Beerdigung: Beerdigung Gepflogenheiten


Hallo, heute habe ich die Nachricht erhalten das mein früherer Bester Freund, wir kannten uns seit über 30 Jahren, seit der Grundschule nach Krankheit gestorben ist.

Die letzten Jahre hatten wir allerdings so gut wie keinen Kontakt mehr gehabt, da jeder seinen Weg gegangen ist und auch zu Eltern und Geschwistern bestand kein Kontakt mehr.

Da ich seit über 20 Jahren auf keiner Beerdigung mehr war, frage ich mich welche Sitten und Gebräuche üblich sind.

Ist es immer noch üblich ein Gesteckt mit den Scherbe mitzubringen und wie verhalte ich mich den Eltern gegenüber.?
Ist es immer noch üblich 1 Woche nach der Beerdigung den Hinterbliebene Geld und eine Dankeskarte zu senden?
Wo sitzt man üblicherweise bei der Beerdigung hin in dieser Halle hin, wo die Aufbahrung stattfindet?
Wenn man zum Leichenschmaus eingeladen wird , muss man da hin und was bespricht man da.Ich war noch nie bei einem Leichenschmaus.

Was sollte sonst noch beachtet werden?

Bearbeitet von Vivina123 am 07.08.2010 02:04:24


Liebe Vivina 123,
ich weiss nicht, ob es sowas wie ein Knigge für Beerdigungen gibt.
Hab aber das Gefühl, dass regional und auch von Fam. zu Fam. kleine Abweichungen in den Sitten und Bräuchen bestehen.
Wie hast Du von der Beerdigung erfahren?
Wie stehst Du zu den Hinterbliebenen? Gutes, ehemals enges Verhältnis, oder sind es Fremde?
In der Halle/Kirche würde ich mich nicht gerade unaufgefordert in die erste Reihe setzen. (Es sei denn es wären nur ganz wenige Trauernde anwesend.)
Wenn Du zum Leichenschmaus geladen wirst, geh unbefangen.
Ueber Konversationsthemen brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen, da Du ja nicht unterhalten musst.
Das ergibt sich.
Würde mich einfach der Familie anpassen.
Wünsche Dir Kraft für diesen sicher nicht leichten Gang.
Liebe Grüsse Tweetie


Der Bruder hat mich angerufen und mich eingeladen (blödes Wort) und das es ein muss ist für mich auf die Beerdigung zu kommen, egal was auch in der Vergangenheit gewesen ist und ob ich schon ein Tag früher kommen könnte , damit ich ich noch mit der Mutter Unterhalten kann. Die Brüder sehe sehe manchmal zufällig in der Stadt und man Unterhält sich hält, mehr nicht.

Vor Jahren war das Verhältnis zum Verstorbenen wirklich gut man hat sich mehrmals in der Woche verabredet und zu den Eltern gut.

Der verstorbene hatte eine schwere Krankheit und ist nach 18 Monaten verstorben, mehr oder weniger könnte man sich darauf vorbereiten, aber es kommt trotzdem Überraschend.

Bearbeitet von Vivina123 am 07.08.2010 02:27:04


Liebe Vivina,
man glaubt man könne sich beim langsamen Sterben darauf vorbereiten. Manchmal täuscht man sich.

Da Du einen sehr guten Draht zur Fam. hast, kannst Du Dich ruhig von ihnen leiten lassen. (Und natürlich auch in der ersten Reihe sitzen.)
Vielleicht tröstet gerade Deine Anwesenheit die Eltern und Geschwister.


Zitat (Vivina123 @ 07.08.2010 01:57:26)
Ist es immer noch üblich ein Gesteckt mit den Scherbe mitzubringen

Gesteck, Kranz oder Blumenstrauß, nach Belieben auch mit Schleife, sind üblich aber nicht obligat. Was "Scherbe" ist, weiß ich leider nicht, kann also dazu nichts sagen.

Zitat
und wie verhalte ich mich den Eltern gegenüber.?

Gib ihnen die Hand und kondoliere.


Zitat
Ist es immer noch üblich  1 Woche nach der Beerdigung den Hinterbliebene Geld und eine Dankeskarte zu senden?

Das ist wohl regional unterschiedlich- das Geld soll wohl für Grabpflege etc. sein.


Zitat
Wo sitzt man üblicherweise bei der Beerdigung hin in dieser Halle hin, wo die Aufbahrung stattfindet?

