Spritfresser auf der Anklagebank: Höherer Spritverbrauch als angegeben


Spritfresser auf der Anklagebank

Schon seit Jahren überbieten sich die Automobilhersteller mit unglaublich niedrigen Benzinverbrauchswerten. BMW zum Beispiel hat 300-PS-Boliden im Angebot, die im Durchschnitt weniger als 10 Liter Sprit verbrauchen. Jetzt hat das Oberlandesgericht Stuttgart in zweiter Instanz festgestellt, dass der Hersteller zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet sein kann, wenn ein Neuwagen im Alltag deutlich mehr schluckt als angegeben.

Geklagt hatte der Käufer eines E-Klasse-Kombis von Mercedes. Laut Herstellerangaben verbraucht die Luxuslimousine im Schnitt 10,2 Liter in der Stadt und außerorts 7,6 Liter. Ein Gerichtsgutachter jedoch stellte fest, dass der Wagen 9,1 Prozent mehr Benzin verbraucht als angegeben. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Daimler AG daraufhin zu Schadensersatz verurteilt, außerdem muss der Automobilhersteller den Kaufpreis mindern und die gegnerischen Anwalts- und Gutachterkosten übernehmen. Schon in einem früheren Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) festgestellt, dass Abweichungen von den Verbrauchsangaben einen Mangel darstellen und sogar zur Rückgabe des Wagens berechtigen. Trotzdem wird das Urteil viele Autofahrer zum Aufhorchen bringen.

Wenn auch Sie unzufrieden mit Ihrem Spritverbrauch sind, müssen Sie allerdings bedenken, dass die Verbrauchsangaben auf der Grundlage von Labortests nach EU-Richtlinien ermittelt werden und nicht den Einsatz eines Wagens im tatsächlichen Straßenverkehr widerspiegeln. Sollten Sie dennoch davon überzeugt sein, dass die Verbrauchsangaben falsch sind, verzichten Sie besser darauf, selbst einen Gutachter zu bestellen. Expertengutachten sind teuer und werden im Zweifelsfall ohnehin von den Gerichten in Auftrag gegeben.
FORMBLITZ NEWSLETTER Nr. 003 12/2008

Dazu muß man bedenken, daß der tatsächliche "persönliche" Spritverbrauch hauptsächlich von den Fahrbedingungen und den Nutzungsgewohnheiten des Fahrers abhängt. Bei den neuesten Abgasgrenzwerten wird Beispielsweise der Kaltstart mit einbezogen im Gegensatz zu früher, wo die Rohemisionen bei betriebswarmen Motor gemessen werden. Man muß dazu wissen, daß das Meßverfahren streng festgelegt ist, und dabei die Kaltstartemissionen eine äußerst gewichtige Rolle Spielen, da die Lambdasonde eine Temperatur von 300°C erreichen muß, ehe sie überhaupt Funktioniert. Ebenso das katalytische System muß zur vollen Wirkung etwa 600°C erreicht haben. Dies wird durch Motornahe Systeme begünstigt, was widerum eine schnelle Alterung zur Folge hat sowie halt durch Anheben der Motordrehzahlen sowie ein Überfetten des Kalten Gemischs. Wenn also jemand extrem viel Kurzstreckenverkehr fährt, hat er mit einem ungleich höheren Verbrauch zu rechnen. Ähnliches gilt bei Dieselfahrzeugen mit Partikelfilter, der ja regelmäßig regeneriert werden muß (sonst ist er irgendwann zu, ähnlich einem Staubsaugerbeutel). Dies wird durch gezielte Nacheinspritzung von Kraftstoff in den Auspufftakt erreicht, was widerum einen stark erhöhten Verbrauch zur Folge hat.Übrigens ist irgendwann ,z.B. nach 120.000 km, soviel unverbrennbare Aschemasse in dem System, daß er nicht mehr regenerierbar ist und ersetzt werden muß, ein Umstand den auch viele noch nicht wissen...
Diese Beispiele sollen nur mal verdeutlichen, welchen Einfluß das Fahrverhalten und die äußeren Umstände auf so ein komplexes System wie eine Motorsteuerung haben, aber auch wie wenig teilweise Tests unter Laborbedingungen -die ja das Ideal darstellen- mit dem realen Fahralltag haben. Gerade Menschen, die viel im Großstadtverkehr unterwegs sind, werden nicht annähernd an die angegebenen Werte herankommen.
Anbei sei noch erwähnt, daß gerade bei so empfindlichen und komplexen Systemen, die heute Stand der Technik sind, sich Alterung und Verschmutzung (z.B. Düsenverkokung bei Dieselfahrzeugen) erheblich auswirken, da heute viel mehr Einzelkomponenten verbaut sind, die Störungen aufweisen können als noch vor 10 oder 20 Jahren. Und jede Störung hat letztendlich erhöhten Verbrauch oder Leistungsverlust zur Folge, wenn auch oft schleichend und unbemerkt


Und was soll jetzt passieren?

Müssen die Autobauer nun wieder die "sparsamen" 12-Liter-Autos anpreisen, weil in der Stadt der Verbrauch höher ist! Nur dass sie einer Strafe entgehen?

Oder müssen sie schreiben: Das neue Wunderauto! In der Stadt min. 12L aber auf dem Land max. 8L verbrauch!?!

Ich mein einen realistischen Wert, der für alle Verbraucher gilt wird bestimmt nicht erreicht werden.

Ach ja, auch das Zuladegewicht und der Reifendruck spielen eine erhebliche Rolle, beim Spritverbrauch! Ganz zu schweigen vom Tritt auf's Gaspedal!

Bearbeitet von Schwaller am 17.12.2008 19:16:10



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