Baader-Meinhof-Komplex: Wer hat`s schon gesehen/gelesen?


Da mich das Thema RAF brennend interessiert, habe ich mir den Film vor anderthalb Wochen gleich angesehen. Das Buch von Stefan Aust habe ich vor Jahren schon gelesen.
Natürlich kann ein Film nicht die Realität wiedergeben, dazu reicht die Zeit nicht. Besonders beeindruckend fand ich Martina Gedeck in der Rolle der Ulrike Meinhof. Andreas Baader fand ich mit Moritz Bleibtreu nicht so glücklich besetzt, obschon ich ihn als Schauspieler gerne mag.
In den Medien wurde ja im Vorfeld schon viel über den Film diskutiert, von wegen, er würde den Opfern nicht gerecht, diese würden zudem auch noch so unsympathisch dargestellt, wohingegen die RAF-Mitglieder eher "nett" rüberkämen.
Das sehe ich anders: Gudrun Ensslins und Baaders Persönlichkeit kamen eher abschreckend 'rüber. Die Ulrike Meinhof wurde sensibel dargestellt, ich konnte mich 'reindenken, welche Konflikte sie mit sich selbst ausgefochten hat.
Für den Einstieg in das Thema RAF kann ich den Film weiterempfehlen, ein wichtiger Teil deutscher Geschichte, der leider im Geschichtsunterricht kaum behandelt wird.


Wir gehen am Donnerstag ins Kino. Endlich mal wieder ein Film, der mich so interessiert, dass ich dazu bereit bin, das Geld für Kino auszugeben... -_-

Bin schon sehr gespannt. Von der RAF hab ich damals zu wenig mitbekommen, ich war wohl noch zu jung. Allerdings sind eine prägende Kindheitserinnerung die RAF-Fahndungsplakate. Mein Großvater hatte damals eine Postfiliale in unserem Haus.
Die Fahndungsplakate hingen quasi Tür an Tür zu meinem Kinderzimmer. Die "bösen" Gesichter fand ich "beeindruckend" und unheimlich, besonders Ulrike Meinhof. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es auch böse Frauen gibt (aus Kindersicht eben)... :ph34r:

Bearbeitet von keke am 08.10.2008 12:26:05


Hallo Heiabutzi !

Mein Göga und ich waren auch begeistert von dem Film.
Wo ich dir absolut recht gebe ,daß dieses Thema in der Schule überhaupt nicht
behandelt wurde,bzw. wird.


Gegen diesen Film gibt's auch Proteste...:

Zitat
Die Witwe des 1977 von RAF-Terroristen erschossenen Bankiers Jürgen Ponto reagiert empört auf den Kinofilm "Der Baader-Meinhof-Komplex". Die 79-jährige Ignes Ponto schickte ihr Bundesverdienstkreuz aus Protest dem Bundespräsidenten zurück, wie ihre Tochter Corinna "Welt Online" sagte. Die Musikerin erhielt das Bundesverdienstkreuz 1988 unter anderem für die Gründung und Begleitung der "Bundesbegegnung 'Schulen musizieren'".

Die Ponto-Familie kritisiert vor allem die Darstellung der Ermordung des Bankiers. Daran sei "so gut wie alles falsch", sagte Corinna Ponto. "Während man sich anderswo bis zu korrekten Fahrzeug-Kennzeichen zu den historischen Details bekennt, verfährt man in dieser Szene frei nach Fantasie, was Haus, Interieur und Geschehen angeht. Von dem RAF-Attentat auf meinen Vater gab es bisher keine Bilder. Das war für uns immer ein gewisser Trost und auch ein Schutz. Diese falsche Überschreitung der Film-Version ins Private empfinde ich als besondere Perfidie."

Die Mutter habe sprachlos die verfälschte, öffentlich dargebotene filmische Hinrichtung ihres Mannes in vielen verschiedenen Programmen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten erlebt. "Ihr und uns, einschließlich der noch sehr jungen Familienmitglieder, wurde zugemutet, als unvorbereitete Zuschauer die Szene dieses filmisch inszenierten Attentats ertragen zu müssen - als Vermarktungs-Thriller, unkommentiert, sogar hin und wieder angeregt angekündigt unter dem Motto 'Let's go Oscar'", kritisierte Corinna Ponto.