Angehörige sitzen vorne, Freunde und Nachbarn setzen sich mehr oder weniger weit nach hinten, je nach Nähe zum Hinterbliebenen.

Zitat
Wenn man zum Leichenschmaus eingeladen wird , muss man da hin und was bespricht man da.Ich war noch nie bei einem Leichenschmaus.

Niemand MUSS da hin- wenn du nicht magst, lass es bleiben und geh, nachdem du am Grab kondoliert hast.
Was man da "bespricht"... man spricht über dies und jenes, über den Verstorbenen aber auch über alles mögliche andere. Er ist sozusagen ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht.

Zitat
Was sollte sonst noch beachtet werden?

Gedeckte Kleidung (muss nicht unbedingt schwarz sein, dunkelblau, grau, dunkelbraun geht auch). Keine zu tiefen Dekolletés, keine Miniröcke, nach Möglichkeit Strümpfe sofern du Rock trägst... auf dem Friedhof und in der Aussegnungshalle sind Scherze und lautes Lachen nicht unbedingt angebracht, beim Leichenschmaus dagegen passt das schon eher.

Valentine, ich glaube sie meinte "Schärpe".
Ich würde im Höchstfall ein kleines Sträußchen (oder eine Rose) mitnehmen, denn das wird eh nur ins Grab geworfen. Steck lieber Geld in einen Umschlag, Beerdigungen sind sehr teuer, ich denke damit ist den Hinterbliebenen mehr gedient, als ein teures Gesteck oder gar Kranz, sowas ist nach wenigen Tagen verwelkt und es gibt eh meist ganz viele Blumen. So sehe ich das jedenfalls.
Für die Umschläge steht meist ein Körbchen bereit oder Du über gibts ihn beim Leichenschmaus oder wirfst ihn in den Briefkasten. Wenn Du aber vorher schon zu Besuch hingehst gibst Du ihn halt dann ab.


Nicht vorne setzen, das ist einzig und allein der Platz für die Angehörigen und evtl. sehr, sehr enge Freunde, es sei denn, es kommen nur wenige und dort wäre Platz, was aber bei einem noch jungen Menschen eher nicht der Fall sein dürfte.

Selbstverständlich kannst Du mit zum Leichenschmaus gehen, zu diesem wird meist im Namen der Angehörigen vom Pfarrer während des Gottesdienstes eingeladen.

PS: Habe ich eben erst gelesen: Dankeskarte??? Wofür soll die denn sein?

Bearbeitet von Tamora am 07.08.2010 12:19:12


Zitat (Vivina123 @ 07.08.2010 01:57:26)

Ist es immer noch üblich 1 Woche nach der Beerdigung den Hinterbliebene Geld und eine Dankeskarte zu senden?

Das ist vermutlich von Region zu Region verschieden.

Geld im Umschlag in einer Beileidskarte wird bei uns direkt nach Bekanntwerden bzw. vor der Beisetzung in den Briefkasten geworfen.

Eine Dankeskarte ist bei uns nicht üblich. Bei uns bedankt man sich bei den Hinterbliebenen nach dem Leichenschmaus für die Einladung.
Meist kommt ein Danke in Form von: - Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, XY auf dem letzten Weg zu begleiten. Es hat uns viel Bedeutet, dass du da warst und unser Schmerz geteilt hast - zurück

Wenn du ohnehin am Leichenschmaus teilnehmen möchtest, dann kannst du dich vor Ort und persönlich bedanken.

Und wenn du gar nicht genau weißt, was du machen sollst, dann schau einfach, wie die anderen Gäste das machen.

Zitat (Tweetie @ 07.08.2010 02:46:55)
Da Du einen sehr guten Draht zur Fam. hast, kannst Du Dich ruhig von ihnen leiten lassen. (Und natürlich auch in der ersten Reihe sitzen.)

Erste Reihe ist grundsätzlich der Familie vorbehalten. Ist die Familie größer, dann auch die zweite (und ggf. dritte...) Reihe. Da solltest du dich nur dann hinsetzen, wenn die Familie dich ausdrücklich darum bittet. Alles andere ist ein grober Fauxpas.

