Gehaltserhöhung: Wie auf das Gespräch vorbereiten?


Hallo zusammen,

kurzfristig steht bei mir bald ein Gespräch mit unserem Geschäftsführer an, um neu über mein Lohn zu verhandeln.

Mit meinen 26 (morgen 27 B) ) Jahren, steht mein erster Gespräch dieser Art an und dementsprechend bin ich nicht nur nervös, sondern auch etwas unwissend und unsicher. Vielleicht habt Ihr ja den ein oder anderen Rat, der mir weiterhelfen würde.

Kurz zu meiner Person ...
Ich bin gelernter Tischler mit 3 Jahren Berufserfahrung und habe anschliessend gesundheitsbedingt (Bandscheibenvorfall) eine Umschulung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel gemacht. Direkt im Anschluss
habe ich den Arbeitsplatz gewechselt und übe nun seit einem Jahr die Tätigkeiten eines Industriekaufmannes aus.
Damit verbunden Kundenberatung, Verkauf, Reklamationsbearbeitung und zusätzlich habe ich mir im laufe der Zeit das Aufgabengebiet Marketing angeeignet, dh. Prospekte und Werbeartikel entwerfen, Zeitungsartikel erstellen etc.

Meine Arbeitskollegen sowie meine Chefs sind rundum zufrieden mit mir.

Ich weiss also, welche Argumente bei einer Lohnverhandlung für mich sprechen aber da ich in dieser Branche
quasi keine Vergleiche habe, kann ich überhaupt nicht abschätzen, was ich als Gehaltsvorschlag nennen soll.

Zu hoch pokern ist sicher nicht gut und zu niedrig pokern ... wer will das schon?
Im Allgemeinen beschäftigen sich mir folgende Fragen:

- Wie kann ich meinen Chef von meinen Qualitäten überzeugen
- Was sollte bei einem solchen Gespräch möglichst nicht aufgegriffen werden
- Die passende Antwort auf die Frage: "Was haben Sie sich denn vorgestellt"? Gibt es da überhaupt eine passende?!

Ein freund hat es mit: "Ich hoffe auf ein faires Angebot Ihrer seits ..." versucht, aber ob so etwas ratsam ist?

Ich hoffe einfach, mir kann jemand mit etwas mehr Erfahrung, den ein oder anderen Tip geben.

Vielen Dank!


Huhu Nyke,

viel Spaß bei dem Gespräch - meistens macht man sich vorher viel zu viele Gedanken :)

- Wie kann ich meinen Chef von meinen Qualitäten überzeugen

Im Normalfall hast Du das ja jetzt schon durch deine Arbeit getan. Mach ihm klar, was Du besonders gut gemacht hast (große Aufträge, irgendwas Neues eingeführt, vielleicht die Abteilung aufgemöbelt?).

- Was sollte bei einem solchen Gespräch möglichst nicht aufgegriffen werden

Auf keinen Fall das Lästern anfangen. Chefs fragen ganz gerne mal nach "Und wie kommen Sie mit Herrn Meier aus?" Wenn Du da dann anfängst zu lästern, bist Du schon unten durch. Ehrliche Meinung sagen, aber eben nicht a la "Is fürchterlich mit dem. Geht nur zum rauchen"

- Die passende Antwort auf die Frage: "Was haben Sie sich denn vorgestellt"? Gibt es da überhaupt eine passende?!

Ich glaube eine Steigerung von 10-20 % ist normal. Wenn er sich nicht auf Cash einlässt, kannst Du auch probieren, folgende Sachen zu bekommen:
- mehr Urlaubstage
- Urlaubs- / Weihnachtsgeld
- Fahrt- / Essensgeld
- Bausparvertrag, Altersvorsoge uswusf

Schau mal bei Google unter "geldwerte Vorteile".

Viel Glück und viel Spaß!


Auf gar keinen Fall "Ich hoffe auf ein faires Angebot" sagen... denn das versetzt dich in die Zwangslage, jedes Angebot, was danach kommt, annehmen zu müssen. Ein Ablehnen oder Nachverhandeln sagt, dass das ursprüngliche Angebot nicht fair war.

Ich würde den Lohn gleich lassen (relativ geringfügige Entgeltsteigerungen werden ohnehin meist fast vollständig von der kalten Progression aufgefressen) und versuchen, geldwerte Vorteile auszuhandeln. Die haben den Vorteil, dass sie für den Chef günstiger sind, als Lohnsteigerungen und auf deiner Seite zu einer fühlbaren Steigerung der Gegenleistung für deine Arbeit führen.

