Freundschaft in der heutigen Zeit


Hallo,

daß die soziale Kälte und der Egoismus der Einzelnen in unserer Gesellschaft weiter zunehmen oder zumindest gleich bleiben, wird wohl keiner abstreiten. Wie sieht das eigentlich bei Euch aus? Habt Ihr richtig gute Freunde, die auch da sind, wenn es Probleme gibt oder sind das nur Leute für Abfeiern, Geld ausgeben, Shoppen etc. ? Ich bin mittlerweile 40 Jahre alt und würde von mir behaupten, daß ich noch NIE in meinem Leben eine echte Freundin gehabt habe. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich sehr ernüchtern lassen. Wie soll das eigentlich noch enden in dieser Gesellschaft, wenn jeder nur noch seinen Vorteil sucht und sich kaum um den Nächsten kümmert? Jeder kommt nur noch mit sich selbst gut zurecht, denn die Beziehungen funktionieren ja nicht. Bin gespannt auf Eure Statements.


Markt, das ist sehr traurig, was du da schreibst

das Leben ist sicher komplizierter und in vielen Bereichen kälter geworden

Freundin, da gibt es in meinem Leben nur eine Person, die ich so nenne, dafür aber die beste, die man haben kann
daneben gibt es Kameradschaft, gutes Miteinander
und es gibt so viel Gutes, oft nur Kleinigkeiten, die gar nicht so wichtig erscheinen
z.B. Menschen wie meine Mutter, die jedem Bettler auf der Straße etwas geben
grade beteiligen wir uns an der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton"

oder auch viel banalere Dinge, aufmerksamer Service im Geschäft, nette Menschen, die einem Gefallen tun, die zuhören, mit denen man Spaß haben kann

Glück ist meistens nur ein Moment und den muss man wahrnehmen und genießen


Ja, solche Sachen höre ich auch immer...kann Deine Erfahrungen aber absolut nicht teilen.
Ich habe einige Male in meinem Leben das soziale Umfeld wechseln müssen, aber ich habe immer neue Freunde gefunden, die keineswegs "oberflächlich" oder "sozial kalt" waren oder sind. Irgendwie ist es mir immer gelungen, nette, sympathische, fröhliche, aufgeschlossene und anteilnehmende Leute kennenzulernen, die sowohl Freude und auch Trauer mit mir geteilt haben.
Vielleicht liegt es daran, daß ich selber auch aufgeschlossen und neugierig auf fremde Menschen zugehe, und auch keine Unterschiede bezüglich der Herkunft, Nationalität, etc mache. Ich versuche einfach, unvoreingenommen zu sein und mich auf Neues einzulassen.
Sicher kam es auch mal vor, daß ich mich in einen Menschen getäuscht habe und das wird mir auch in Zukunft immer wieder mal passieren...aber das ist dann eine Erfahrung mehr und kann dann abgehakt werden.

Ach ja, und Abfeiern, Geld ausgeben und shoppen gehen finde ich nicht unbedingt negativ oder oberflächlich, das teile ich mit meinen Freunden genauso gerne wie ernsthafte Themen, politische Diskussionen und Gespräche über Lebenskrisen!

Ich genieße halt auch gerne die schönen Dinge des Lebens, bin deswegen aber lange noch nicht oberflächlich! :blumen:


Du hast sicher Recht damit, dass sich heute die Leute mehr um sich selber kümmern.
Aber soweit, dass es keine Beziehungen und Freundschaften mehr gibt, würd ich nicht gehen. Ich bin auch ein Mensch, der länger braucht um jemandem zu vertrauen, aber trotzdem habe ich eine Beziehung und Freunde. Wirkliche Freunde hab ich zwar nicht viele - aber die sind da wenn ich sie brauche, immer, egal, wieviele km da dazwischen sind. Und ganz wichtig: Das ist auch umgekehrt so! Als Freunde bezeichne ich aber nur die Menschen, zu denen ich mit wirklich jeden Problem kommen kann, und mir auch wünsche, dass die dasselbe Gefühl bei mir haben. Der Rest - Kumpels, Bekannte, mit denen hab ich auch Spaß, aber sie wären bei ernsthaften Problemen nicht meine Anlaufstelle.
Und: Ich geh auch mit meinen Freunden feiern, und shoppen macht doch erst so richtig Spaß, wenn man dabei über Gott und die Welt schnattern kann, oder stundenlang bei irgendwem sitzen und quatschen oder Blödsinn machen.
Das gehört doch auch dazu find ich, warum sollte man in einer Freundschaft nur die ernsten und traurigen Momente teilen - das käme mir wirklich seltsam vor.

Sicherlich gibt es immer wieder Menschen, die einen enttäuschen und das kann auch sehr verletzend sein - aber wenn man der Welt und den Menschen nicht offen gegenübertritt, wie sollen die dann an einen rankommen?


Zitat (Markt @ 19.10.2008 21:44:56)
Hallo,

... Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich sehr ernüchtern lassen. Wie soll das eigentlich noch enden in dieser Gesellschaft, wenn jeder nur noch seinen Vorteil sucht und sich kaum um den Nächsten kümmert? Jeder kommt nur noch mit sich selbst gut zurecht, denn die Beziehungen funktionieren ja nicht. Bin gespannt auf Eure Statements.

Hallo, Markt,

mir fällt auf, dass Du stark pauschalisierst.