Wir haben vor kurzen einen Onkel verabschiedet.
Die Tante und Kinder, sowie die Geschwister des Onkels, saßen in der ersten Reihe.
In der zweiten Reihe saßen die Kinder der Geschwister, also wir.
Weiter hinten dann Freunde und Bekannte.
Unser Tante wollte am Grab keine Beileidsbekundungen, das wurde am Schluß der Rede gesagt.
Achte darauf, denn das sollte man den Trauernden dann auch zugestehen.
Beim Leichenschmaus sind alle Themen erlaubt.
Wir haben sogar lustige Gespräche geführt.
Das mag woanders auch anders gehen, laß es auf Dich zu kommen.
Wenn noch mehr Freunde kommen, könnt Ihr einen gemeinsamen Strauß mit Schleife bestellen und Eure Namen darauf drucken lassen.
Der Strauß wird dann von Euch in der Trauerhalle o. Kirche vor oder neben die Urne o. Sarg gelegt.
Das Beerdigungsinstitut legt sie dann auf das verschlossene Grab.
Jeder von Euch kann eine einzelne Blume mitnehmen, diese wird dann beim verabschieden am Grab in das Grab gegeben.

Ich wünsche Dir viel Kraft.

Ich hab bei meinen bisherigen vier Beerdigungen keine Sträuße o.ä. mitgebracht.
Bei meinem Opa, der bei einem Autounfall starb, hatten meine Eltern einen Kranz für unsere Familie plus meinen Freund in Auftrag gegeben.

Ich kenne es so, dass am Grab ein Korb mit kleinen Sträußen bereitstehen, die man dann auf den Sarg wirft. Wobei ich jetzt gelesen habe, dass das auch nicht immer üblich ist.

Das mit dem Geld kenne ich auch, das wird halt für die Grabpflege in die Kondolenzkarte gesteckt, die man entweder schickt oder selbst abgibt.

Die diversen Beerdigungskaffees (Leichenschmaus, brr) habe ich als recht lustige Angelegenheiten in Erinnerung. Die ganze Trauer ist für kurze Zeit wie weggeblasen, zumindest bei uns hat man viele Leute auch schon lange nicht mehr gesehen, da unterhält man sich über alles mögliche.

Danach gehts meist nochmal zum Grab, das bis dahin ja zugemacht wurde. Da wirds meist nochmal besinnlich. :trösten:


Anfang Juli haben wir einen Onkel beerdigen müssen. Es war die erste Beerdigung, auf die ich je in meinem Leben gegangen bin und entsprechend unsicher und auch aufgeregt war ich. Ich hatte Angst vor den kleinsten "Verfehlungen" bzw. davor, dass diese total krasse Konsequenzen hatten. Die schlimmste Horrorvision, die ich hatte, war Ausgrenzung aus der Familie. :toktok:

Was sich im Nachhinein als völliger Quatsch herausstellte. :hirni:

Es ist heute auch nicht mehr so, dass man vollständig in Schwarz angezogen sein muss. Es kann ruhig auch was Weißes dabei sein. Völliges Schwarz ist der Witwe bzw. dem Witwer vorbehalten.

Wir kamen im Heimatort meiner Mutter an und trafen uns alle erst mal bei deren kleiner Schwester. Es gab dort eine kleine Stärkung mit belegten Baguette-Broten und Getränken. Dann ging es zur Schwester der Witwe, die dort bei eben der Schwester zu der Zeit wohnte (mein Onkel und seine Frau waren nach Norwegen ausgewandert, aber beerdigt wurde er in der Heimat). Dort trafen wir uns dann alle und es ging geschlossen und gemeinsam zur Kapelle, die nur ein paar Schritte vom Wohnhaus entfernt war. Dort war alles aufgebaut: Der Sarg, ein Aufstellfoto von meinem Onkel (das wir alle noch mal als Originalfoto bekommen haben plus der Zeitung, in der die Todesanzeige stand), Blumengestecke, Kerzen (auf Ständern stehend und auf dem Fußboden in Gläsern mit Wasser schwimmend). Wir Frauen hatten alle einen kleinen Rosenstrauß in der Hand für das Grab nachher. Die Familien nahmen - nachdem erst mal alles angeschaut wurde - in den ersten Reihen am Sarg Platz. Es kamen noch ein paar Leute dazu. Stille. Dann passende Pop-Musik aus einem CD-Player lauschen. Stille. Die Trauerrednerin erzählte aus seinem Leben - von der Geburt über die Kindheit zum Erwachsenendasein bis hin zu seinem Krankheitsausbruch und dem Sterben. Danach ein paar tröstende Worte dazu an uns. Dann erhoben wir uns. Stille. Dann ging es hinaus und wir bildeten einen Spalier. Währenddessen wurden die Blumen und Gestecke in das Bestattungsauto gepackt, der Sarg an uns vorbei auf einen kleinen Wagen und dann sind wir hinterher auf den Friedhof, wo uns auf einer kleinen Wiese dort Dudelsackspieler empfingen. Es ging zum Grab. Der Sarg wurde ziemlich gleich heruntergelassen plus einer anschließenden Verbeugung der Sargträger. Anschließend war die Witwe dran, dann nach und nach die Geschwister, Nichten, Neffen usw.

