Fragen an die Bundesregierung: Pflegekräfte für Demenzkranke - §87


Sehr geehrte Frau Merkel und Mitarbeiter des Kanzleramts,
hier die Erfahrungen des Ehemanns einer Demenzbegleiterin und ich versuche mich kurz zu fassen.

Da ich nicht weiß, ob das Ministerium für Arbeit&Soziales, Familie&Senioren oder Gesundheit zuständig ist, wende ich mich Direkt an Sie.

Irgendwann wurde die Altersdemenz zu einem öffentlichen Thema.
Es schossen Schulen wie Pilze aus dem Boden und die Agentur für Arbeit schickte jeden Arbeitssuchenden, der es wollte oder auch nicht, auf einen 1000 Stunden Lehrgang.
Bei der Hälfte der Kursteilnehmer meiner Frau kam es zu keiner Anstellung.
Es ist einige Zeit vergangen und meine Frau ist wieder bei der AfA vorstellig geworden.
Es gibt natürlich wieder offene Stellen in diesem Bereich. Auch hier wieder: Kostenlose Probearbeit ist obligatorisch.

Nun zu den Alten- und Pflegehäusern:
Auf 20 zu Pflegende kommt eine Fachkraft.
Es werden keine Fachkräfte eingestellt; es wird bestenfalls ein 450€-Job in Aussicht gestellt. Man behilft sich mit Probearbeitenden und Praktikanten. Ehrenamtliche werden auch gerne gesehen.
Gerne nenne ich Ihnen die Adressen der Pflegeeinrichtungen, die von meiner Frau eine Bewerbung erhalten haben.

Entweder dient das zur Gewinnmaximierung, oder man kann sich kein Personal leisten.
Sollte Punkt 1 zutreffen, müßte das zuständige Ministerium mal hinsehen.
Bei Punkt 2 sind Sie gefragt. Globale Interessen und finanzielles Engagement sind ja gut und schön, aber nationale Probleme gehen hier sicher vor; sollten hier vorgehen.

Ich würde raten und empfehlen, derartige Häuser, mal Undercover zu besuchen ........
Vielen Dank für Ihre Mühe und Aufwand


FragMutti ist nicht die Bundesregierung. :pfeifen:


Zitat (viertelvorsieben @ 12.03.2015 12:47:07)
FragMutti ist nicht die Bundesregierung. :pfeifen:

....vielleicht verwechselt er Frau Merkel (als Mutti der Nation) mit FM 😉

Zitat (Ping @ 12.03.2015 13:59:37)
....vielleicht verwechselt er Frau Merkel (als Mutti der Nation) mit FM 😉

Hm, jetzt wo Du's sagst... :lol:

Sicher wollte Supermann uns nur den Brief zeigen, denn er an die Bundesregierung geschickt hat.
Vielleicht will er wissen, wie wir darüber denken.


Zitat (Rumburak @ 12.03.2015 16:11:52)
Sicher wollte Supermann uns nur den Brief zeigen, denn er an die Bundesregierung geschickt hat.
Vielleicht will er wissen, wie wir darüber denken.

Dann hätte er's aber dabeischreiben sollen. :rolleyes:

Zitat (viertelvorsieben @ 12.03.2015 16:55:16)
Dann hätte er's aber dabeischreiben sollen. :rolleyes:

Ja, das stimmt, supermann hätte es wirklich schreiben sollen, was er mit seinem Text hier bewirken will. Aber ich finde es super von dem Mann, dass er sich so einbringt.

Recht hat er auf alle Fälle, aber da haben schon so viele sich die Köpfe heiß geredet. Geändert hat sich nichts oder nicht viel.

Mir wird jedenfalls Angst und Bange, wenn ich nur daran denke, mal in so ein Heim zu müssen.
Wenn man dement ist, merkt man es ja vielleicht nicht mehr so ganz und ist zufrieden, aber wenn man noch klar im Kopf ist, sieht das schon anders aus.

Ich glaube nicht, dass dieser Brief an die Bundesregierung rausgegangen ist.- Und selbst wenn: solche Schreiben gelangen nicht über irgendein Sekretariat der Kanzlerin hinaus.

Um zu DEM Thema 'was zu erreichen, müßten sich mal endlich genug Bürger/innen aufraffen, und auf die Straße gehen.- Und zwar jede Woche, an einem bestimmten Tag in jeder Stadt vor dem Rathaus oder der Gemeindeverwaltung o.ä.!- Es ist beschämend, dass man meist nur zufällig über irgendwelche Initiativen in Kenntnis gelangt, die dann eine "Demo" von evtl. 120 braven Bürgern aus ganz Deutschland in Berlin in die Wege leiten.- Geht nun nicht nur um dieses Thema schlechthin.