Sie sprach von einer neuen Stufe öffentlicher Demütigungen. "Hier werden die Menschenwürde meiner Mutter und der ganzen Familie in ihrem Kern getroffen sowie Pietät und Andenken eines Toten in geschmacklosester Weise verletzt", sagte die Tochter. Seit Jahrzehnten vermöge es die Bundesrepublik nicht, den Opfern der RAF eine Gedenktafel zu widmen, kritisiert die Familie laut Welt Online. Statt Aufklärung zu betreiben, etwa über die Erforschung des von der DDR unterstützten Terrorismus, teilfinanziere der Staat mittels öffentlich-rechtlicher Anstalten und den Filmförderfonds "diesen trickreich unhistorischen und gefährlich auch zur Gewalt verführenden Film und fördert ihn damit auch ideell", kritisierte Corinna Ponto. Das Interview führte die Publizistin Bettina Röhl, die die Tochter der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof ist. (Quelle)

Zitat (Heiabutzi @ 07.10.2008 22:45:10)
In den Medien wurde ja im Vorfeld schon viel über den Film diskutiert, von wegen, er würde den Opfern nicht gerecht, diese würden zudem auch noch so unsympathisch dargestellt, wohingegen die RAF-Mitglieder eher "nett" rüberkämen.
Das sehe ich anders: Gudrun Ensslins und Baaders Persönlichkeit kamen eher abschreckend 'rüber. Die Ulrike Meinhof wurde sensibel dargestellt, ich konnte mich 'reindenken, welche Konflikte sie mit sich selbst ausgefochten hat.
Für den Einstieg in das Thema RAF kann ich den Film weiterempfehlen, ein wichtiger Teil deutscher Geschichte, der leider im Geschichtsunterricht kaum behandelt wird.

Ich hab den Film auch gesehen und fand ihn gut bzw. sehr interessant.
Und z. B fand ich den Baader gar nicht nett, der war total unsympathisch dargestellt, fand ich....
Und das mit dem Geschichtsunterricht kann ich so auch bestätigen, da gabs nix von der RAF irgendwie & ich hab 1999 Abitur gemacht, aber der Geschichtsunterricht hörte trotzdem rel. bald nach dem Ende des 2. WK auf. :mellow:

Zitat (Aha @ 08.10.2008 13:51:41)
Und das mit dem Geschichtsunterricht kann ich so auch bestätigen, da gabs nix von der RAF irgendwie & ich hab 1999 Abitur gemacht, aber der Geschichtsunterricht hörte trotzdem rel. bald nach dem Ende des 2. WK auf. :mellow:

Ebenfalls.
Ich hab über die RAF überhaupt nix gelernt.

Ebenso wie die DDR nur so angerissen wurde. Als ich mehr wissen wollte, wurde ich ausgelacht (na gut, vor allem von meinen Mitschülern).


Ich hab den Film nicht gesehen, er reizt mich ehrlich gesagt nicht. Hab wohl auch zu wenig Vorwissen.

Mein Freund (der hat viel Ahnung) fand ihn aber sehr gut.

Zitat (Jinx Augusta @ 08.10.2008 13:59:54)
Ich hab den Film nicht gesehen, er reizt mich ehrlich gesagt nicht. Hab wohl auch zu wenig Vorwissen.

Mein Freund (der hat viel Ahnung) fand ihn aber sehr gut.

Dann geh doch mal rein & krieg Ahnung. ;) -_- :rolleyes:

In meiner Schule wurde das Thema auch nicht behandelt. Als es drangewesen wäre, fiel gerade die Mauer, also wurde das bei uns im Unterricht behandelt.

Als ich geboren wurde, legte die RAF gerade los, also habe ich da nicht viel von mitbekommen. Die Fahndungsplakate hingen bei uns auch an der Sparkasse und an der Post. An die späteren Attentate in den Achtzigern erinnere ich mich gut, das sind Bilder, die sich bei mir irgendwie festgebrannt haben.

Zu dem von Valentine eingestellten Artikel:
Sicherlich ist es für die Angehörigen der Opfer hart, mit solchen Szenen konfrontiert zu werden. Allerdings ist dieser Film keinesfalls RAF-oder gewaltverherrlichend dargestellt. Als "Go for Oscar" kann ich ihn auch nicht einordnen, dazu ist das Thema RAF im Ausland einfach zu irrelevant.
In diesem Film wird vielmehr deutlich, wie es überhaupt zu solchen Terrorausschreitungen kommen konnte.


Der Film steht bei uns am Wochenende definitiv auf dem Programm.