Man konnte auswählen, ob links mit Erde zugeschüttet oder rechts mit Blütenblättern reinstreuen. Man bleibt noch ein paar Minütchen am Grab stehen, bevor dem nächsten Folgenden Platz gemacht wird. Es wurden immer mehr Leute... Die ganze Zeit über wurden wir von Dudelsackmusik begleitet. Einige (wahrscheinlich all die Nicht-Verwandten) kondolierten bei der Witwe, wir Familienangehörigen taten es aber nicht. Eher wurde uns noch kondoliert.

Danach ging es in ein Café, wo Kaffee, Tee, Bier, Wasser, belegte Brötchen, Kuchen und Torten auf uns warteten. Ich hatte zu tun damit, mich umzustellen dass es jetzt nicht mehr sooo traurig zuging. Die Stimmung lockerte sich langsam, nach all dem Tränenstrom... Es war eigentlich wie Geburtstag, nur hätte ich mir gewünscht, dass es wirklich einer gewesen wäre. :heul: Danach ging es noch mal zum Friedhof, um alles anzuschauen, wie es nun hergerichtet war. Es wurde dann auch alles fotografiert.

Nun haben wir alle noch eine CD mit Danksagungsanzeige aus der Heimat-Tageszeitung und Bildern meines Onkels (gesunde Zeiten, Krankheitstage, letzte Tage und Beerdigung) von der jüngeren Schwester meiner Mama bekommen.

So, wollte eigentlich nicht nerven oder langweilen. Wollte nur den Ablauf schildern, wie es bei uns war. Fakt ist: Ich war innerlich ganz schön angespannt, eine Mischung aus Angst, Trauer und Aufgeregtheit ("wie ist meine Tante, also die Witwe so drauf?") Meine Tante war sehr tapfer, sehr gefasst, wollte nicht, dass wir uns alle "so eine Platte" um sie machen.

Ich war sehr froh, dass ich hingegangen bin. :)


Hallo Vivina,

ein ergänzendes Detail fiel mir noch auf, als letztes Jahr meine Lieblingstante, die nach jahrelanger Krankheit verstarb, beerdigt wurde: Wenn frau vor dem offenen Grab steht und eine Blume oder auch - wie bei meinem Schwiegervater - ein Kuscheltier sowie drei Schippchen Erde ("Asche zu Asche, Staub zu Staub") als symbolischen Abschied auf den Sarg werfen möchte, gilt die gleiche Reihenfolge wie auf den Kirchenbänken der Einsegnungshalle: Zuerst sind die ganz nahen Angehörigen dran, dann die etwas weiter entfernten Angehörigen, danach erst die Freunde und Bekannten. Im Zweifelsfall also gaaaanz hinten oder im hinteren Drittel anstellen. Das drückt auch den Respekt gegenüber der betroffenen hinterbliebenen Familie aus. Es sei denn, man zupft Dich am Ärmel und zieht Dich mit nach vorne. Dann gehste selbstverständlich mit. Manchmal isses so, dass die Menschen, die etwas auf den Sarg werfen wollen, zu zweit vor das offene Grab treten, den letzten Gruß und die Erde (steht in einem Eimer samt Schippe bereit) auf den Sarg werfen, manchmal isses so, dass sie einzeln davor stehen. Da Du ohnehin nicht in der ersten Reihe stehen wirst, kannst Du das entsprechend beobachten. Sollte es üblich sein, zu zweit vorzutreten, wird Dir sicher einer der Umstehenden durch Blickkontakt bedeuten, dass Du jetzt mit ihm zusammen vortreten sollst, wenn es soweit ist. Ich wünsche Dir Kraft und Stärke.

Grüßle,

Ilwedritscheline


Zitat (Vivina123 @ 07.08.2010 01:57:26)
Hallo, heute habe ich die Nachricht erhalten das mein früherer Bester Freund, wir kannten uns seit über 30 Jahren, seit der Grundschule nach Krankheit  gestorben ist.

Die letzten Jahre hatten wir allerdings so gut wie keinen Kontakt mehr gehabt, da jeder seinen Weg gegangen ist und auch zu Eltern und Geschwistern bestand kein Kontakt mehr.