Der Einzelne findet leider vielfach kein Gehör.- Und einen Missstand öffentlich anprangern ist auch in unserer Demokratie u.U. mit allerhand unangenehmen Folgen verbunden.


Zitat (IsiLangmut @ 12.03.2015 20:02:47)
Um zu DEM Thema 'was zu erreichen, müßten sich mal endlich genug Bürger/innen aufraffen, und auf die Straße gehen.- Und zwar jede Woche, an einem bestimmten Tag in jeder Stadt vor dem Rathaus oder der Gemeindeverwaltung o.ä.!- Es ist beschämend, dass man meist nur zufällig über irgendwelche Initiativen in Kenntnis gelangt, die dann eine "Demo" von evtl. 120 braven Bürgern aus ganz Deutschland in Berlin in die Wege leiten.- Geht nun nicht nur um dieses Thema schlechthin.

Regelmäßig jede Woche zu einem bestimmten Thema auf die Straße zu gehen, das bringen nur die ganz Dreisten oder Verblendeten. :(

Menschen mit einem ernsthaften (so wie oben beschrieben) Anliegen sind oft viel zu gut* erzogen, als dass sie sich lautstark Gehör verschaffen würden.
Ob superman den Brief nun wirklich an die Kanzlerin geschickt hat oder nicht - er hat das Thema immerhin in die Öffentlichkeit des Forums gerückt.
Was können wir tun, um sein Anliegen weiter zu verbreiten?

*nein, eher schlecht

Zitat (Jeannie @ 12.03.2015 20:20:21)
Ob superman den Brief nun wirklich an die Kanzlerin geschickt hat oder nicht - er hat das Thema immerhin in die Öffentlichkeit des Forums gerückt.


Und was soll das bringen?

Zitat
Was können wir tun, um sein Anliegen weiter zu verbreiten?


Will Supermann das denn überhaupt? Schließlich ist sein Brief an die Bundeskanzlerin gerichtet.

Zitat (viertelvorsieben @ 12.03.2015 20:37:13)
Will Supermann das denn überhaupt? Schließlich ist sein Brief an die Bundeskanzlerin gerichtet.

Warten wir ab, ob und was er selbst dazu sagt.

hier habe ich wohl nicht bis zum Ende gedacht ........

Brief geht ans Kanzleramt und warum bei Frag Mutti ?

Einfach zur Unterhaltung und zur Info über dieses Thema

Werde die Antwort hier veröffentlichen !


Zitat (supermann @ 12.03.2015 21:47:23)
Werde die Antwort hier veröffentlichen !

Na, dann drücke ich Dir mal die Daumen daß Du welche kriegst. :D

Zitat (Jeannie @ 12.03.2015 20:41:05)
Warten wir ab, ob und was er selbst dazu sagt.

M.M. ist, Supermann möchte auf einen Misstand aufmerksam machen, den die wenigsten Menschen eigentlich kennen.

Ich selbst habe mich im Februar dieses Jahres auf eine offene Stelle als Betreuungskraft nach § 87b beworben.

Die Tätigkeiten sind:

- Malen und basteln,
- handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten,
- Haustiere füttern und pflegen,
- Kochen und backen,
- Anfertigung von Erinnerungsalben oder -ordnern,
- Musik hören, musizieren, singen,
- Brett- und Kartenspiele,
- Spaziergänge und Ausflüge,
- Bewegungsübungen und Tanzen in der Gruppe,
- Besuch von kulturellen Veranstaltungen, Sportveranstaltungen
Gottesdiensten, und Friedhöfen,
- Lesen und Vorlesen,
- Fotoalben anschauen

Die staatliche Erwartung ist:
- eine positive Haltung gegenüber kranken, behinderten und alten Menschen,
- soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten,
- Beobachtungsgabe und Wahrnehmungsfähigkeit,
- Empathiefähigkeit und Beziehungsfähigkeit,
- die Bereitschaft und Fähigkeit zu nonverbaler Kommunikation,
- Phantasie, Kreativität und Flexibilität,
- Gelassenheit im Umgang mit verhaltensbedingten Besonderheiten infolge von
körperlichen, demenziellen und psychischen Krankheiten oder geistigen
Behinderungen,
- psychische Stabilität, Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Handelns, Fähigkeit
sich abzugrenzen,
- Fähigkeit zur würdevollen Begleitung und Anleitung von einzelnen oder
mehreren Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, Demenz,
psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen,
- Teamfähigkeit,
- Zuverlässigkeit.

quelle: das Internet ist voll von Richtlinien nach § 87b Abs. 3 SGB XI

Diese Anforderung kann fast jeder ohne Zertifikat mitbringen, doch warum ein langes und evt. zu nichts führendes Studium.

