruch kannst du sowieso nicht wegwaschen. Den WILLST du doch. Ja, beim Schäen überkommt es dich fast. Du willst es. Du willst das feinherbe Aroma, welches sich zauberhaft verbindet...... mit den wenigen, aber edlen Gewürzen. Du willst es. Du spürst es beinahe körperlich. Dein Barbarie-Vogel schreit nach deiner Fantasie, deinen geschmacklichen Gefühlen. Beinahe sanft gleitet dein Messer durch die geputzten Gemüse. Nein, es schmerzt nicht. Nicht dir, nicht deinem Gemüse, welches du so sinnlich in kleine Würfel zerteilst. Dein Vogel bekommt sein letztes Mahl. Nicht durch den Schnabel, nein, in die Öffnung, durch die sein letztes Leben entschwunden ist. Paprika. Tomaten. Zwiebelwürfel. Es duftet.... wie Sommer, wie Kräuter, wie..... nein. Dieser Duft lässt dich die Augen schließen. Du träumst. Nahezu traumhaft schließt du die Öffnung deines gefüllten Vogels mit Holzstäbchen. Du spürst fast körperlich diesen letzten Schmerz. Erweist dem Vogel die Ehre, ihn in ein sanftes Bett aus edlen Gemüsen zu legen. Gießt etwas Brühe an. Sie ist warm, duftet. Du gießt ein wenig des edlen Weines an, dessen Aroma dich bereits verzaubert hat. Fett muss auf dein edles Mahl. Eine letzte Ölung. Und dann, dir bleibt fast das Herz stehen, schiebst du das Tier in seinem Bett aus Gemüse, Gewürzen, edlem Wein und Fett in den Ofen. Sanft soll der Vogel sterben. Nicht viel Hitze, den dein Abendmahl soll so zart werden wie die letzte Massage. Die edelste aller Kohlsorten wartet währenddessen im ewigen Eis deines Gefriergerätes. Dunkelblau erscheint sie dir. Mit etwas Wein, edlen Gewürzen und viel Liebe hast du den Kohl zubereitet. Du erinnerst dich an den zarten, süß-säuerlichen Schmelz seines Aromas. Du schaust sehnsüchtig in den Ofen. Dein Vogel schwitzt. Du erleichterst ihm sein großes Opfer mit etwas von dem Sud, der in dem Bräter sein feines Aroma verbreitet. Deine Nase nimmt deine künstlerische Komposition wahr. Wieder träumst du. Es ist der Traum vollkommener Zufriedenheit. Der Traum des unendlichen Geschmackes. Der Rücken deines Lieblings wird langsam bräunlich. Barbarie...... ein Name wie der einer edlen Rose. Sanft. Verführerisch. Du tauchst ein in die unendlichen Welten der Aromen. Ja. Du hast es getroffen. Das Aroma des Himmels. In Gedanken assoziierst du deinen feinen, süß-säuerlichen Kohl mit dem sanften Aroma der wunderbaren Kartoffelklöße, deren einzigartigen Geschmack du verbindest mit der Erde, aus deren Schoß die Früchte deiner Leidenschaft sprossen. Das Aroma der Freiheit, den der Vogel erlebte. Bei seinen Flügen über die weiten Felder der Camarque. Oder die geschwungenen Täler, die Hügel der fränkischen Schweiz. Du spürst das Glück. Das Glück der Pflanzen und Tiere, deren einzige Aufgabe es ist, dich glücklich zu machen. Beinahe zärtlich rollst du die Klöße, lässt sie , während dein Vogel nun rücklings auf das Ende bei 230 Grad wartet, sanft in das heiße Salzwasser gleiten. Wieder umfangen dich die Aromen von Erde, von Wildheit, von der unendlichen Freiheit des bäuerlichen Lebens. Und dann, ja dann, ist es da..... nach der unendlichen Mühe, nach der ganzen Vorfreude des Zubereitens. Du teilst den Vogel. Schon beim Tranchieren kracht die wunderbar knusprige, in der Hitze des Ofens bräunlich gewordene Haut. Gemüse duftet dich an, steigt die erwartungsvoll mit vollem Aroma in die Nase. Welch ein Tag, denkst du. Der Teller steht nu gefüllt vor dir. Du spürst die Körperflüssigkeit, die sich in deinem Mund ansammelt. Stück für Stück wandern nun Gemüse, Klöße, der wunderbare Entenbraten in deinen Mund. Es ist kein Genuß mehr, nein, es ist bei jedem Bissen ein kleines Stück Glück. Du spürst sie nun, endlich, die Aromen deines Kunstwerkes. Sie haben sich in wunderbarer Weise verbunden. Jeder Bissen, jedes einzelne Duftmolekül, lösen in dir wahre Endorphinstöße aus. Zwischendurch ein Schluck des edlen Weines. Deine Ente ist ein Wasservogel und braucht Flüssigkeit. Die zartherbe Frucht des Weines kitzelt dein Gaumenfleisch. Ja, du willst mehr. Es ist so zart, so sanft, dieses Gefühl des Genießens. Alles stimmt. Harmonie. Harmonie des Geschmackes. Jede Faser deines Körpers, deiner Seele spürt den Geschmack. Glück. Glück, Glück. Ach was für ein seliges Gefühl, wenn du satt und zufrieden den Letzten Schluck des Weines genießt. Es ist so wunderbar. Du fühlst dich schwer, ein wenig müde. Zufrieden. Du schließt die Augen. Noch nach einer Stunde hast du das wunderbare Gefühl des vollkommenen Geschmackes. Du legst dich hin und träumst.

Von der nächsten Barbarie-Ente. Vom nächsten Rotkraut. Von den Klößen.

Du bist glücklich.


Gruß

Abraxas


Du bist nicht nur Poet, Gourmet, Philosoph, Ästhet und Lyriker, sondern auch ein Fesssack!


:o Und ich hab bis zum Schluss auf den Fuchs gewartet , der dir die Ente gemopst hat noch bevor du sie auf dem Tisch hattest ....


Oh, da liest man sofort den richtigen Romantiker heraus. :wub:


Ob das auch mit Rabe funktioniert??? :hmm: :hmm: :hmm:


Ein neues Frag - Mutti Traumpaar: Abraxas und Barberie Ente :hihi:


Noch so ein Geschichtenschreiber....und dazu noch mit Happy-End. ;)


Zitat (Bücherwurm @ 07.11.2007 22:55:05)
Ein neues Frag - Mutti Traumpaar: Abraxas und Barberie Ente :hihi:

:lol: :lol: Ich würde sogar fast behaupten es ist das absolute FM-Traumpaar :D

Ähem (räusper) (hüstel) sag mal - sollte ich mir Sorgen machen müssen ? rofl rofl rofl Bin grad schwer am überlegen ob ich dich heute in deinem "Zustand" auf die Omas loslassen kann . . . :trösten:



Kostenloser Newsletter