Da ich seit über 20 Jahren auf keiner Beerdigung mehr war, frage ich mich welche Sitten und Gebräuche  üblich sind.

Ist es immer noch üblich ein Gesteckt mit den Scherbe mitzubringen und wie verhalte ich mich den Eltern gegenüber.?
Ist es immer noch üblich  1 Woche nach der Beerdigung den Hinterbliebene Geld und eine Dankeskarte zu senden?
Wo sitzt man üblicherweise bei der Beerdigung hin in dieser Halle hin, wo die Aufbahrung stattfindet?
Wenn man zum Leichenschmaus eingeladen wird , muss man da hin und was bespricht man da.Ich war noch nie bei einem Leichenschmaus.

Was sollte sonst noch beachtet werden?

Liebe Vivina,
erstmal mein herzliches Beileid. :trösten: Es ist schlimm, einstige Wegkameraden ziehen zu sehen oder einfach gehen lassen zu müssen.

Da Ihr Euch über einige Jahre doch mehr oder minder aus den Augen verloren habt, Du ihm aber (finde ich klasse und würde ich genauso machen!) das Letzte Geleit mit geben willst, halte ich zum Trauergottesdienst, an dem Du gern teilnehmen möchtest, Folgendes für angemessen:

-Du kommst für Dich und ihn allein und in eigener Mission, also such Dir eine der hinteren Bänke aus, komm rechtzeitig, aber nicht zu früh (also nicht "zum allerersten ersten Defilee" am Sarg, wo meist die enge Familie unter sich sein will).
Bring ein kleines Sträußchen mit, wenn die Trauerfeier direkt mit Sarg in der Kirche stattfindet.
Direkt nach dem Trauergottesdienst beim Auszug aus der Kapelle / Kirche ist es üblich, dieses Sträußchen am Sarg abzulegen - "Abschiednehmen".

-Trage Dich ruhig am Ausgang ins Kondolenzbuch mit ein - keine Schmierunterschrift, sauberer Namenszug bitte.

- auch für den Trauerzug zum Grab: suche Dir eine mittlere oder hintere Position dort, halte Dich im Hintergrund, aber sei definitiv dabei... Du verstehst, was ich meine?

-am Grab: Du wirfst die Rose oder/und die symbolische Schaufel Erde hinein wie jeder andere im Trauerzug, somit zeigst Du, daß Du dazugehörst.
Keine förmlichen Beileidsbekundungen am Grab zu Eltern-Geschwistern-nächsten Anverwandten. Fällt deren Blick zufällig auf Dich, reicht ein angedeutetes freundliches, zurückhaltendes Nicken in ihre Richtung: Du drängst Dich nicht auf.

-nachträglicher Empfang / "Leichenschmaus"... muß man nicht haben, wenn man nicht direkt von einem Familienmitglied ausdrücklich dazugebeten wird.
Auf jeden Fall geht man "nicht einfach so" uneingeladen hin... es gibt tatsächlich Leute, die machen sowas. :ph34r:
Ansonsten ... wirst Du gebeten, am Empfang teilzunehmen, geht man ganz in Ruhe und langsam hinter den anderen her dorthin, ist keinesfalls zuerst im Lokal sondern besser im letzten Drittel.
Selbst auf einer Trauerfeier in der Kirche kann man (ich sage es mal ganz salopp: "Wie bei jeder Party", unangemessen, aber das trifft es am besten) Leute treffen, die einem gleich sympatisch erscheinen: andere Freunde des Toten, weiter entfernte Verwandte, mit denen man sich an einen Tisch setzen kann und sich schonmal versteht.
Man führt niemals das Gespräch einfach an, sondern wartet ruhig ab, was die anderen sagen und wägt ab, was man selbst dazu sagen / zum Gespräch beitragen kann.
Am besten ist eine kleine, liebenswerte Anekdote aus der gemeinsamen Zeit, die man mit dem Dahingeschiedenen verbracht hat: eine lustige oder freundliche Erinnerung, maßvoll vorgetragen und ein Lächeln kann man sich ruhig erlauben.
Maßvoller Umgang mit Getränk und Speise rundet das freundliche Gesamtbild ab. Ersiehst Du Deine Zeit zum Gehen, ist es okay: Man verabschiedet sich von seinen Tischnachbarn freundlich, kommt man am Elterntisch vorbei ein leises und freundliches "Dankeschön!" und nette Verabschiedung, wenn gewünscht, ein Händedruck - das war's.