Wie gesagt: ich habe mich auf o. g. Job beworben, habe mitgeteilt, dass ich alle Vorraussetzungen mitbringe, gesagt, dass ich medizinisch ausgebildet bin und das ich den Umgang mit dement
kranken Menschen beruflich sowie privat gewohnt bin.

Habe auch gefragt, ob ich nu wirklich noch einen Kurs belegen muss und wenn ja, wer zahlt das?
Keine Antwort.

Man hat sich ja gefreut über meine Soziale Einstellung, ja aber ohne den Schein, Nein, keine Chance.

Ich hab mich echt gefragt, muss man für malen und basteln echt ne Bescheinigung vorweisen?

M.E. möchte Supermann nach wie vor auf einen Missstand im System aufmerksam machen.
Und Demenz könnte uns alle mal treffen.

Daher Hut ab für den Thread von Superman. Möge er sich doch wieder melden

Zitat (Eifelgold @ 12.03.2015 22:00:20)
Möge er sich doch wieder melden

Hat er doch schon. :)

@Eifelgold: naja, ich stell mir gerade vor, wen das Arbeitsamt da alles hinschicken würde, wenn es nicht irgendeine Art von Filter gäbe...
Aber die Pflege ist schon ein knallhartes Geschäft; die "Schulung" von 160 Stunden lassen sich z.B. die Johanniter mit 860 Euro bezahlen; ich befürchte, fürs nötige Praktikum gibts auch kein Geld.


Zitat (chris35 @ 12.03.2015 22:19:21)
die "Schulung" von 160 Stunden lassen sich z.B. die Johanniter mit 860 Euro bezahlen;

Das scheint dir viel? Sorry, da komme ich nicht mit.
Ich habe gerade zweimal, weil ich es nicht glauben konnte den Taschenrechner bemüht.
Eine Ausbildungsstunde bei den Johannitern kostet demnach lächerliche 5,375 €.

Zitat (supermann @ 12.03.2015 12:43:15)
Sehr geehrte Frau Merkel und Mitarbeiter des Kanzleramts,

all diese von dir genannten ansprechpartner sind sehr viel eher zuständig als das deutsche regierungsoberhaupt. wozu also dieses schreiben? die situation ist ebenfalls bekannt, der missstand ist nichts neues. es gibt einen großen mangel an pflegekräften. nicht nur, weil es zu wenige gibt, sondern weil auch zu wenige eingestellt werden.

das, was eifelgold beschrieben hat, kann beinahe vollständig von laienhelfern oder ehrenamtlichen mitarbeitern abgedeckt werden. die sind sehr viel billiger als mitarbeiter. in altenheimen freut man sich sehr über sie. ich gehe regelmäßig in ein altenheim und verbringe dort zeit mit einigen lieben alten damen, und auch mein mann bringt sich dort ein, wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher, weil er nun mehr zu tun hat mit drei kindern und einer eigenen firma. ich habe sie kennen gelernt, weil dort viele freundinnen meiner verstorbenen schwiegeroma lebten und sie dort auch recht oft zu besuch war. meinen mann als ihren enkel kannten sie von geburt an, und so kam ich in kontakt mit ihnen.

man kann selbstverständlich mit allem möglichen an die kanzlerin schreiben, aber sie wird höchstens delegieren, wenn das schreiben sie überhaupt erreicht. mehr kann sie nicht tun, und dafür ist sie auch nicht zuständig, auch wenn gern gelaubt wird, das regierungsoberhaupt müsse sich um jedes problem in deutschland kümmern. das ist jedoch bereits in mittelgroßen firmen nicht mehr der fall, und um die belange von über 80 millionen menschen kann sich niemand kümmern.

man erreicht damit höchstens eine vorgefertigte standardantwort, die aus mehreren satzbausteinen erstellt wurde. "sehr geehrter herr lalala, vielen dank für ihr schreiben und ihr engagement, das große anerkennung gefunden hat. leider kann sich die bundeskanzlerin aus zeitgründen nicht persönlich bei ihnen melden. ihr anliegen ist jedoch wichtig, weswegen es an die zuständigen weitergeleitet wurde." so ähnlich dürfte eine antwort lauten. andererseits arbeiten auch in der politik viele praktikanten, und vielleicht bekommt man eine antwort mit ein wenig herzblut, weil sie froh sind, etwas anderes als herumstehen, zuhören und zugucken tun können.