Mal so als Beispiel: Wenn man einen etwas größeren Kleinwagen als Firmenwagen erhält, der Lohn aber gleich bleibt, hat man in etwa so viele Vorteile (gespartes eigenes Auto, steuerliche Absetzbarkeit - je nach Ausgestaltung,...), als hätte man 500 - 1000 Euro mehr Brutto im Monat. Das macht sich nur niemand klar :)


Danke für die Tips!

Manchmal mach ich mir vielleicht auch einfach zu viele Gedanken, ist alles bestens gelaufen und vor allem
ein völlig entspanntes Gespräch ;)


Super, herzlichen Glückwunsch :-)


Hallo zusammen,

da Ihr mir beim letzten Mal schon mit super Ratschlägen zur Seite standet, wollte ich nicht ein neues Thema aufmachen und hoffe, Ihr seid nochmal zur Stelle :rolleyes:

Im April habe ich, wie erwähnt, meine Gehaltserhöhung bekommen und ich war eigentlich relativ zufrieden.
Mein damaliges Wunschgehalt wurde ohne zu zögern akzeptiert und da wusste ich, es wäre wohl noch mehr drin gewesen :wallbash: Jedenfalls hat mein Chef mir zugesagt, das bräuchte ja nicht das letzte Gespräch bleiben.

Ziemlich überraschend kam er letzte Woche auf mich zu und bot mir von seiner Seite aus ein weiteres Gehaltsgespräch an, welches nun kommenden Freitag stattfinden soll.

Tja ... und da steh ich nun. Ich hab mal wieder überhaupt keine Ahnung was ich da fordern kann oder sollte.
Dieses Gefühl, zu niedrig gepokert zu haben war schon ein echt unangenehmes ... das sollte mir kein zweites Mal passieren aber unverschämt will ich auch nicht werden. Andererseits, wenn der Cheff selber schon kommt, mit der Argumentation "ich verdiene zu wenig" .... muss ich mir schon ernsthaft Gedanken machen.

Ich hab seit April meine Aufgabenfelder noch etwas erweitern können, mein letztes Gespräch verlief aber eher nach dem Motto: Was stellen Sie sich denn vor!? Als ich mit meinen Leistungen argumentieren wollte, blockte mein Chef regelrecht ab, was mich wohl etwas verunsichert hat.

Verkaufen kann ich gut, mich selber verkaufen eher nicht :pfeifen: Vielleicht is ja jemand mit etwas mehr Erfahrung in solchen Situationen unter uns ^^

Besten Dank schonmal!


Tja, ich schätze mal, dein Chef wollte beim letzten Mal gar nicht unbedingt, dass du argumentierst, sondern diesen Part freundlicherweise überspringen, da er sich dessen wohl bewusst war, und einfach nur deine Forderung hören wollte. Evtl wollte er, dass du dominanter, fordernder, selbstbewusster auftrittst. Und wahrscheinlich hatte er wirklich eine höhere Forderung erwartet, und würde dir dies auch zugestehen, darauf deutet das mit der Bitte von ihm aus, explizit zum Gehaltsgespräch, hin.

Evtl kannst du uns mal so ungefähr sagen, so in Prozent, damit niemand die genauen Zahlen kennt, wieviel Erhöhung du im April verlangt und bekommen hast, und wann die letzte Erhöhung davor war.

Also sowas wie: Gehalt April 100%, nach Gespräch Gehalt 110%, letzte Erhöhung/Gespräch ist 15 Monate her. Dann kann man das evtl was besser einordnen, was drin gewesen wäre/oder noch ist

Bearbeitet von Bierle am 08.10.2013 13:14:45


Ja, sowas in der Art habe ich mir beim letzten Gespräch eben auch gedacht. Is schon ein komisches Gefühl zu wissen, mehr hätte verlangen zu können.

Ich bin jetzt gut 1,5 Jahre in diesem Betrieb und habe nach einem Jahr die Gelegenheit zu meinem ersten Gehaltsgespräch genutzt. Angefangen mit 100% und nach meinem Gespräch vor 5 Monaten eine Erhöhung von 40% bekommen.

