Lehre mit 40?


Hallo allerseits! Seit ein paar Monaten überlegt meine Schwester jetzt schon, eine Lehre anzufangen.
Sie ist 40 und möchte jetzt noch einmal neu anfangen - etwas in Richtung Handwerk sagt sie, mit direktem bezug zu ihrer Arbeit... Wir reden sehr viel darüber und ich bin ein bisschen skeptisch...

Ich suche jetzt schon länger nach Infos oder Betrieben, die nicht nur Jugendliche als Lehrlinge einstellen. Ich hab aber niemanden gefunden, der schon Erfahrungen in der Richtung gemacht hat.
Kennt ihr jemanden der in diesem Alter eine Lehre gemacht hat, so als Quereinsteiger, oder hat hier jemand es auch selbst so gemacht? Und worauf sollte man denn bei einem Lehrbetrieb so achten, außer Gehalt? Besser eine große Kette, ein kleiner Betrieb? Was meint ihr?


Ich weiß das die Möglichkeit definitiv besteht da wir in der Ausbildung auch 4 Leute hatten die schon älter waren , davon war die älteste 34

Zu beachten ist dabei nichts besonderes...

Aber vllt wäre auch einfach nur eine Umschulung eine Möglichkeit ;)

Lasst euch da mal beim berufsberater beraten , der kann euch alle fragen beantworten


Wir haben in unserer Firma z.Zt. einen Azubi, der auch schon 37 Jahre alt ist. Es ist seine zweite Ausbildung, da er auch lieber etwas handwerkliches machen wollte.

Wie Tatti schon schrieb, würde ich mal eine Berufsberatung aufsuchen und mich dort beraten lassen.


Als ich damals meine Ausbildung begonnen habe, war in meiner Berufschulklasse auch ein 37jähriger Ex-Sportler, der nun etwas 'richtiges' lernen musste, weil er seinen Sport nicht mehr ausüben konnte.


Es ist sicher nicht dee Normalfall, aber es ist auch nicht total exotisch, wie du siehst.

Häufiger kommt in diesem Alter wohl doe Umschulung vor, bei der man aif eine alte Ausbildung aufsatteln kann und die dann meistens bei Bildungsträgern gemacht wird als in der Berufsschule.


Als ich meine Ausbildung begann und den ersten Tag in der Berufsschule aufschlug, stand da eine Dame so Mitte 30 und ich stellte mich ganz freundlich vor: Hallo, ich bin Eifelgold, bin ich hier richtig bei den medizinischen Fachangestellten? Sie sind dann sicherlich meine Lehrerin?!

Die Dame: Nein, ich bin xy, ich bin im ersten Lehrjahr genau wie du.

Nu mach dir mal keine Sorgen: wenn deine Schwester nun überlegt, ne Ausbildung zu machen, dann ist das ein verdammt gutes Zeichen.
Sie ist nicht die Erste und sicherlich nicht auch die Letzte, die dieses Wagniss eingeht.

Gönn ihr dieses junge Gefühl, gönn ihr, dass sie jetzt noch was aus ihrem Berufsleben machen möchte.
Sei froh, wenn ein Lehrherr sie einstellt.

Wenn dem so ist, kann sie doch so doof, untallentiert und unattraktiv gar nicht sein.

Und überlege weiter: Ein Mensch in dem Alter deiner Schwester hat schon eine gewisse Lebenserfahrung. Warum soll sie dieses in ihrem neuen Berufszweig nicht einbringen können?

Gönne deiner Schwester den zweiten neuen Bildungsweg. Unterstütze sie, dann wird alles gut.

Hier kann ich mal wieder nur für mich reden: ich bin so knapp nur ein paar Monde älter wie deine Schwester, und ich habe drei abgeschlossene Berufsausbildungen.

Ich bereue keine Einzige, außer die Eine, die ich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Egal welcher Job gerade angeboten wird, es gibt immer mindestens drei Bereiche, die ich abdecken kann.

Ich weiß nicht wo dein Problem ist. Bist du nicht damit einverstanden, dass deine Schwester in ihren jungen Jahren noch Ziele hat? Bist du nicht zufrieden, dass sie weiter kommen will?

Ich sehe das Problem nicht bei deiner Schwester, ich sehe mehr das Problem bei dir.
Tut mir leid, wenn ich dir nun auf die Füße trete, aber kann es sein, dass du deiner Schwester ihr Fortkommen nicht gönnst?