-Leise und irgendwann für Dich allein kannst Du jederzeit ans Grab Deines besten Kumpels gehen und stille Zwiesprache halten, Dich nochmal ganz für Dich von ihm verabschieden.

Als nicht unmittelbar betroffener Familienangehöriger verhält man sich also am besten einfach unauffällig, gibt aber trotzdem mit dem Dabeisein kund: Der Mensch war mir wichtig, ich gehöre dazu.
Kleidung: Muß nicht zwingend komplett schwarz sein. Athrazit plus weiße Bluse, schwarze Jacke oder ein gedecktes Burgunder oder Lila plus schwarzer Rock / Hose, Jacke, schwarze Schuhe reichen. Was gerade aus dem für solche Anlässe da ist.

Bearbeitet von Die Bi(e)ne am 11.08.2010 02:21:57

Hallo,
es ist richtig sich dezent und zurückhaltent zu benehmen nur nach aufforderung der Angehörigen, geht man nach vorne.Bei Handblumen sollte man evl vorher fragen! Bei manchen erden Blumen gestellt ansonsten wählt man diese nach dem bezug den man hatte.

Ich möchte aber bei all der Trauer etwa schönes (ich empfand es als sehr schön) erzählen.
Nach 8 monaten Krankenhaus fünf davon auf der Intensiv verstarb vor 10 Jahren mein Vater.
Da meine Tochter damals 8 Jahre,das Jahr darauf zur Kommunion gehen sollte. Ihr Opa sie ja nicht mehr in ihrem Weißen Komunionkleid erleben konnte.
Fragte sie kurz vor der Beerdigung ob sie da ihr weißes Kleid anziehen dürfe.
Ich war erst etwas verwundert,sagte aber das ich es ihr überlasse.
Zur Beerdigung nahm ich sicherheits halber zu ihrem Komunionkleid noch etwas anderes mit.
Sie enschied sich für .... ihr weißes Kleid.
Alle Enkel trugen eine Sonnenblume in den Händen. Ohne absprache ergab es sich das das kleine Mädchen
in ihrem weißen kleid und mit erhobener Sonnenblume genau hinter dem Sarg ihres Opas ganz alleine zum Grab lief.
Das Jahr darauf feierten wir den Weißensonntag.Dem Kommunionkind war es aber auch da wichtig das ein Gedeck für Opa mit aufgelegt wurde.
Von Kindern kann man lehrnen mit Trauer umzugehen.
Allen die diesen Schritt gehen müssen wünsche ich die Kraft die Trauer zu ertragen und die Zeit die jeder einzelne für seine Trauer braucht.
Aber auch immer einen Menschen der bereit ist zuzuhören. :blumengesicht:


Moin KaChriSa-Alberth,

erstmal herzlich willkommen bei den Muttis.

Deine Geschichte ist so schön, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen ist. Und auf den Unterarmen streiten sich die Haare ebenfalls um die Stehplätze.

So traurig es auch ist, einen Menschen gehen lassen zu müssen: Deine Tochter hat aus dem Bauch heraus wunderbar agiert. Glückwunsch zu Deiner Kurzen, die sich sicherlich mittlerweile prächtig entwickelt hat.

Grüßle,

Ilwedritscheline


danke schön!
Ich war auch sehr Stolz auf sie und bin es heute noch!
Sie hat (wir haben) in den darauf folgenden 3Jahren alles verlohren was uns lieb war.
Den Schluß machten im Mai3 meie Mama und im Okt03 mein Bruder.
letztes Jahr meine Schwiegermutter vor zwei Jahren mein Schwiegervater
Und bis eben ende 03 alles was uns lieb war.Das wären jetzt zuviele die alle aufzuzählen.
Da hast du wege gefunden damit umzugehn und vor allem meine Töchter denen das Leben schon von Kindheit an den Tot mit auf die Wege gegeben hat.Les doch mal den Bericht"alle lieben am Christbaum"
Da findest du unsere art mit allem umzugehen.
liebe grüße und danke


Zitat (Vivina123 @ 07.08.2010 01:57:26)
Hallo, heute habe ich die Nachricht erhalten das mein früherer Bester Freund, wir kannten uns seit über 30 Jahren, seit der Grundschule nach Krankheit gestorben ist.

Die letzten Jahre hatten wir allerdings so gut wie keinen Kontakt mehr gehabt, da jeder seinen Weg gegangen ist und auch zu Eltern und Geschwistern bestand kein Kontakt mehr.