Zitat (Jeannie @ 12.03.2015 22:43:16)
Eine Ausbildungsstunde bei den Johannitern kostet demnach lächerliche 5,375 €.

Teuer für den Teilnehmer, meinte ich. Dafür gibts aber Förderung z.B. durch Bildungsgutschein.
Verlust wird der Veranstalter sicher nicht machen: die Johanniter haben wenigstens ihre Gebühr veröffentlicht, die meisten machen das nicht. Den Kuchen werden sie sich damit nicht verdienen, aber vielleicht das tägliche Brot: sichere Auslastung der vorhandenen Räume, Auslastung der festangestellten Dozenten oder möglichst billige Freiberufler, wenig Zusatzkosten.
Als Teilnehmer würde ich also drauf achten:
Bewertung des Unternehmens googeln (Zusammensetzung der Teilnehmer), wieviele Teilnehmer maximal (können 5 sein - oder 25, das musst Du mit dem Stundensatz multiplizieren), was gibt es für Unterlagen (kopierte fliegende Blätter, gebundene Hefte oder eine Literaturliste zum selbst kaufen), wie sauber ist der Fußboden (kein Witz)

@eifelgold: ein unzählbares daumenhoch an dich!!!

wer sich freiwillig auf eine stelle bewirbt und mit demenzkranken arbeiten möchte, dem sollte unser aller respekt gehören !

ich habe eine demenzkranke mutter zu betreuen und bin manchmal bald am ende. und ich habe meine mutter im heim angemeldet, damit - wenn ich wirklich nicht mehr kann - sie dort kurzfristig unterbringen kann.


ja,auch ich kenne die Situation,war auch in so einem "Kurs" der Arbeitsagentur.Bin "ausgebildete" Seniorenbetreuerin bei Demenz nach §87b.
Für mich war es Stress,weil ich kurz vorher meinen 400€ Job bei Netto angefangen hatte.Vormittags Unterricht,ab 14 Uhr Arbeit bis um 22 Uhr und länger.
Es stimmt,die alten Menschen in den Heimen brauchen jemanden,der sich für die Freizeit um sie kümmert.Die Pflegekräfte haben dafür einfach keine Zeit.Hatte das Glück,dass bei uns im Ort ein Pflegeheim ist,wo ich meine Praktika machen konnte.
Man hatte dort die Aufgabe,den dementen Bewohnern das Essen zu reichen,zu gucken,ob alle genug zu trinken haben und vielleicht mal einige Spiele zu machen.Je nachdem,in welcher Lage sie waren.Pflegen durften wir sie nicht,auch nicht zum WC bringen.Dafür sind die Pflegekräfte zuständig.
Nach Beendigung des "Kurses" hab ich ganz lieb gefragt wegen vielleicht Übernahme........"ja,wenn Sie freiwillig kommen wollen,dann gerne".

Ich glaube jede/r der dieses Angebot annimmt von der Agentur für Arbeit erhofft sich doch im Hinterkopf,eine Anstellung für wenigstens 450 € zu erhalten,irgendwie.Oder?

Jetzt bietet unsere Kirche zweimal die Woche einen Nachmittag für Demente und die Angehörigen an,natürlich auch kostenlos.

So ein Platz in einem Pflegeheim ist soo teuer,da ist keinen Luft mehr für uns,damit die Leute friedlich den Tag überstehen,ohne Beruhigungsmittel........

Armes Deutschland.

Auch ganz ehrlich,meine Mutter in so ein Heim geben? Niemals !!

LG


Zitat (Schnuff @ 16.03.2015 23:02:37)
Nach Beendigung des "Kurses" hab ich ganz lieb gefragt wegen vielleicht Übernahme........"ja,wenn Sie freiwillig kommen wollen,dann gerne".


Und genau davor habe ich ein wenig Angst.

Ich würde das gerne beruflich machen. Ich hab auch keine Angst davor, noch mal die Schulbank zu drücken.

Was mich zum Nachdenken bringt: bekomme ich einen festen Job mit dieser Bescheinigung?
Selbst wenn jemand den Kurs aus eigener Tasche finanziert, so möchte man doch mit einer Festanstellung belohnt werden und nicht mit einem Ehrenamt.

Mein Ehrenamt ist Hospiz, das weiß ich jetzt schon, aber das wollte ich in meiner Rente machen.
Jetzt möchte ich aber eine berufliche Tätigkeit ausüben, welche mich finanziell über Wasser hält. Das Ehrenamt kommt dann später


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