Beneidest du diese gar um ihren Willen?

In meinen Augen macht deine Schwester alles Richtig.
Sie geht ihren Weg, den sie gehen will oder möchte.

Und um deine Frage zu beantworten: Um in diesem Alter noch ne Ausbildung zu machen, da beruft man sich meist auf Vitamin B. Ansonsten kann ich nur raten, in der Umgebung den Fokus auf alteingesessene Werkstätten zu bringen.

Sicherlich gibbet da auch die eine oder andere Intenetseite, aber da ihr ja so duselig nicht seid, habt ihr das schon längst ermittelt.

Für deine Schwester wünsche ich ihr alles Gute, viel Glück, ne tolle Zeit in der neuen Lehre.

Sie wird ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt.


Handwerksbetriebe suchen verzweifelt Nachwuchs, der das Handwerk versteht und so fix in der Birne ist, dass er/sie als Nachfolger in leitender Position taugt. Durch den elenden Trend, dass jeder mit 3 gramm Hirngewicht uuuuunbedingt studieren muss, fehlen Werkstattleiter, Inhabernachfolger und sonstiges Führungspersonal.
Die Chancen simd günstig, auch für Lehrlinge mit "bunten" Bildungskarrieren.


Ich habe sogar schon von Chefs gehört die ältere bevorzugen da diese eben schon mehr Lebenserfahrung haben und es in der Regel auch viel ernster nehmen als die Schulabgänger weil sie es manchm als letzte Chance für eine neue Ausbildung sehen...

Aber kleiner Tipp dazu:

Sie soll sich vorher schon was zum lernen raus suchen denn unsere älteste azubine im Landkreis kam in der Schule manchmal nicht hinterher und sagte immer das es daran liegt das sie ewig nicht mehr in der Schule war... Das mochten die Lehrer garnicht das sie schlechte Leistungen ständig so begründete ...

Wünsche deiner Schwester auf jeden fall viel Erfolg ;)


Zitat (Tatti94 @ 04.09.2014 17:52:49)
Aber vllt wäre auch einfach nur eine Umschulung eine Möglichkeit ;)

der unterschied zwischen ausbildung und umschulung ist nur, dass bei der umschulung ein vorberuf oder zumindest eine angefangene ausbildung vorhanden ist...

an sich spricht doch nichts dagegen, mit 40 noch eine solche zu machen. ich arbeite in der beruflichen reha, da ist das keine seltenheit (bei uns v.a. umschulung aus gesundheitlichen gründen). was macht deine schwester denn aktuell? du erwähntest, sie möchte etwas lernen, das sie mit ihrer arbeit verknüpfen kann. vllt hat hier ja jemand eine konkretere idee, wenn du verrätst, was sie jetzt tut.

Ich finde es immer gut, auch im forgeschrittenen Alter noch etwas lernen zu wollen - sofern man/frau nicht von der Ausbildungsvergütung leben muß. :)


Es handelte sich zwar nicht um eine Lehre im üblichen Sinn, aber ich habe in der Altenpflegeausbildung schon Frauen von 50+ erlebt - denen das Arbeitsamt die Ausbildung/Umschulung bezahlte.

Frederica, das passt schon zum "lebenslangen Lernen" wie so oft empfohlen wird.
Ich sehe deine Bedenken nicht so negativ wie @Eifelgold, habe eher den Eindruck,dass du Wege suchst, wie das umzusetzen wäre. (Eifelgold wird ihre Gründe haben, so zu reagieren)

Leider muss ich passen, was deine Fragen betrifft. Du fragst, ob eher große oder kleinere Betriebe da besser wären. Nun, ich denke, das kommt ganz auf die Personen an, mit denen deine Schwester zu tun haben würde.
Was mir auch fehlt: Was hat sie bisher gemacht, in welcher Richtung sucht sie? Lebt ihr in städtischer oder eher ländlicher Umgebung (das ist schon wichtig wegen der Möglichkeiten)?

Es wurde schon geraten, zur Berufsberatung zu gehen; das empfehle ich auch.

Ich würde gerne mit euch - dir und deiner Schwester - weiter überlegen, aber da brauchts wirklich konkretere Angaben.

Die Einlassung von @viertelvorsieben, dass das Finanzielle auch wichtigist, unterschreibe ich auch.


Hallo,

ich finde die Idee Deiner Schwester super und mutig. Jetzt ist sie noch jung genug, um ihrem Leben eine neue Rcihtung zu geben. Sonst bereut sie die vertane Gelegenheit sicherlich später.