Da ich seit über 20 Jahren auf keiner Beerdigung mehr war, frage ich mich welche Sitten und Gebräuche üblich sind.

Ist es immer noch üblich ein Gesteckt mit den Scherbe mitzubringen und wie verhalte ich mich den Eltern gegenüber.?
Ist es immer noch üblich 1 Woche nach der Beerdigung den Hinterbliebene Geld und eine Dankeskarte zu senden?
Wo sitzt man üblicherweise bei der Beerdigung hin in dieser Halle hin, wo die Aufbahrung stattfindet?
Wenn man zum Leichenschmaus eingeladen wird , muss man da hin und was bespricht man da.Ich war noch nie bei einem Leichenschmaus.

Was sollte sonst noch beachtet werden?

Auch auf die Gefahr, daß es zu spät kommt:
Zieh dunkle, sehr konservative Sachen an, geh zum Trauergottesdienst, einen kleinen Strauß Blümchen hab dabei - wenn der Gottesdienst zuende ist, geht jeder am Sarg vorbei: Stilles Gebet vorm Sarg 15 Sekunden, Blumensträußchen am Sarg ablegen, so Abschied vom Verstorbenen nehmen. So geht es bei Aufbahrung in der Kirche.
Trauergottesdienst mit Zug zum Friedhof? Sträußchen in der Hand behalten, das wird am Grab auf den Sarg geworfen. Hat man kein Sträußchen, ist stattdessen symbolisch die Schaufel voll Erde (steht alles bereit).
Wichtig ist in jedem Fall: Gruppe beobachten-was machen die wenn man mit dem Ritus nicht firm ist.

Leichenschmaus: Ladung zählt. Gepflegte, gedeckte Kleidung und Auftreten, Platznehmen am Tisch, wo idealerweiser schon Bekannte sitzen. "Mein herzliches Beileid" zur Trauerfamilie (die sieht man sofort), aber nicht mehr, keine Floskeln und Reden oder "Ach, er war so großartig!". Dann Suppe und Kuchen abwarten, ein freundliches, herzliches "Dankeschön!" (auf gar keinen Fall fröhlich, lustig!) zur trauernden Familie hin oder ganz klassisch das händegebende Dankeschön: Auch hier ist es von Vorteil, andere zu beobachten: Wie ist der Ritus? Was machen sie? Dem paßt man sich an.

Ich habe schon regelrechte "Beerdigungspartys" mit nachmittäglichem "Fellversaufen" gesehen, wo der Leichenschmaus in eine Art johlende Geburtstagsparty :ph34r: <_< ausartete... sowas geht überhaupt nicht, die Würde und das Andenken des Toten sollte gewahrt werden, wenigstens an diesem Tag. Schlimm, wenn sowas die eigene Familie nicht mal 24 Stunden fertigbringt. -_-

Moin KaChriSa-Alberth,

jetzt bin ich aber ziemlich geplättet und genauso kleinlaut. Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen? Du hast mich mit Deinem Bericht sprachlos gemacht. Es tut mir unendlich leid für Dich, dass Du in so kurzer Zeit soviele Verluste erlitten hast. Umso mehr nötigt es mir Respekt ab, dass Du so offen darüber erzählst. Hut ab.

Grüßle,

Ilwedritscheline


Hallo Ilwedritscheline,
wenn man soviel erlebt hat und dann nicht darüber Reden kann,hat man verlohren.
Im moment haben wir eine 95 J Dame bei und aufgenommen (wie und warum kann und möchte ich hir nicht schreiben,die Geschichte von ihr ist zu grausamm)
Jedoch hat sie mich gebeten das ich bei ihr Sterbebegleitung mache und auch ihre Beerdigung dann Organisiere.
Sie sagt das sie noch mit keinem so offen über Sterben und Tot sprechen konnte wie mit uns.
Tot und Sterben gehört mitlerweile zu einem ganz normalen Theme das auch am Tisch mal angesprochen wird.
Es ist ein Thema wie jedes andere auch und kein tapuh thema.
Unser Enkel im Dez 4 J geworden, hat im Feb.2010 seine Uroma mit Beerdigt!!
Ich habe die Überurne gehalten und er hat mit dem Bestatter die richtige Urne hinein gegeben.
Als die Urne in die Erde kam,hat er sie mit mir zusammen runtergelassen.
Die sind alle im Himmel und passen auf ihn auf.An Silvester bekommt jeder von ihnen eine Rakete geschickt und er ruft jeden einzelnen Namen wenn sie Explodiert.Ich weiß das er dadurch mal ein ganz tolles verhältniss zum Tot hat und evl nicht so sehr Trauern muß wenn er "wie er immer sagt" seine Omi in den Himmel lassen muß.

ganz lieben Herzlichen dank für deine Meinung.


