Kann man vom Schreiben gut Leben?


Hallo an alle ;)
Heute hätte ich mal eine Frage im Namen meiner Nichte an euch, die gerade 20 geworden ist und mittlerweile einen sehr untypischen Berufswunsch (nach Ansicht meiner Schwester) hegt...

Sie hat schon als Kind begonnen Tagebuch zu schreiben und danach in der Schule bei der Schülerzeitung mitgemacht und nun möchte sie ihre Passion für das Schreiben zum Beruf machen ;) Sie ist sich noch nicht ganz sicher, ob sie eher in Richtung Journalismus gehen möchte oder eher in Richtung kreatives Schreiben.

Meine Schwester ist gegen aber gegen beide Berufswünsche meiner Nichte, da sie der Ansicht ist, dass man als Autor oder als Journalist nicht mehr so gut verdient und es außerdem riskante bzw. unsichere Berufe in finanzieller Hinsicht sind...

ich kenne mich auf dem Gebiet ehrlich gesagt nicht gut aus und wollte deswegen mal bei euch um Rat fragen, wie es um diese Jobalternativen wirklich steht und ob man da wirklich dauernd Angst um seine regelmäßigen Einkünfte haben muss?

Wie geht man so einen Berufswunsch außerdem an, bräuchte man dafür auch ein spezielles Studium oder eine andere Ausbildung, womit man die Erfolgschancen erhöhen kann?

Ich stehe ihrem Wunsch Autorin oder Journalistin zu werden eher optimistisch gegenüber, da sie einen wundervollen Schreibstil hat und in meinen Augen auch ein sehr kreativer Mensch ist, deswegen wäre es schön zu wissen, ob das Zukunft hat und wie man ihr Ziel unterstützen kann?

Vielen Dank schon mal im Voraus und liebe Grüße ;)


Hallo AlteHäsin

guck doch mal hier nach


Einmal das,
Und: Hat deine Nichte schon mal ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht? - ich denke, das "wahre Leben" ist doch was anderes als die Spielwiese Schulzeitung, oder auch Tagebuchschreiben.
Das sind dicher beides gute Sachen um Ausdruck usw. zu üben; kann aber allenfalls eun Anfang sein.

Liest sie viel? Und wenn, was?


Eine Freundin meiner Tochter ist zuerst als Journalistin angefangen und hat bei verschiedenen Zeitungen gearbeitet.
Dann hat sie ihr erstes Jugendbuch geschrieben und das schlug gut ein. Inzwischen hat sie sie schon einige Romane veröffentlicht, kann von den Einnahmen gut leben.
Zusätzlich verdient sie sich noch mit Lesungen in verschiedenen Buchhanlungen etwas dazu.

Ich würde auch erst einmal zum Praktikum raten und wenn dann die Lust immer vorhanden ist, sich um einen Platz bei einer Zeitung bewerben. Von da aus dann einen guten Verlag suchen und dort mal Manuskripte einreichen.


Zitat (Kampfente @ 03.09.2015 18:06:37)
... Ich würde auch erst einmal zum Praktikum raten ...

... etwas Anderes wird ihr auch nicht übrigbleiben, um ins Geschäft zu kommen ...

In der Regel sind Praktika entweder schlecht oder gar nicht bezahlt. Aber es sind Referenzen.

Guter Rat an die Tochter der Freundin: Es schadet nicht, einen Brotjob zu erlernen, um die tägliche Butter aufs Brot zu bekommen. Und die Schreiberei nebenbei zu betreiben.

Mein Ex hat früher als Journalist gearbeitet. Die goldenen Zeiten sind absolut vorbei. Es herrscht ein absolutes Überangebot an wirklich guten Fachleuten und die Zeitungen bezahlen immer weniger. Er hat dann eine Weile für große Webportale geschrieben, doch auch hier sind irgendwann die Preise um mehr als die Hälfte eingebrochen. Am Ende war er froh wenn er nach Steuern noch einen Tausender aufs Konto bekam. Er hat es aufgegeben.