Viele Grüße!


Schön, dass sich so viele von euch melden!
@Eifelgold: Ich glaube Du hast mich falsch verstanden :) Ich will meiner Schwester helfen, was gutes zu finden, nicht sie aufhalten. Wir sind vom Alter nicht so weit auseinander, trotzdem hab ich sie immer bemuttert. (Und sie mich auch, so nebenbei) :D. Dahlie hat recht, ich will schauen, wie ich ihr helfen kann. Selber habe ich ja keine Erfahrungen mit Lehre....

Also, wegen näherer Info: Wir leben beide in Wien. An Betrieben sollte es also nicht mangeln.
Haben inzwischen auch schon einige durchgesehen... es gibt natürlich Supermärkte und so, die auch gar nicht schlecht zahlen, aber das ist eher nichts für sie....

Wir schauen eh weiter. Ich bin aber für jeden Tip dankbar!


Hut ab vor diesem Schritt und viel Erfolg !


Also ich finde das völlig normal. Warum soll man denn nicht mit 40 (oder 50) was neues anfangen? Man geht doch erst mit 60+ in Rente, das sind dann über 20 Jahre im neuen Beruf. Das einzige was einen daran hindert flexibel durchs Leben zu gehen sind NUR die üblichen gesellschaftlichen Vorurteile.

Also muss man sich doppelt reinhängen: Kritischer Blick in den Spiegel und sich optisch und mental auf Vordermann bringen – Outfit modern? Gewicht? Positive Ausstrahlung! Sich viel Zeit für die Unterlagen nehmen – evtl. 1 Seite mit einem Kurzprofil oder durch Formulierungen versuchen einen roten Faden in den Lebenslauf zu bringen – der andere will den "Neuanfang" verstehen. Natürlich das Anschreiben individuell formulieren. Kurz: Werbung in eigener Sache.

Mein Tipp: Sich überlegen was man selber gerne möchte. Dein Leben gehört dir und du möchtest was besseres draus machen! Es gibt keinen Grund jahrelang irgendwo rumzudümpeln nur weil man angeblich "zu alt" ist – ab wann eigentlich? Wird man dann schlagartig zum Zombie oder was? Die Forschung bestätigt derzeit was ich aus eigener Erfahrung schon längst weiß: Das Gehirn ist flexibel und kann jederzeit wieder trainiert werden. Ich selber kann heute besser lernen und neue Inhalte aufnehmen als vor 15 Jahren, wo ich – durch eine Umschulung – wieder mit lernen begonnen hatte. Damals kam mir mein Kopf wie ein Sieb vor ;-)

Also, viel Erfolg!


Moin, moin aus dem Norden!

Ich bin jetzt 57 und habe gerade eine dreijährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin
(oh, diese Wort! Lieber: "Heilerzieherin") mit guten Noten abgeschlossen.
Es handelt sich hierbei um die Arbeit mit Menschen mit geistigen Behinderungen.
Davor hatte ich einen auf 2 Jahre begrenzten Job als Integrationshilfe, ich habe einen jungen Mann mit einer schweren, fortschreitenden geistigen Erkrankung 1:1 seinen Schultag hindurch betreut.
(1:1 = 1 Klient : 1 Betreuer)
Weil aber die Bezahlung dafür nicht als Lebensunterhalt ausreicht, habe ich mich zur Ausbildung an der Schule für Heilerziehung in HH-Alsterdorf entschlossen.
Ich hatte mich gut umgehört und mit etlichen Leuten aus der Branche gesprochen und mir wurde versichert, dass ich trotz meines "fortgeschrittenen Alters" später einen Job finden würde.
Das stimmt auch, ich habe sofort nach der Ausbildung eine Arbeit gefunden.
Viele meiner Mitschüler haben bereits während der Ausbildung gejobbt und sind nach dem Abschluss übernommen worden.
Mir wäre es zuviel gewesen, neben der Schule noch zu arbeiten. Meine finanziellen Umstände erlaubten es mir glücklicherweise, ohne Nebenjob auszukommen.

