Kochkiste / Garkiste - hat jemand Erfahrung damit?


Hallo Ihr Lieben,

ich bin vor einiger Zeit auf einen Bericht über die Kochkisten gestoßen, die wohl in Nachkriegszeiten von den meisten Leuten genutzt wurden. Ich finde die Idee super, da nicht nur Ernergie- und damit Geldsparend, sondern auch zeitsparend, da ich nicht ständig nach dem Essen schauen und umrühren muß.

Nun hatte ich die Idee eine dieser dicken Styroporboxen von der Arbeit mitzunehmen, worin wir normalerweise unsere Kühlware zu den Kunden transportieren. Ich meine, was kühl hält hält ja auch warm. Da dann den Topf z.B. mit dem vorbereiteten Gulasch rein und fertig. Ginge das oder stelle ich mir die Sache zu einfach vor?

Hat mit solchen Kisten jemand Erfahrung?

Sheila


Erfahrung allgemein nicht, aber - wie meine Mutter - lasse ich gerne Milchreis garen zwischen einigen dicken Kissen (wir schleppten früher den Topf hoch ins Schafzimmer). PrinzipKochkiste also.
Also: gut vorkochen, dann sofort sehr gut isoliert garen lassen.

Ich habe gelernt, die Kochkiste sei von gläubigen Juden "erfunden" worden, die ja bekanntlich am Sabbath nicht arbeiten, auch nicht kochen sollen/dürfen. Da wurde dann freitags vorgekocht und das Essen so warm gehalten.

Wikipedia erwähnt das nicht. Kann aber trotzdem so sein, gell?

Hier eine Anleitung zur Herstellung und einige Rezepte:
http://www.accakassel.de/ACCA/UmweltBeratu...sther_Weinz.pdf

Hm. Die Idee sollte man wieder aufgreifen... Gerade bei länger garenden Sachen... :blumen:


:D Ich wickel den Milchreis immer in ein dickes Badelaken ein, damit er weitergart.

Ja die Idee mit dieser Kochkiste hatte mich auch total fasziniert. Auch durchaus geeignet für die moderne Zeit wie ich finde. Da ich handwerklich absolut talentfrei bin, kam ich dann auf die Kisten aus dem Betrieb, die wir in zwei Größen haben. Die sind auch nicht so sehr teuer und wenn ich nichts dran kaputt mache, kann ich die sogar zurückgeben, wenn es dann doch nicht klappt. Die sind zwar nicht so dekorativ, wie die alten Kochkisten, aber immerhin praktisch.

Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der Erfahrung hat. Oder wir tun uns zusamen, probieren unsere Ideen aus und berichten selber.

Dahlie, der Link ist gut, aber dürfen diese Rettungsdecken heiß werden? Ich dachte die schmelzen dann?

Sheila


Ich denke, die Styroporkiste ist schon mal ein guter Start. Soweit ich weiß, musst Du die Kiste dann aber auch noch ausstopfen (früher mit Stroh und so)
Ich hab ein uraltes Kochbuch, da steht alles über Kochkisten drin, die gabs auch schon vor dem Krieg.
Es gab sogar fertig zu kaufende Kochkisten.


Ja Sandkind, die habe ich auch schon gefunden. Bei dem großen Online Auktionshaus gibt es sogar eine echte alte Kochkiste. Neue Kisten werden in Salzburg hergestellt, kosten knapp 300,00 Euro !!! Das ist mir nun wirklich viel zu viel. Daher halt meine Idee und Decken und Badelaken haben wir ja da zum Ausstopfen.

So ein altes Kochbuch ist sicher eine tolle Sache. Dafür sind meine zu modern.

Sheila


Zitat (dahlie @ 14.12.2014 15:36:27)
Ich habe gelernt, die Kochkiste sei von gläubigen Juden "erfunden" worden, die ja bekanntlich am Sabbath nicht arbeiten, auch nicht kochen sollen/dürfen. Da wurde dann freitags vorgekocht und das Essen so warm gehalten.
/ACCA/UmweltBeratu...sther_Weinz.pdf[/URL]

Hm. Die Idee sollte man wieder aufgreifen... Gerade bei länger garenden Sachen... :blumen:

der sabbat dauert, vereinfacht ausgedrückt, vom sonnenuntergang am freitag bis zum sonnenuntergang am samstag. und ein verbot sagt, dass am sabbat nicht mit dem feuer (was auch elektrizität beinhaltet) hantiert werden soll. für den abend ist somit genug zeit zum vorbereiten eines warmen mahls.

die kochkiste hält nur etwas warm. am sabbat kann man beispielsweise zeitschalter oder spezielle herde benutzen, so dass ein gericht auf kleiner flamme sehr langsam kocht oder ohne menschliches zutun aus- und angestellt wird. das geht automatisch. der herd darf also angeschaltet sein, er darf nur nicht ausgeschaltet werden.

auch gibt es gerichte, die dafür besonders geeignet sind. am einfachsten ist es jedoch, mit einem schabbes goy den sabbat zu feiern. das ist ein nicht-jüdischer mensch, der bei den verbotenen dingen wie herd anstellen oder licht anknipsen hilft und dafür auch bezahlt wird. oft sind es ältere jungen aus der nachbarschaft, mit dessen familie man befreundet ist. mit nicht-jüdischem hauspersonal geht es natürlich auch und noch einfacher. :hihi:

viele verbote werden jedoch nicht so streng beachtet und heute anders ausgelegt, wenn man nicht sehr strenggläubig ist. zum vergnügen fährt man dann kein auto, aber zur synagoge sieht man es als erlaubt an. handarbeiten zum geldverdienen ist verboten, jedoch sieht man es oft nicht als brechen des verbots, wenn man etwas als geschenk fertigt.