Hallo KaChriSa,

Du machst mich schon wieder sprachlos. Ich bewundere Dich für Deine Stärke und die innere Ruhe, die Du ausstrahlst.

Liebe Grüße und all die Kraft, die Du für Deine Aufgabe brauchst,

Ilwe


Hallo,

ich habe vor kurzem einen Onkel aus Hamburg verloren. Er starb nach längerer Krankheit im Alter von nur 47 Jahren. Es ist immer sehr schwer einen geliebten Menschen zu verlieren und eine sehr traurige Angelegenheit für die Angehörigen. Für mich war es der erste nähere Angehörige der verstorben ist. Wegen seiner Krankheit kam der Tod zwar doch erwartet und wir haben mit ihm auch schon vorher darüber geredet wie er sich seine Beerdigung vorstellt. Ich bewundere wirklich wie er es schaffen konnte trotz seiner schweren Krankheit kurz vor dem eigenen Tod die eigene Beerdigung noch so detailliert zu planen. Er war schon immer ein richtiges Organisationstalent. Als auf dem Friedhof der Sarg in das Grab herabgelassen wurde hat der Priester noch einen letzten Abschiedsbrief von meinem Onkel an die Hinterbliebenen verlesen. Die Nachtrauerfeier haben wir in Hamburg beim Bestattungsunternehmen **unerwünschte Werbung entfernt** gefeiert. Dies finde ich noch wesentlich besser als in einem Lokal zu feiern wo auch noch andere Gäste in der Nähe sind die mit der Trauerfeier nichts zu tun haben und man ständig von Kellnern gestört wird. Die Feier fand in aller Ruhe im Kreis der Verwandtschaft und den engsten Freunden meines verstorbenen Onkels statt. Viele Bekannte und Freunde meines Onkels haben später Umschläge mit Beileidskarten und Geld geschickt. Über deren Anteilnahme waren wir sehr dankbar.

Bearbeitet von Jeanette am 03.04.2011 19:37:12


Herzliches Beileid...aber warum machst du hier Werbung? Lösch die doch bitte mal wieder.


Hallo, ich habe eine Frage zu den Streublumen.
Meine Mutti hat heute ihre Blumen ausgewählt. Auch den Blütenkorb fürs Urnengrab.
Jetzt hat sie beim Gärtner 60 Blütenblätter bestellt. Aber es wirft doch nicht jeder nur 1 Blatt hinein.
Nimmt man nicht eine kleine Hand voll oder jeweils einen Blütenkopf?

Wäre dankbar für einen Tipp für ca 50 Personen.


Als nähere Verwandte von mir starben, bekam ich ein kleines Sträußchen, das ich nachher ins Grab warf. Bei verstorbenen Bekannten bringe ich ein Sträußchen mit, das ich ins Grab werfe, und "bediene" mich nur am Weihwasser.


Hat Deine Mutter wirklich "Blätter" bestellt, nicht Sträußle???


Sie hat es so gesagt, hab extra nochmal nachgefragt.
Der Gärtner muss es doch aber auch wissen. Wenn bißchen Wind geht, ist das eine Blättchen weg.
Ich bestelle beim selben Gärtner und werde nochmal nachfragen.
Bei Sträußchen brauchen wir wirklich zu viele Blumen, aber einzelne bunte Blütenköpfe würde ich schon nehmen.


bei uns gabs nen topf voller blüten... hab keine ahnung, ob die abgezählt waren ?
es nahm jeder so mit 2-3 fingern einige raus.
für die damen der family gabs kleine sträußchen.


Wenn es ein Erd-Urnengrab ist, nimmt man ein Körbchen voller Blüten, wobei hier m.E. 50 Blüten zu wenig sind. Jeder nimmt mit den Fingerspitzen einige Blüten aus dem Körbchen. Der eine mehr, der andere weniger. Sprich nochmal mit dem Gärtner, der kann Rat geben.
Bei einem Urnengrab in einer Steele oder einer Urnenwand stellt man kein Körbchen hin.


Ist geklärt, Mutti hat es falsch verstanden. Der Gärtner hat aufgeschrieben, Blüten für 60 Personen.



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