Ist das normal und wie nennt man solche Menschen?


Hallo,

in den letzten Monaten, wenn nicht gar Jahren ist mir aufgefallen, dass ich sehr oft an alte Zeiten zurückdenke. Sehr gerne sehe ich mir Videos und Bilder von ganz früher an, manchmal nehme ich mir einfach ein altes Heft oder Buch das ich früher geschrieben habe und erinnere mich an die Zeit. Ebenfalls sehr oft geht es mir schlecht, dann hole ich einfach alte Erinnerungen heraus, stöbere darin, und mir geht es einfach gut dabei. Manchmal im Alltag freue ich mich auf abends, wenn ich dann heinkomme und mir Dinge von früher anschauen kann.

Ich bemühe mich immer, alte Sachen ausfindig zu machen: Z.B. bei alten Schulkameraden nach alten Videos zu fragen, die wir mal gedreht haben, in Jugendzentren in denen ich mal war nach Fotos zu erkundigen. Dann gibt es auch Orte, an denen ich jahrelang nicht mehr war, die ich besuche und mich zurückerinnere was ich dort alles erlebt habe. Es gibt in unserer Stadt ein Einkaufszentrum, das hat schon fast 15 Jahre geschlossen. Jetzt durfte ich mal eben kurz für ein paar Minuten rein und mir kamen Erinnerungen, da bekam ich Gänsehaut.

Gibt es einen bestimmten Ausdruck für dieses Verhalten und ist dieses Verhalten normal oder muss ich mir Gedanken machen, dass Erlebtes mir momentan mehr Freude bereiten als mein aktuelles Leben?

Freue mich auf Antworten


Das Gefühl nennt sich Nostalgie, und du bist demzufolge ein Nostalgiker. ;)
Ich würde es schon noch als normal bezeichnen, ja. Es gibt fortschrittbegeisterte Leute und Nostalgiker. Und bestimmt noch einiges dazwischen.


Bei uns sagt man auch: wer nur in Erinnerungen lebt, wird (ist) alt :pfeifen:


Zitat (Kampfente @ 12.08.2014 15:29:59)
Bei uns sagt man auch: wer nur in Erinnerungen lebt, wird (ist) alt :pfeifen:

"Wird" wohl eher, "Ist" wohl eher nicht mit 37 Jahren

Ich ertappe mich immer mehr, dass ich die früher von mir so gehassten Worte: früher war..., früher hatten wir..., oder ähnlich... jetzt selbst sehr oft benutze.

Wie habe ich die Sätze meines Großvaters gehaßt, wenn er so anfing.

Und heute...mach ich es genau so. Früher hatte ich ja auch noch keine Vergangenheit und die der anderen interessiert einen als Kind nicht. Da ist das derzeitige Leben aufregend.

Aber jetzt habe ich Vergangenheit, mit allem Drum und Dran, Erfreulichem und Ernsten.
Und ich denke oft daran, sehr oft. Auch an die weniger guten Zeiten um mich daran zu erfreuen sie überstanden zu haben und mich jetzt über bessere Angelegenheiten zu freuen.

Ich denke, es ist normal sich an früher zu erinnern. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
Obwohl ich viel an früher denken und vielleicht ein bisschen zuviel im Früher lebe, so bin ich doch ein Fortschrittsorientierter Mensch und freue mich besonders an den modernen Medien und möchte da nix "verpassen".

Ein gesundes MIttelmaß ist wohl ok. Wenn man sich allerdings nur im "Früher" einspinnt, dann kann es auch leicht zur Isolation kommen.

Bearbeitet von ursula am 13.08.2014 23:58:27


Zitat (ursula @ 13.08.2014 23:56:02)
Ich ertappe mich immer mehr, dass ich die früher von mir so gehassten Worte: früher war..., früher hatten wir..., oder ähnlich... jetzt selbst sehr oft benutze.

Wie habe ich die Sätze meines Großvaters gehaßt, wenn er so anfing.

Und heute...mach ich es genau so. Früher hatte ich ja auch noch keine Vergangenheit und die der anderen interessiert einen als Kind nicht. Da ist das derzeitige Leben aufregend.

Aber jetzt habe ich Vergangenheit, mit allem Drum und Dran, Erfreulichem und Ernsten.
Und ich denke oft daran, sehr oft. Auch an die weniger guten Zeiten um mich daran zu erfreuen sie überstanden zu haben und mich jetzt über bessere Angelegenheiten zu freuen.

Ich denke, es ist normal sich an früher zu erinnern. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
Obwohl ich viel an früher denken und vielleicht ein bisschen zuviel im Früher lebe, so bin ich doch ein Fortschrittsorientierter Mensch und freue mich besonders an den modernen Medien und möchte da nix "verpassen".

Ein gesundes MIttelmaß ist wohl ok. Wenn man sich allerdings nur im "Früher" einspinnt, dann kann es auch leicht zur Isolation kommen.

Hallo ursula,

schöner Beitrag. Du sprichst mir da aus der Seele. Auch meine Oma hat oft gesagt, früher war alles besser. Sie hat auch oft gesagt, wenn ich nur noch einmal jünger wäre. Damals habe ich mir immer gedacht, die arme Frau. Warum wohl denkt sie so! Ich bin jetzt 37 Jahre alt/jung, denke selbst so und würde gerne nochmal jung sein, mit dem Wissen und der Erfahrung von heute.

Andererseits habe ich das große Glück zu sagen, ich bin erst 37. Ich bin, wenn überhaupt, erst an der Halbzeit meines Lebens angelangt. Ich habe noch soviel vorher. Leider aber rückt meine Vergangenheit viel in den Vordergrund und irgendwie will oder besser gesagt kann ich nicht im JETZT weitermachen.