Hallo noch mal und vielen Dank schon mal für eure zahlreichen Antworten!! :D

Noch eine kleine Anmerkung zu den Erfahrungen meiner Nichte: Ja, sie hat auch schon ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht (wusste ich zuvor selbst nicht, das Praktikum ging auch nur zwei Wochen lang!) und das Praktikum wurde damals allerdings gar nicht bezahlt....

es hat ihr in der Redaktion aber so gut gefallen, dass dadurch anscheinend auch der Wunsch in ihr aufgekeimt ist ihr Hobby zum Beruf zu machen (eben als Journalistin oder Autorin) allerdings sind die Aussichten für Journalisten dann doch etwas ernüchternd und bei dem was EvaChristina berichtet, schreckt mich persönlich dieser Berufswunsch dann doch etwas ab...

aber was Kampfente berichtet, hört sich wieder relativ gut an!

@Kampfente: Wie hat deine Freundin denn begonnen ein Buch zu schreiben bzw. wie ist sie überhaupt an einen Verlag gekommen, der das Buch dann auch veröffentlicht hat? Kannst du da vielleicht ein bisschen ins Detail gehen? ;)

Liebe Grüße :)


Wie gesagt hmm, schwierig es kommt drauf an was man macht, also alleine vom Buch schreiben vor allem wenn es das erste ist wirds wohl eher schwer werden, denn das muss mal veröffentlicht werden dann bekannt werden. Aber da kümmern sich dann ja eh eher Verlage darum, ich kenne wen der hat das Novum gemacht.
Viele schreiben halkt auch nebenher für Magazine, Blogs, kleinere Reiseführer oder lektorieren - das ist es so was ich kenne, da kann man dann sagen naja die leben vom Schreiben.


Das ist ein sehr spannendes Thema, mit dem ich mich auch schon viel auseinander gesetzt habe, weil ich früher einen ähnlichen Wunsch hatte wie deine Nichte. Am liebsten wollte ich immer Lektorin werden, daher habe ich ein Germanistik Studium abgeschlossen. Während des Studiums habe ich auch Praktika gemacht und dabei festgestellt, dass kaum noch Lektoren fest angestellt werden und die Chancen, irgendwo ein halbwegs angemessenes Gehalt zu verdienen, gleich null sind. Zum Schreiben: Ich hatte während eines meiner Praktika zahlreiche Manuskripte auf dem Tisch liegen. Von hundert Manuskripten haben, wenn es hoch kam, 10 zur Veröffentlichung getaugt, wenn überhaupt. Es wollen also sehr viele Leute kreativ schreiben, aber die wenigsten haben wirklich das Zeug dazu und noch weniger können von ihrer Schreiberei auch leben.

Im Journalismus sieht es nicht viel besser aus. Auch in diesem Bereich habe ich während des Studiums zwei Praktika gemacht. Mein Fazit lautet: Kaum ein Journalist wird heute noch fest angestellt, die meisten arbeiten frei und verdienen mehr schlecht als recht. Geregelte Arbeitszeiten sind ein Fremdwort, man muss ständig abends und am Wochenende zu Terminen. Bevor man überhaupt einen Fuß in die Tür bekommt, muss man meist noch nach diversen Praktika noch ein zweijähriges Volontariat machen, wo man (zumindest bei kleinen Verlagen) für kleines Geld 50 bis 60 Stunden arbeiten darf, natürlich zu den unmöglichsten Arbeitszeiten.

Ich will deine Nichte nicht komplett entmutigen. Wenn sie es wirklich will, sollte sie sich in Praktika versuchen und ihre eigenen Erfahrungen machen. Aber sie sollte sehr viel Willen, Disziplin und Spaß an der Sache mitbringen, sonst wird sie nicht lange durchhalten. Ist zumindest meine Erfahrung.

Viel Glück!



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