Diese erneuten 3 Schuljahre waren eine unglaublich tolle Erfahrung für mich!
Natürlich waren die allermeisten meiner Mitschüler jünger als meine eigenen Kinder, bei Ausbildungsbeginn zwischen Anfang bis Mitte 20 etwa und einer war 35.
Und natürlich haben die alle erstmal komisch geguckt. Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass ich eine von ihnen sein möchte und auf keinen Fall eine Art "Klassenmutti" und mich auch nicht zur Klassensprecherin wählen lassen würde.
Das hat geklappt! Nach kurzer Zeit war ich vollkommen akzeptiert und integriert.
Natürlich muss man als Ältere zuerst mal lernen, die Klappe zu halten und nicht zu allem seine Meinung 'rauszuposaunen.
(Ich hatte dann immer "meinen (geistigen) Bildschirmschoner" an, wenn es um Themen ging, von denen ich sozusagen nichts verstand. Musik zB. oder Wochenend- und Urlaubsgestaltung, Tatoos, Beziehungen uvm.)
Schließlich sind das alles junge Leute und jeder von uns Älteren sollte sich noch gut daran erinnern, wie doof wir es früher fanden, wenn die Alten uns ständig 'reingequatscht haben.
Der Klassenalltag versetzte mich quasi in meine Zeit in der 8. oder 9. Klasse zurück - es fühlte sich genauso an! Schnell fand sich eine Klassengemeinschaft und genauso schnell auch dieses Gefühl: "wir gegen die Lehrer"! Wobei das hier natürlich nicht ganz so krass war wie damals, aber durchaus vorhanden. Will sagen, dass die Lehrer durchaus kritisch betrachtet wurden und es eine ganze Menge Diskussionen mit ihnen gab. Sehr lebendig und temperamentvoll das Ganze.
Irgendwann kam dann eine Art Bruch, Freundschaften flogen leidenschaftlich auseinander, andere bildeten sich, Tränen flossen... und irgendwann gab es dann wieder eine Art Klassengemeinschaft, wenn auch eine andere.
Als großes Glück empfand ich den Umstand, dass meine Klasse je zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt war, so gab es nicht diesen unerträglichen Zickenkrieg, den unsere Parallelklassen zT. auszuhalten hatten, in denen sich gar keine oder nur sehr wenige männliche Wesen befanden.
Ja, und dann war da natürlich noch das Lernen, dass ich wieder lernen musste! Hausarbeiten schreiben, Gruppenarbeiten, teils in Heimarbeit, Vorträge ausarbeiten und halten, Klausuren und am Ende die großen (5-stündigen) Examensklausuren.
Das war eine echte Herausforderung! Aber die habe ich angenommen und bin von Anfang an in allen Fächern fleißig "dran" geblieben. Ich wollte auf gar keinen Fall sowas wie einen "Altersbonuns" haben! Es finden sich ganz automatisch Situationen und Gelegenheiten, sein eigenes, durch das Plus an Jahren vorhandene, größere Allgemeinwissen (vorsichtig!) anzubringen.
Man findet in so einer Situation schnell heraus, wer richtig arbeiten will und wer schlunzt. Und bei uns haben sich dann ziemlich sofort gute Arbeitsgemeinschaften gebildet, die sich auch gegenseitig unterstützt haben, wenn es nötig war.
Wir hatten eine geschlossene Gruppe bei Facebook, mit der der schnelle Informationsaustausch super funktioniert hat, wir wohnen zT. sehr weit auseinander und für die Facharbeit im 5. Semester habe ich mit meinem Mitautoren zusammen die Dropbox genutzt, sodass wir uns zum Schreiben nicht mal treffen mussten. (Auch) Was die Technik anbelangt habe ich von meinen jungen Klassenkameraden eine ganze Menge gelernt.
Voraussetzung für so ein "Abenteuer" ist natürlich, dass man bereit ist, sich zu öffnen und mitzumachen, ohne sich über die Jüngeren stellen zu wollen.
Ich möchte diese Erfahrung um nichts in der Welt missen!

Vielleicht macht mein kleiner Bericht einigen ja Mut?

Liebe Grüße aus Hamburg von Aitse und Pier!


@libelle22:
ab 40 gehörst Du auf dem Arbeitsmarkt zum alten Eisen,habe es selber leidvoll erfahren müssen.
Junges Gemüse bis 25-26 Jahren hat die besten Chancen,eine Arbeit zu finden......ist leider so.
Wenn die Schwester der Fragestellerin (hab den Namen vergessen) mit 40 noch eine Lehre machen möchte und auch einen Betrieb findet,sollte sie als Bedingung beachten,dass sie nach erfolgter,bestandener Prüfung/en übernommen wird.
LG


@schnuff

klar, das ist so, aber kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen! Bedingungen die unüblich sind würde ich lieber nicht stellen. Garantie auf Übernahme? Das würde mich als Arbeitgeber eher vergraulen – weiß ja noch gar nicht wen ich mir da ins Boot hole. Das würde die Chancen wohl eher verschlechtern.