Zitat (Aha @ 08.10.2008 14:09:32)
Dann geh doch mal rein & krieg Ahnung. ;) -_- :rolleyes:

Hab gehört, man würde den Film nicht kapieren, wenn man kein oder sehr wenig Vorwissen hat. Ist natürlich alles stark gerafft.

Und wie gesagt, er reizt mich absolut nicht.

Zitat (Heiabutzi @ 08.10.2008 14:20:08)
dazu ist das Thema RAF im Ausland einfach zu irrelevant.



heute ja, damals - zumindest in den direkten nachbarlaendern - bei weitem nicht.

Aufgrund meines doch schon etwas höheren Alters habe ich die ganzen Szenerien (u.a. die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut") damals sehr nah mitbekommen und es hat mich auch sehr bewegt.
Auch das Buch von Aust habe ich gelesen. Es steht immer noch in meinem Bücherregal und erlangt plötzlich wieder "Aktualität" durch den Film. Die Dokomentation der Bundesregierung zur Entführung von Hanns Martin Schleyer, in der alles chronologisch aufgeführt ist, steht daneben.
Den Film möchte ich natürlich sehen. Schon allein deshalb, um mir selbst ein Urteil zu bilden über die Umsetzung der Realität in eine filmische Handlung.
Es ist schon seltsam, dass dieser Teil der deutschen Geschichte in den Schulen ausgeklammert wurde. Den Grund dafür würde ich gerne wissen.
Bin sehr gespannt auf den Film.
Ciao
Elisabeth


Zitat (Elisabeth @ 08.10.2008 17:15:37)

Es ist schon seltsam, dass dieser Teil der deutschen Geschichte in den Schulen ausgeklammert wurde. Den Grund dafür würde ich gerne wissen.

Darüber haben wir kürzlich im Freundeskreis auch diskutiert. Bei mir kam, wie schon erwähnt, der Mauerfall dazwischen. Ich vermute, die Lehrer waren aber damals selber nicht genügend ausgebildet, bzw. informiert. Vieles über die RAF ist ja erst später veröffentlicht worden. :unsure:

Zitat (Heiabutzi @ 08.10.2008 20:54:23)
Darüber haben wir kürzlich im Freundeskreis auch diskutiert. Bei mir kam, wie schon erwähnt, der Mauerfall dazwischen. Ich vermute, die Lehrer waren aber damals selber nicht genügend ausgebildet, bzw. informiert. Vieles über die RAF ist ja erst später veröffentlicht worden. :unsure:

Ich glaube vielmehr, dass damals die Lehrer der oberen Klassen auch Angst vor dem Verfassungsschutz hatten. :unsure:
Z.Zt. der RAF war ich 18 J. und stark politisch aktiv.
Es war aber gefährlich mit diesen Gruppen zu sympathisieren, wenn man an sein eigenes berufliches Fortkommen dachte. Bestimmte Bücherläden in Bonn standen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes- das war in der Szene bekannt.
Telefone wurden abgehorcht- auch das war bekannt.
Die Erschwerung dieser Möglichkeit der Überwachung ist das Resultat aus dieser Zeit- der Verdacht reichte völlig aus...- heute nur auf richterliche Anordnung. :rolleyes:
Unsere Lehrer fürchteten sich vor dem sog. "Radikalenerlass", der Lehrern Berufsverbot erteilte, wenn sie ( als Beamte ) nicht auf die "Freiheitlich- demokratische Grundordnung" schworen- oder Zweifel aufkommen ließen, dass sie diese nicht lehrten :ph34r: .
Die Medien ( öffentlich-rechtlich, ARD, ZDF ) zeigten ein einseitiges Bild und es war schwer, sich ein eigenes Bild der Gesamtsituation zu machen- ohne in den Verdacht zu geraten, den Terror zu unterstützen.

Schon deshalb klammern die Schulen das Thema RAF aus.
Ich werde definitiv in den Film gehen, in nächster Zeit.
Ein bisschen "Anarcho" waren wir alle damals. Das Klima war einfach so.
Ich hoffe, dass der Film dies auch wiederspiegelt.
Und ich freue mich darauf, die andere Sicht der Dinge zu sehen.
Den Hexenkessel habe ich erlebt.

@Freesie
Den Verfassungsschutz habe ich total vergessen. Was Du schreibst, klingt nachvollziehbar!

Ich denke aber auch, genau wie die Generation vor uns in der Schule kaum etwas über das Dritte Reich gelernt hat, haben wir nichts über die RAF gelernt, einfach, weil das Thema noch nicht von der Gesellschaft "verdaut" wurde.
Ich bin richtig gespannt, wie Eure Reaktionen auf den Film sind!