Ist irgendwie blöd zu erklären. Ich hoffe, du kannst mich da ein bißchen verstehen.

Viele Grüße

Hallo :-) ich ertappe mich auch immer öfter dabei, dass ich das Wort "früher" immer häufiger benutze....mit 39 "eigentlich" auch noch zu jung....aber ich schätze auch, dass es einfach an dieser schnelllebigen Zeit liegt.....allein der Fortschritt der Technik....macht manchmal ein Handy von gestern...zu der Technik von FRÜHER *lach*

Mein Vater sagt, wenn man soooo oft in der Vergangenheit lebt, könnte das auch Demenz sein....ich glaube, er sollte besser im Früher bleiben ;-)


Ist wohl wirklich so, dass "früher" öfter gebraucht wird,
wenn man ein gewisses Alter erreicht hat ;)

Auch in meinem Bekanntenkreis und Familie wird oft und gerne von
Früher gesprochen.
Negativ empfinde ich es nicht, solange es nicht im Sinne von
Früher war alles besser gebraucht wird.

In schönen Erinnerungen schwelgen kann sehr erheiternd sein :)


Moin danielschneider,

kann es sein, dass Du gerade eine schwierige persönliche Phase durchmachst und Dich lieber in die Vergangenheit flüchtest, statt in der Gegenwart zu leben, weil sie unbequem sein könnte?

Depri-Phasen kennt wohl jeder - mehr oder weniger. Ob dem so ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Das ist Aufgabe von Ärzten und/oder Psychologen. Was auch immer der Auslöser für Deine Grübeleien sein mag - ich kenne auch Deine übrigen Threads - vielleicht magst Du Dir professionell helfen lassen, so es nötig sein sollte.

Ich kenne für mich persönlich folgende Regeln:

(i) Es gibt keine Niederlagen, sondern nur gemachte Erfahrungen.
(ii) Hinfallen, Krone richten, weiter gehen.

Grüßle,

Egeria


Zitat (Egeria @ 15.08.2014 16:44:25)
(ii) Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehen.

:daumenhoch:

Hallo danielschneider, ich glaube nicht, dass Du Dir Sorgen machen musst! Menschen, die in harmonischen Familienverhältnissen aufgewachsen sind, denken gerne und sehr oft an "früher"!
Hast Du gerade einen nahen Angehörigen verloren, oder fühlst Du Dich sonst "verlassen"? Du musst es ja nicht öffentlich beantworten, sondern nur für Dich alleine.

Ich fühlte mich geborgen und geliebt als Kind und Jugendliche. Seit meine Mutter nicht mehr da ist, sind diese Gedanken schon da, wenn ich nur an ihrem Bild vorbei gehen.

Glaub mir, es wird wieder besser! Das sind Phasen im Leben, die hat (glaub ich) Jeder mal! Allerdings, wenn Du merkst, dass Du aus diesen Gedanken nicht mehr raus willst, solltest Du Dir Hilfe suchen. Ich denke nicht, dass es eine schlimme Krankheit ist, sonder eine Depression. Geh zum Arzt und lass Dich beraten. Vielleicht kann Dir schon ein homöopathisches Mittel weiter helfen!

Alles Gute Dir und LG bibiblox


Du bist nicht alleine, das nennt man Nostalgie, und dazu braucht es halt ein gewisses Alter ;) .

Wart mal ab, was du erst mit 60 Jahren alles wieder hervor holst aus deinen Erinnerungen.

Ich hatte eine schöne Kindheit und Jugend, und daran erinnere ich mich mich immer wieder gerne.

Besonders oft zurückerinnert und mich auch zurückgewünscht an und in diese damalige Geborgenheit habe ich mich in Zeiten, wo es mir mal nicht so gut ging.

Das gab mir aber auch Kraft, um mich wieder aufzurappeln und weiter zu machen, und immer wieder ging es aufwärts und das Leben wurde wieder schön und lebenswert.

Heute versenke ich mich ab und zu sehr gern in Erinnerungen an meine verstorbene Tochter, das ist natürlich immer mit einer gewissen Traurigkeit und Sehnsucht nach der damaligen Zeit verbunden. Aber das darf so sein, ich will sie ja nicht vergessen.

Du siehst also, sich zu erinnern, ist nichts Schlechtes, es kann sehr schön und hilfreich sein, und je älter man wird, desto mehr Erinnerungswertes hat man ja auch erlebt.

Aber auch nicht so gute Erfahrungen sind es wert, dass man sie nicht ganz vergisst. Manche bewahren einen davor, dass man einmal gemachte Fehler wiederholt, ja auch nicht schlecht, oder?

Und natürlich gibt es auch Dinge, die man am Liebsten vergessen möchte, die aber trotzdem immer mal wieder auftauchen in unseren Köpfen. Da denke ich dann immer, dass auch diese Erinnerungen bzw. Erfahrungen zu mir gehören und mich letztlich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin, und mit dem ich im Moment ziemlich zufrieden bin ;).

Ich denke aber schon, wenn die Erinnerungen die Oberhand gewinnen und einen am Leben im Hier und Jetzt hindern, dann muss man mal in sich gehen und hinterfragen, was da gerade abläuft im Leben. Da soll man dann auch nicht zögern, Hilfe zu suchen. Reden mit der Familie, mit Freunden oder aber mit professionellen Therapeuten.

Edit: Auch an einen Arztbesuch denken, es könnte auch eine Depression dahinter stecken, und die ist heute gut behandelbar.

Bearbeitet von Tilla am 15.10.2014 12:55:28



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