Außerdem, falls sie nicht übernommen werden sollte, hat sie aber immerhin die Ausbildung schon absolviert und kann sich im neuen Beruf normal bewerben, das ist der nächste Schritt. Dann hat sie evtl. auch gute Noten, schon etwas Berufserfahrung, kann aufzählen was sie schon gemacht hat, evtl. spezielle Kenntnisse erworben oder erkannt welche speziellen Fähigkeiten dazu gekommen sind usw.

Leider Gottes gibt es hier keine Gerechtigkeit, es gibt aber jede Menge Vorurteile. Man DARF daher nicht resignieren und muß sich solche Gedanken verbieten – sonst wird das nichts. Lieber an der eigenen positiven Einstellung arbeiten, damit meine ich auch "arbeiten" und etwas Pioniergeist entwickeln.

Bearbeitet von libelle22 am 07.09.2014 15:35:10


libelle22 : dann wünsche ich Deiner Schwester,dass sie nach abgeschlossener Lehre gleich eine Anstellung findet...........
Ich wurde mit 49 entlassen,hatte 2 Jahre Hartz4 hinter mir,bevor ich durch viel Glück eine Arbeit auf 400 € bekam : Habe jeden Tag 8 Std. (Montag - Samstag ) gearbeitet,bekam dafür 285 € und durfte davon 100 € behalten,der Rest wurde mir angerechnet.......Durch ganz viel Glück wurde daraus ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
Darum kannst Du mir wirklich glauben: Ab 40 zählst Du zum alten Eisen.
In den zwei Jahren habe ich alles abgegrast und habe mich von mir aus beworben,wo ich die Chance glaubte,sie würden mich nehmen.Wenn Du erst mal Hartz 4 bekommst,hast Du einen Stempel weg.

Jetzt nicht erschrecken,vielleicht hat ja Deine Schwester mehr Glück,ich wünsche es Ihr auf alle Fälle und drücke auch die Daumen - ehrlich.
LG


Von der "anderen Seite her" kann ich nur bestätigen, was Pier und Aitse schrieb (ich erwähnte das oben schon): Auch Ältere haben eine Chance - nicht unbedingt als Bauarbeiter o. ä., aber gerade in vielen sozialen Berufen kann Ältersein eher ein Plus sein - wenn man sich auf die Situation einstellt und nicht die größere Lebenserfahrung immer rausstellt. So wie P.undA. das beschrieb, ist das die beste Einstellung dazu.
Und das neue "Schülersein" im eigentlich fortgeschrittenen Alter haben praktisch alle die ich erlebte als große Bereicherung empfunden.

Eine Freundin (49) meiner Tochter hat auch gerade eine Ausbildung in der Heilerzieungsbranche abgeschlossen - und konnte sofort zwischen zwei Stellen wählen.



Btw: Ich selbst habe nach jahrelanger Hausfrauentätigkeit, zwar mit Zittern und Zagen, aber trotzdem, mit 38 ein Studium angefangen, erfolgreich abgeschlossen und anschließend (mit 45) noch eine gute Berufslaufbahn angefangen. (Ich hatte nach den Prüfungen noch für ein Jahr ein Auslandsstipendium bekommen.)
Und kann bestätigen, dass das fast wie eine Verjüngungskur gewirkt hat.
:)


Schnuff, eine Bemerkung zu Deinen Ausführungen:

Harz IV kennt man in Wien glaube ich nicht und auch dürfte der ganze Arbeitsmarkt in Österreich etwas anders aussehen.

Gruß

Highlander


Zitat (Frederica @ 05.09.2014 12:17:38)

Also, wegen näherer Info: Wir leben beide in Wien. An Betrieben sollte es also nicht mangeln.
Haben inzwischen auch schon einige durchgesehen... es gibt natürlich Supermärkte und so, die auch gar nicht schlecht zahlen, aber das ist eher nichts für sie....

Wir schauen eh weiter. Ich bin aber für jeden Tip dankbar!