Das war auch der Grund, warum ich eigentlich relativ zufrieden war, weil das zumindest in meiner Region schon etwas über den Tarifverträgen liegt, wobei unser Gehalt nicht an Tarifverträgen gekoppelt ist.


Übertarifliche Bezahlung ist schon mal eine gute Sache... Glückwunsch zu so einem Arbeitsplatz!

Vielleicht kannst du ja neben einer Erhöhung des Stunden- oder Monatsentgelts auch an anderen Stellen etwas für dich heraus holen: Ein oder zwei Urlaubstage mehr im Jahr schaden sicher nicht :) Oder flexible(re) Arbeitszeiten? Ein Home-Office-Tag mit entsprechender Hardware-Ausrüstung wie Laptop und Zubehör (sofern das mit deiner Tätigkeit machbar wäre)? Fahrtkostenzuschuss? Höheres Urlaubsgeld? Weihnachtsgeld? Zuschuss zu Kinderbetreuungkosten (geht für den AG steuerfrei und ist deshalb gar nicht mal so hart zu verhandeln)? Dienstfahrrad?

Wenn dein Betrieb eher mittelständisch oder klein ist, hat die Personalabteilung (oder die Person, die die Personalangelegenheiten wuppt) vielleicht nicht so viel Erfahrung mit solchen eher exotischen Entgeltkomponenten. Wenn du dann ins Blaue hinein vorschlägst, man könnte dir doch ein Dienstradl zur Verfügung stellen, wird der Vorschlag vielleicht einfach so abgelehnt weil "kenne mer net, mache mer net"... du weißt schon. Wenn du dann aber sagen kannst "Ich hatte mir überlegt, ob man nicht vielleicht über ein Dienstfahrrad sprechen könnte - ich hab hier mal gegoogelt und so könnte das aussehen und das hier sind die steuerlichen Vorteile blabla" steigert das die Chancen enorm.
Da ja von Anfang an fest stand, dass es in dem Gespräch auch ums Geld gehen wird, kommt es auch nicht komisch rüber, wenn du dich detailiert vorbereitet hast.


Danke Cambria, für die ausführliche Antwort.

Das Gespräch am Freitag wird direkt mit dem Big Boss geführt, insofern dürfte dieser über alle Angelegenheit gut informiert sein. Deine Vorschläge sind mir auch schon durch den Kopf gegangen, aber wären in meiner Situation wohl nicht so ideal.

Ein Dienstradl klingt verlockend, da ich aber einen Arbeitsweg von 2 Minuten habe und privat auch nicht sooo viel fahre, lohnt das womöglich nicht. Selbiges gilt für einen eventuellen Fahrtkostenzuschuss.
Für Kinderbetreuungskosten müsste ich erstmal Kinder in die Welt setzen :wub: Ich bin "erst" 27 und schiebe das noch ganz gerne vor mir her :sarkastisch:

Home-Office, mehr Urlaubstage oder flexiblere Arbeitszeiten möchte ich mir ehrlich gesagt nicht gönnen, da wir in unserer Abteilung nur zu zweit sind und ich weiss, was das für ein Stress für den jeweils anderen bedeutet. Das is eigentlich schon ganz ok so.

Unser Unternehmen wurde von unserem jetzigen Chef insolvent aufgekauft und unglaublich modernisiert. Das ist auch der Grund, warum derzeit weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld bezahlt wird. Angeblich ist das zwar wieder im Gespräch .... aber das hört man ja so oft^^

Wenn ich dann auch an später denke, bedeutet mehr Brutto gleichzeitig auch mehr Rente. Sofern ich dann noch Rente bekomme :labern:

Wenn ich also so drüber nachdenke, tendiere ich zu einem höherem Gehalt.
Ich habe auch schon an Provision gedacht aber ich übernehme mittlerweile so viele andere Dinge und der Verkauf rückt damit etwas in den Hintergrund.


Hallo Nyke,

dann versuche doch mal den Chef dazu zu bringen, sich nicht nur an einer privaten Altersvorsorge zu beteiligen, sondern die GANZ zu übernehmen. Musst dann nur sehen, welche.

Quasi als Betriebsrente. Ich denke, die kann er sogar steuerlich absetzen.
Und für Dich wäre das eine höhere Rente.

Gruß

Highlander


Mehr nutto vom bretto!! :-D
Viel Erfolg beim Gespräch! Lass uns mal wissen, wie es lief.


Erzähl dann mal wie es gelaufen ist! :)



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