So, ich war ja nun gestern Abend im Kino. Vorneweg, ich fand den Film sehr beeindruckend und hab ihn m.E. auch recht "intensiv" geschaut.
Ich hatte ja zuvor nur sehr, ja erschreckend wenig Kenntnisse über die RAF. Dementsprechend war ich "gezwungen", während des Filmes über viele gesehene und gehörte Dinge nachzudenken, ohne dabei den faden zu verlieren... Streckenweise hab ich mir sogar gewünscht, etwas zu Schreiben dabei zu haben, um mich mit aufkommenden Fragen noch danach auseinander setzen zu können. Sowohl was die Thematik als auch die filmische Auseinandersetzung/Umsetzung angeht, z.B. bzgl. der Authentizität der Details.

Ich bin auch mit Denken noch lange nicht fertig. ^_^

Ich habe jedenfalls schon einiges dazu gelernt und wurde teilweise überrascht, wie anders mein vorheriges Bild z.B. von Ulrike Meinhof war. Ich wusste z.B. nicht, dass sie in ihrem Leben vor der RAF ein relativ konservatives Familienleben geführt hat... (so wirkt jedenfalls das auf mich, was man zu Anfang des Filmes sieht).

Fazit bis zum jetzigen Zeitpunkt:
Der Film bietet einen Einstieg zum Thema und weckt das Verlangen, sich intensiver damit auseinander zu setzen. So. Ich geh jetzt mal recherchieren... ;)


Das Thema Verfassungsschutz hat Freesie ja schon erwähnt, war natürlich nicht nur in Bonn so. ;)

Ich fand den Film sehr interessant, weil ich ja schon die erste Generation der RAF mitbekommen habe und mich auch dafür interessiert habe.

Ein paar Bemerkungen dazu, die einige vielleicht nicht wissen:

Durch den Prozess gab es auch Verschärfungen in der StPO, eine gemeinsame Verteidigung mehrerer Angeklagten durch einen Verteidiger wurde verboten. Der Begriff der terroristischen Vereinigung wurde ebenfalls in dieser Zeit eingeführt.

Es ist auch interessant, dass der im Film dargestellte Anwalt Horst Mahler mittlerweile der NPD angehört, leider kam auch nicht durch, dass unser ehemaliger Innenminister Otto Schily ein sehr engagierter Wahlpflichtverteidiger von Gudrun Ensslin (oder Ulrike Meinhof, da bin ich nicht mehr sicher) war.

Andreas Baader und Gudrun Ensslin kamen meiner Meinung nach im Prozess zu sympathisch rüber und die Rolle von Jan Carl Raspe war total farblos und fehlbesetzt.

Dass evtl noch lebende Beteiligte durch offensichtlich total andersaussehende Schauspieler dargestellt wurden, mit Ausnahme von Frau Mohnhaupt, ist nachvollziehbar.

Die Auswirkungen der sensorischen Deprivation in Köln-Ossendorf wurde, wenn auch nur andeutungsweise am Beispiel von Ulrike Meinhof dargestellt.

Alles in Allem ein guter Film für diejenigen, die sich damit noch nicht so richtig beschäftigt haben.


Wir selbst haben den Film noch nicht gesehen, ging auch zeitlich nicht. Einen Film solchen Ausmaßes zu verstehen, sollte man díe Vorgeschichte kennen. War ja bei JFK auch nicht anders. Und heute überrasche ich mich dabei, wenn ich einen neuen Beitrag höre, den ich noch nicht kannte.
Auch bei uns hingen in der Sparkasse und auf der Post oder Bullerei die Fahnungsplakate aus. Man war als Kind berührt, beeinflusst und schokiert.
Auch bei uns in der Schule wurde nicht darüber diskutiert, warum, siehe oben.
Aber auch ich möchte die ganze Geschichte kennen, nicht nur die Landshut oder Hanns-Matin Schleyer, sondern auch die Beweggründe. Mein Großer habe ich sanft mit der Landshut konfrontiert, der kennt auch den Arbeitgeberpräsident, aber mehr kann er auch nicht sagen. Der kleine auch nicht, den wollten wir noch nicht einbeziehen, er hat es einfach filmisch noch nicht mitbekommen. Und Thema beim sonntaglichen Mittagessen ist das ja wohl auch nicht
Mal davon ab: Kam das mit der Mauer nicht später?

Ich warte nun auf den Film und neue Impressionen. Mal sehen, wie ICH es verstehen werde



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