Also erst mal muss ich sagen: Ich finde es echt toll, dass du deiner Schwester unter die Arme greifen willst! ;)
Da ich auch aus Wien komme und mit meiner Tochter gerade nach einer Lehrstelle im Einzelhandel suche, kann ich dir vielleicht sogar helfen...
Meine Tochter hat sich nämlich nicht nur in Supermärkten beworben, sondern auch bei größeren Bäckereifilialen (z.B. Ströck, der Mann, Anker) und bei ihrem Vorstellungsgespräch bei Anker wurde ihr erzählt, dass es dort auch ein Lehrstellenangebot gibt, das speziell für Ältere gemacht ist ;) Ich habe davon selbst noch nie was gehört, aber wir waren beide total fasziniert davon, dass es so etwas überhaupt gibt. Da können eben Menschen in höherem Alter (also auch 40) zu ziemlich guten Konditionen noch einmal eine Lehre beginnen ;) Vielleicht wäre das ja auch etwas für deine Schwester? Ihr solltet euch das auf jeden fall mal durchsehen :)
Ich hoffe ich konnte dir damit irgendwie helfen und wünsche deiner Schwester alles Gute ;)

Bearbeitet von AlteHäsin am 08.09.2014 15:59:26

@schnuff

ja da stimme ich dir zu, das ist wirklich sehr bitter und mit Sicherheit kein Einzelfall! Dennoch hast du es auch geschafft und wie wir hier sehen schaffen andere das auch – und wie gesagt, gerecht ist das absolut nicht...

Das in sozialen Berufen (speziell Pflegekräfte) Ältere noch ganz gut unterkommen ist in meinen Augen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Immerhin sind das Berufe die sehr schlecht bezahlt werden und unattraktive Arbeitszeiten haben – daher herrscht hier ja auch ein Mangel. Und was ist mit den gut bezahlten attraktiven Jobs? Ich finde es erbärmlich dass man gerade ältere Frauen in erster Linie an Supermarktkassen oder als Bäckereiverkäuferinnen wiederfindet – alles nicht gut bezahlt.

In den schicken Agenturen und Glaspalästen wo Unsummen an Gehältern bezahlt werden und/oder zumindest der Job ein super Image hat – ja da sieht man leider nirgendwo ältere Damen, auch nicht am Empfang (alle unter 30).

An was das liegt? Klar, an einer ehemals schlechteren Ausbildung, an Mutterpausen – aber ganz sicher auch daran, dass in den Köpfen der Allgemeinheit (und dazu gehört jeder) Menschen ab Alter X schlicht ausgeblendet werden.


Zitat (Highlander @ 08.09.2014 10:31:57)
Schnuff, eine Bemerkung zu Deinen Ausführungen:

Harz IV kennt man in Wien glaube ich nicht und auch dürfte der ganze Arbeitsmarkt in Österreich etwas anders aussehen.

Gruß

Highlander

Stimmt,das hatte ich vergessen.Hartz 4 ist eine "Erfindung" aus Deutschland.Was bekommen denn dort die Arbeitslosen an Gelder?Noch Arbeitslosengeld und anschließend Sozialhilfe?
Das hätten sie hier auch so lassen sollen,aber uns fragt ja keiner.
Liebe Grüße :rolleyes:

liebelle 22 : :D

das ganze System hier krankt.Einerseits sieht man wirklich nur junge Leute ( wo man aber auch froh sein muss,dass sie hier überhaupt Arbeit gefunden haben),anderseits wird geklagt über Fachkräftemangel.
Teilweise wird in einigen wenigen Betrieben den angehenden Rentnern frei gestellt,wann sie in den Ruhestand gehen wollen.Man hat doch gemerkt,dass der ältere Mensch mehr Wissen weiter geben kann,als vielleicht die beste Schule.....
Ich weiß nicht,wie es noch weiter gehen soll mit der Wirtschaft.

Bei Deinen Ausführungen habe ich so eine leise Abneigung gegen Kassiererinnen an der Kasse bei Dir bemerkt........sicher,der Lohn könnte mehr sein,wenn man bedenkt,was da so alles dran hängt.Der Kunde sieht die Dame oder Herr "nur" an der Kasse sitzen.
Das ist mein Traumberuf !! Ich kanns nicht ändern,ist so.Ich freue mich über jeden Kunden,der zu mir an die Kasse kommt.Egal,ob er/sie schlechte Laune hat oder nicht.Ich schalte auf Durchzug und gut ist......Hab das schon mal hier geschrieben,ich lächele noch,wenn es kurz vor 22 Uhr ist.
Deswegen hatte ich ja auch den Aushilfsjob angenommen mit der miesen Bezahlung.....
Ich weiß,viele können mich jetzt gar nicht verstehen,damit muss ich leben.