Freunde finden ist ein Prozess, der eine Zeit dauert.
Nicht jede Bekanntschaft entwickelt sich zur Freundschaft. Man bleibt zwar verbunden, trifft sich auch hin und wieder, aber als Freunde würde ich sie nicht bezeichnen.

Freundschaften entwickeln sich, indem man gemeinsam einiges erlebt und feststellt, dass man nicht nur die „Höhen“ feiert, sondern auch die „Tiefen“ gemeinsam durchsteht. Dazu muss man allerdings auch etwas von sich selbst preisgeben. Nicht jeder kann aus sich heraus, wenn er einen persönlichen Tiefpunkt hat. Aber nur dann stellt man fest, welches denn nun die wirklichen Freunde sind. Es kristallisieren sich auch immer wieder welche heraus.

Und wenn ich von einem dieser Bekannten enttäuscht worden bin, merke ich mir das. Es hat aber keinen Einfluss auf meine Beziehung zu anderen Bekannten und erst recht nicht zu meinen Freunden ( ;) hoffe ich jedenfalls sehr).
Oder vielleicht doch- meiner „Checkliste“ wird ein weiterer „Prüfstein“ hinzugefügt.

Wobei ich mir aber immer vor Augen halten muss, dass meine Freunde nicht perfekt sind. Genauso wie ich selbst. Jeder von uns hat so seine Ecken und Kanten, auf die man einfach achten muss, wenn keine Reibungsfunken stieben sollen.

Und selbst meine beste Freundin ist nicht perfekt. Obwohl wir viele Übereinstimmungen haben, würde sie in einigen Dingen einfach anders entscheiden als ich. Deswegen bleibt sie aber meine beste Freundin, mit der ich wirklich alles „bekakeln“ kann.

Wenn ich jede Enttäuschung aus meinem Bekanntenkreis auf meine Freunde übertragen würde, oje, da würde ich ganz schnell alleine dastehen.

Liebe Grüße
Anneliese

Also,ich verstehe dich ganz gut,Markt.
Ich bin weiß Gott nicht leichtfertig mit dem Begriff "Freundin".Da muß sich bei
mir auch erst langsam entwickeln.
2004 war ein schlimmes Jahr für mich.Zweimal bin ich so sehr enttäuscht
und hintergangen worden,von zwei unterschiedlichen Freunden innerhalb
kurzer Zeit und jedes dieser Vorkommnisse hat Ereignisse nach sich gezogen .
Alles brach in sich zusammen.Mein Mann und ich helfen gern,zu jeder Tages
und Nachtzeit,oft genug wurde das auch schamlos ausgenutz.
Schlauer geworden sind wir irgendwie nicht.Vorallem mein Mann schließt
schnell Freundschaften.Ich halte mich eher bedeckt.
Eine richtige Freundin habe ich seitdem nicht mehr,zu groß ist die Angst wieder
so schlimme Erfahrungen zu machen.


Markt, das stimmt mich traurig, was Du schreibst. :trösten:

Ich teile immer ein wenig auf und sage eher "Kumpels, Bekannte" (das sind die Schönwetterfreunde, zum Shoppen, zum Feiern oder so). Davon hat man immer irgendwelche um sich rum, solange man taff mitschwimmen kann und "Was kost' die Welt" mitplappern kann.

Mit dem Begriff "Freundin" oder "Freund" bin ich seit je ziemlich vorsichtig: nahe an mich heran lasse ich nur wenige, einzelne Leute, schon seit ich klein war.
Das schützt natürlich trotzdem nicht vor einigen bösen Erfahrungen, die man euphorisch-fehleinschätzenderweise doch machen muß. Das macht einen noch vorsichtiger.

Aber diese echten Freunde sind auch dann da, wenns mir dreckig geht: selbst, wenn viele Kilometer dazwischenliegen. Die kennen mich lange und gut genug, hören zu, haben einen praktischen Rat. Ich komme nicht mal auf eine Handvoll: strenggenommen 3 Stück.
Aber das sind 3 wirklich wertvolle Menschen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte und von denen ich weiß: die sind auch sturmtauglich.
Da ändern Zeiten und Entfernungen nix dran.

Bearbeitet von Die Bi(e)ne am 20.10.2008 14:43:23


Hallo alle,
ich danke zunächst einmal für Eure umfangreichen Antworten. Bei meinen Freundschaften steckt irgendwie der Wurm drin. Ich hatte schon mit Mitte 20 eine sog. Freundin für 4 Jahre und als ich infolge einer Grippe mal nicht am vereinbarten Ort erscheinen konnte und es auch keine Möglichkeit gab sie zu benachrichtigen, war für sie die Freundschaft damit erledigt. Das habe ich wohlgemerkt Ende der 80er Jahre erlebt. Es ist auch wirklich schwierig mit 40 noch eine echte gute Freundin neu kennenzulernen. Ging ich zu VHS Kursen, Wellness WE bei der Kirche etc. kamen die Frauen mit Freundin oder in der Gruppe an und ließen mich nicht mitmachen. Ging ich zu einer Frauengruppe mit nur verheirateten Frauen mit Kindern wurde ich teilweise ausgegrenzt, weil ich Singlefrau bin.Ging ich zu einer gemischten Gruppe (Verh. Frauen und Singles) zogen Singles und Paare gegenseitig übereinander her. Irgendwie ist halt nirgendwo jemand nett zu einem, wenn man allein als Singlefrau zu einer Gruppe geht. Das sind halt so meine Erfahrungen.



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