Bearbeitet von seidenloeckchen am 14.12.2014 17:02:54

Zitat (seidenloeckchen @ 14.12.2014 17:02:02)
der sabbat dauert, vereinfacht ausgedrückt, vom sonnenuntergang am freitag bis zum sonnenuntergang am samstag. und ein verbot sagt, dass am sabbat nicht mit dem feuer (was auch elektrizität beinhaltet) hantiert werden soll. für den abend ist somit genug zeit zum vorbereiten eines warmen mahls.

die kochkiste hält nur etwas warm. am sabbat kann man beispielsweise zeitschalter oder spezielle herde benutzen,

am einfachsten ist es jedoch, mit einem schabbes goy den sabbat zu feiern. das ist ein nicht-jüdischer mensch, der bei den verbotenen dingen wie herd anstellen oder licht anknipsen hilft und dafür auch bezahlt wird.

Tja, meine Infos stammen aus Zeiten wo es dies noch nicht gab. Du argumentiert von der heutigen, hiesigen Situation aus. Zeitschalter..... :o
Und dass heute vieles anders ausgelegt wird - mag sein. Darum ging es auch nicht.

In den Niederlanden - und sicher auch lange in D - war es bis vor gar nicht so langer Zeit üblich, mittags warm zu essen; meine Eltern haben das bis zu (ihrem) Ende so gemacht. Das ist gerade mal 10 Jahre her.

Und ich sagte ja: die Kochkiste hält warm; vom Kochen habe ich da nichts erwähnt. Nur dass das Essen dann garen kann.

Und einen "goy" dafür zu verwenden widerspricht auch den 10 Geboten, Lies mal nach, was da über die Heiligung des Sabbaths steht.

Sheila: Das ist doch gut! Auspolstern, und dann mit so einer flexiblen Rettungsdecke, die zusätzlich isoliert den Kochtopf umfangen.

So, die Kiste habe ich bestellt. Normalerweise hätte ich die heute auch sofort von der Arbeit mitgenommen, aber die Schule hat angerufen, weil meine Kleine krank war und ich sie abholen sollte. Daher hatte ich mich für die Kiste nicht mehr wirklich interessier. Morgen werde ich also noch mal kurz in den Betrieb fahren und sie abholen, denn am Sonntag soll es Rouladen geben und die wollte ich in der Kiste mal ausprobieren zu garen.

Ich bin mal gespannt wie es klappt.

Sheila


Ich auch!
Denn sicher wirst du berichten,m wie es den Rouladen ergangen ist. :blumen:


Mit Fotos und allem Drum und Dran.

Ich überlege nur, ob ich dazu einen neuen Thread starten sollten, weil es ja dann keine Frage mehr ist, sondern eine Anleitung mit Bericht.

Die Kiste habe ich schon da, und irgendwie sieht die bei mir in der Küche viel viel größer aus, als vorher im großen Lager bzw der Kühlhalle vom Betrieb rofl . An der Rettungsdecke hapert es noch, weil es die bei uns in der Tankstelle nicht einzeln sondern nur zusammen mit einem Verbandskasten gibt, und den brauche ich ja nicht. Wir haben aber massig Kuscheldecken und Badelaken hier. :D

Vielleicht meldet sich ja noch ein Moderator und gibt einen Tip. :pfeifen:

Sheila

Bearbeitet von Shaila am 19.12.2014 10:15:36


Zitat (Shaila @ 19.12.2014 10:12:41)
An der Rettungsdecke hapert es noch, weil es die bei uns in der Tankstelle nicht einzeln sondern nur zusammen mit einem Verbandskasten gibt, und den brauche ich ja nicht.

Eine einzelne Rettungsdecke solltest du in jeder Apotheke bekommen.

Hallo,

ich habe mich schon länger mit dem Kochkistenprinzip beschäftigt und viel im Netz dazu gesucht bzw. gefunden.
Mir persönlich war die Kochkiste zu sperrig.

Eine prima Variante zur Kochkiste ist der Kochsack.

Diesen Kochsack findet Ihr als Verkaufsvariante unter wonderbag. Dort sind auch Rezepte zu finden.

Die Selbstbauvariante ist unter ecoact e.V - Aktivitäten 2013 - Projekte zu finden.
Mir war ehrlich gesagt der Wonderbag zu teuer. Auch wenn er mit seinem Preis einen zweiten Bag für Südafrika finanziert.

Leider gibt es doch einfach auch hier zu viele Menschen die auch auf jeden Cent schauen müssen.
Zudem hat mich das Styropor im Original wonderbag gestört.
Ich hatte Bedenken wegen der Ausdünstungen wenn Hitze auf Styropor trifft.

Ich habe meine Kochsäcke mit Holzspäne gefüllt. Ein Abfallprodukt beim Holz machen. Hält genauso warm, nur nicht waschbar.

Im World Wide web findet Ihr noch ein PDF eines alten Kochkistenbuches von 1918: sicherheit-statt-krise.de
des weiteren findet Ihr die „edelste“ Variante der Kochkiste...., aber auch schöne Rezepte unter garwerkstatt.at

Also, ich bin mit der Selbstbauvariante sehr zufrieden.

Versteht bitte die Seiten nur als Ideengeber!!!!! und mehr als Rezeptspender


Lovis, vielen Dank für Deine Anregungen zum Kochkistenthema.
So etwas ist immer interessant, sozusagen echte Ernährungshistorie.j


Ich habe meine praktische Erfahrung mit der Kiste in einem anderen Thread gepostet. Zwar war meine Kiste zu groß, der Topf dafür zu klein und in Sachen ausstopfen brauche ich noch etwas mehr Übung, aber ich werde das auf jeden Fall mit der Kiste weiterführen. Es war einfach nur total praktisch.

Sheila



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