liebe Grüße :D


@schnuff

Hihi, das ist witzig – dachte im Traum nicht dran dass du Kassiererin bist, und auch oben im Kommentar von @AlteHäsin von wegen Bäckereiverkäuferin... reiner Zufall. Nein, ich habe dagegen überhaupt nichts und auch keine Abneigung. Natürlich kann das angenehm sein und Spass machen, je nachdem wo man arbeitet und wie die Kunden so sind. Viele Leute fühlen sich ja auch für soziale Bereiche berufen und sind dort sehr engagiert ...

.. Ich wollte einfach nur sagen, dass in den hochbezahlten Gefilden sehr wenig Verständnis für ältere Mitarbeiter herrscht.

Und ich gebe dir vollkommen recht, der sogenannte Fachkräftemangel könnte evtl. durch innovativere und flexiblere Denkweisen sicher ganz anders aussehen. Wie wir hier ja schon mehrfach gehört haben, macht es älteren Semestern sogar richtig Spass nochmal Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln! Man sollte evtl. auch gar nicht zu sehr nur nach Berufsbezeichnungen gehen, sondern auch genau hinschauen welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Leute aus früheren Berufstätigkeiten mitbringen – vielleicht reichen kleinere "Lückenfüller" an neuen Kenntnissen und schon kann man sich sehr gut neu einarbeiten.

aber leider leider ist man hierzulande nicht sonderlich innovativ ;-)


Lieber Schnuff, gratuliere Dir, dass Du in Deinem Traumberuf arbeitest und wünsche Dir weiterhin Freude daran. :)

Zitat
Das ist mein Traumberuf !! Ich kanns nicht ändern,ist so.Ich freue mich über jeden Kunden,der zu mir an die Kasse kommt.Egal,ob er/sie schlechte Laune hat oder nicht.Ich schalte auf Durchzug und gut ist......Hab das schon mal hier geschrieben,ich lächele noch,wenn es kurz vor 22 Uhr ist. Deswegen hatte ich ja auch den Aushilfsjob angenommen mit der miesen Bezahlung..... Ich weiß,viele können mich jetzt gar nicht verstehen,damit muss ich leben.


Also ich bewundere Dich für Deinen Einsatz und das Durchhalten unter den Hartz-4-Bedingungen. Im Grunde empfinde ich es als ungerecht, von schlechter Bezahlung so engagierten Menschen noch etwas wegzunehmen, wie es die Verwaltung bei Hartz-IV muss.

Das hätte ich nicht ausgehalten, so lange für so wenig Geld zu arbeiten, alle Achtung von mir. :blumen: ,

@Bebi : :D

das mit Hartz 4 war für ein Jahr,hatte einen befristeten Arbeitsvertrag mit 20 Wochenstunden,eigentlich.......Wenn Du ausrechnest,Montag bis Samstag,ab und zu doch mal einen freien Tag,jeden Tag 8 Std. , da kannst Du in etwa erahnen,wie viele Überstunden sich da angesammelt haben.Die Ü - Std. werden aber in der Regel nicht bezahlt,das sind so genannte freiwillige Stunden - lt.Geschäftsleitung.Aber nicht mit mir!Ich hab sie mir von der Marktleiterin nettigerweise unterschreiben lassen dürfen. ;)

Übrigens,ich bin weiblich.... ;)
Sie hatte auch dafür gesorgt,dass ich Festangestellt wurde - durch einen Trick : Am 31.12. endete die Befristung.Auch durch wiederholtes Nachfragen wegen Verlängerung - keine Antwort.
Sie hatte mich aber für den 02.01. weiter eingeplant,ich musste in eine andere Filiale zum aushelfen...dadurch war ich automatisch festangestellt.
Es gibt doch noch liebe und nette Vorgesetzte. :rolleyes:

Dir noch einen schönen Tag. :blumen:

liebe Grüße
Schnuff


Liebe :blumen: :blumen: :blumen: Schnuff ,

danke für den Hinweis und entschuldige bitte, dass ich Dich für männlich gehalten habe. Vielleicht, weil Du mir bei Nachis Schnappis aufgefallen bist.

Zitat
Übrigens,ich bin weiblich.... wink.gif Sie hatte auch dafür gesorgt,dass ich Festangestellt wurde - durch einen Trick : Am 31.12. endete die Befristung.Auch durch wiederholtes Nachfragen wegen Verlängerung - keine Antwort. Sie hatte mich aber für den 02.01. weiter eingeplant,ich musste in eine andere Filiale zum aushelfen...dadurch war ich automatisch festangestellt. Es gibt doch noch liebe und nette Vorgesetzte. rolleyes.gif


Schön, dass sie Dich unterstützen konnte, wollte und das riskiert hat.
Wenn ich da an die Schlecker-Frauen denke ... und was möglicherweise jetzt bei Karstadt bevorsteht...

Liebe Schnuff, weiter wünsche ich Dir viel Freude mit deiner Arbeit und auch eine schöne Woche
Beby :blumen: .

Hallo Beby,
ich wünsche Dir auch alles gute für die Woche.
Man darf nicht daran denken,was den Karstadt Mitarbeitern noch bevorstehen kann.Manchmal hilft die Ver.di,aber leider nicht immer.
Liebe Grüße
Schnuff


Zitat (Schnuff @ 10.09.2014 13:42:01)
Man darf nicht daran denken,was den Karstadt Mitarbeitern noch bevorstehen kann.

Ja, das wird wirklich bitter.

Gestern bei frontal21 einen Beitrag gesehen, das schlägt den Fass den Boden aus.

Der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit prangert wiederholte Arbeitszeitverträge an. Sehr scheinheilig, mM nach.

Jetzt haben sie (natürlich nicht die BfA, sondern TV und Presse usw.) nachgewiesen, dass die Bundesargentur fleißig mitmischt.
Eine Frau hat seit 1993 nur Arbeitszeitverträge bei der Arbeitsagentur. 18 Stück die sich nahtlos aneinanderreihen. Und damit es nicht auffällt muss sie und viele andere, unter anderen, in verschiedenen Städten arbeiten. Die Weisung käme von oben.

Der oberste Chef Frank-Jürgen Weise und sein Vorstand Heinrich Alt, wüßten angeblich von nichts. Das mag glauben, wer will. Immerhin sind es mehr als 1000 Fälle.
frontal21

Bearbeitet von Rumburak am 10.09.2014 14:19:08

Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten! Ihr seid richtig motivierend!
@AlteHäsin: Danke für den Tip! Bei Anker möchte sie es jetzt eh gerne versuchen.
Das schauen wir uns sicher an!

@Schnuff: Hartz 4 sagt uns in Österreich natürlich auch etwas, aber etwas vergleichbares haben wir eigentlich nicht. Nicht mit dem schlechten Ruf.... Hier gibt es Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Mindestsicherung. Ich kenne mich hier aber selbst nicht so gut aus. Die Mindestsicherung ist auch noch ziemlich neu. Deine Arbeitseinstellung finde ich ganz toll!


Rumburak : :blumen:
vielen Dank für den Link für Frontal 21.Die fassen auch gerne "heiße Eisen" an.Damals,als Netto in unserer Region 4 Filialen über Nacht geschlossen hat,haben sie auch darüber berichtet - "meine" Filiale war auch betroffen.Wir konnten nichts machen.Samstag "Betriebsversammlung",Montag war die Filiale zu.......ganz klasse für die Kunden,die von nichts was wußten.
Der Grund: vielleicht hat Netto Angst vor der Ver.di ? Es hatten Betriebsratmitglieder dort gearbeitet,die sich selber gewählt hatten - Netto hatte keinen Zugriff auf sie.

Frederika : :blumen:
seid froh,dass Ihr nicht auch dieses Hartz 4 habt,bei uns ist es soweit fast wie eine Bedrohung (ob das gewollt wird?).Es gibt bei facebook ein extra Forum darüber.Erschrick aber nicht,wenn Du da lesen solltest.Ich kann die Berichte aber auch nicht so recht glauben.

Ja,ich arbeite sehr gerne,brauche den Kontakt zu Menschen.....danke für die netten Worte.

liebe Grüße

Bearbeitet von Schnuff am 10.09.2014 16:26:29


also in meinem direkten Umfeld hat eine Dame mit 50 eine Ausbildung angefangen und ist jetzt gerade fertig geworden. Gute Noten hat sie auch gehabt. Wenn man bedenkt, dass man mit 40 Jahren in der Regel noch über 20, wenn nicht sogar 25-27 Jahre arbeiten muss, finde ich es völlig legitim sich etwas neues zu suchen.



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