Selbstmord live


Was bringt uns unsere neue Welt denn noch alles. :(

Bericht hier


Ist nur so halb was neues...

Das Medium ist neu, die Tatsache ist alt... Meine Oma hat mir mal erzählt, dass sie in den 70ern es erlebt hat, dass jemand sich aus dem 4. Stock eines Hauses stürzen wollte und unten drunter stand ne gröhlende Menschenmenge, die ihn angefeuert hat. Es ist dann zwar nicht dazu gekommen, weil die Polizei rechtzeitig da war, aber neu ist öffentlicher Selbstmord nicht.


Zitat (Cambria @ 24.11.2008 09:51:47)
dass jemand sich aus dem 4. Stock eines Hauses stürzen wollte und unten drunter stand ne gröhlende Menschenmenge, die ihn angefeuert hat. Es ist dann zwar nicht dazu gekommen, weil die Polizei rechtzeitig da war, aber neu ist öffentlicher Selbstmord nicht.

Dazu fällt mir "Spring" von Rammstein ein...

Video

Wegen der Menschenmenge. Und leider sieht man auch immer wieder Gaffer bei Verkehrsunfällen. Das Internet ist nur ein anderes Medium.

Cambria hat da schon recht. Man nehme z. B. Budd Dwyer, der eine Pressekonferenz einberief, und sich dann erschoss. Wikipedia-Link (nur Text). Ist jetzt 21 Jahre her.


Klar,das Medium ist neu und man erreicht damit ungeheuer viele
Menschen gleichzeitig.Bleibt nur die Frage warum diese Suche nach
Öffentlichkeit.Vielleicht soll ein bis dahin unbeachtetes Leben nun wenigstens
im Tod beachtet werden.Und so eine Art Schuldzuweisung an die
Allgemeinheit :"Hier habt keinen Anteil an mir und meinem Schicksal
genommen. Nemmt nun Kenntnis von meinem Tod."


Tja, diese Gesellschaft ist einfach nur krank. Meine Erfahrung mit 40 Jahren ist die, daß die meisten Menschen liebesunfähig sind und nicht bereit sind ihrem Nächsten Liebe etc. zu geben. Geholfen wird halt nur, wenn es Geld dafür gibt. Dekadente Gesellschaft.


Zitat (Markt @ 25.11.2008 13:41:30)
Tja, diese Gesellschaft ist einfach nur krank. Meine Erfahrung mit 40 Jahren ist die, daß die meisten Menschen liebesunfähig sind und nicht bereit sind ihrem Nächsten Liebe etc. zu geben. Geholfen wird halt nur, wenn es Geld dafür gibt. Dekadente Gesellschaft.

Und DAS ist einfach nur traurig.

Einerseits sehnen wir uns danach, andererseits schaffen wir es irgendwie einfach nicht.

Wir - damit meine ich, dass ich mich davon nicht ausnehmen möchte. Ich denke auch oft mal eher an mich als an andere, das hat aber auch meistens gesundheitliche Gründe, durch die ich dann an mich denken MUSS. Andererseits bin ich aber auch schon mehrmals für nicht ganz voll genommen worden, wenn ich mal meine Bedürfnisse für jemand anderen zurückgestellt habe ("Wieso gibst Du Dich denn so auf?!" --> sehr übertrieben <_< )

Traurig, einfach nur traurig. Erst wenn irgendwas weltbewegendes passiert ist (Mauerfall, 11.09.2001) oder an Weihnachten kommen wir mal für eine Weile zusammen. Und nehmen uns vor, dass man das doch das ganze Jahr so halten sollte. Und dann? Wenn alles vorbei ist? "Tja, das Leben geht weiter." Natürlich muss es weitergehen. Aber das geht doch auch mit ein wenig mehr Liebe, Zuversicht schenken, Humor (nicht nur auf Kosten anderer, auch wenn man mal über sich selbst lachen können sollte), Einfühlungsvermögen und Herzensbildung.

Leider hat dies alles nicht Jeder mit auf den Weg bekommen, weil Denjenigen dies nicht vorgelebt wurde. Aber es wäre schön, wenn es Menschen gibt, die ihnen zeigen, dass es auch anders geht und dass es auch was anderes gibt als Dresche, Drohungen, Druck, Beschimpfungen, Gleichgültigkeit und Mißachtung. :mellow:

Und noch etwas.

Wenn jemand auch nur versucht, sich umzubringen... ich finde es enorm wichtig, einmal nachzudenken, WARUM es zur Todessehnsucht kommen muss.

Aber leider gibt es immer noch viele Menschen, die die Einstellung "was kümmert mich fremdes Elend" haben. :sojetzthastdus: "MIIIR kann ja sowas nicht passieren".

Wer nicht mehr leben will, hat gravierende Gründe (finanzieller Ruin, Hetzkampagnen, Mobbing, Verzweiflung eben - aber auch Menschen, die etwas "verbockt" haben und mit den Konsequenzen nicht umgehen können) und tut dies nicht, um Andere zu unterhalten oder zu beeindrucken.


Das ist doch nur das Ergebnis einer total verrohten Ellenbogengesellschft, in der Geld und Gewinn mehr zählt als ein Menschenleben.

Da fallen mir als Atheisten zwei Sprüche aus der Bibel ein: "Jeder ist sich selbst der Nächste" und "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott".

Viele Menschen haben den Glauben verloren. Ich meine nicht den Glauben an ein imaginäres, für mich nicht existentes Wesen wie "Jahwe", vielen als der "liebe Gott" bekannt, sondern an den Glauben an sich selbst, den Glauben, dass sich auch nur irgend jemand für das Schicksal eines Einzelnen interessiert.

Solche Suizide vor laufenden Kameras sind nach meiner bescheidenen Meinung nur ein Hilferuf an die "Gesellschaft".

Ändert euch, helft Anderen, euren Nachbarn, euren "Freunden", steht wieder mehr zusammen als nur hinter den Götzen "Geld" und "Wohlstand" herzurennen.

Klar gab es "früher" (manche würden sagen "in der guten, alten Zeit") auch Selbstmorde. Aber weder vor laufender Kamera noch vollkommen öffentlich.

Da komme ich zu folgendem Schluss: WIR alle sind schuld daran, dass so etwas passiert. Gleichgültigkeit, Stress, fehlende Achtung vor den Menschen an sich, das sind, denke ich, die Hauptgründe dafür, dass solche Handlungen überhaupt geschehen.

Die in dem "Buch der Bücher" propagierte Nächstenliebe sollte mal wieder in ALLER Köpfe Hauptthema werden.

Nicht nur zu "Weihnachten", in jeder Minute seines Lebens sollte der Mensch nicht nur an hungernde Kinder in Afrika denken, sondern mal vor seiner eigenen Türe kehren.

Was ist denn wichtig?

Der alte Mann, der einsam in seiner Wohnung stirbt. Der interessiert niemanden.

Der junge Mann in der Nachbarschaft, der seelisch an einer zerbrochenen Liebe stirbt. Auch der ist uninteressant.

Die junge Mutti, die von Hartz-IV zwei Kinder ernähren muss und nicht mehr weiter weiß. Egal.

Die alleinstehende Nachbarin, die am Abend vergewaltigt wird und nicht mehr weiter weiß. Auch wurscht.

Eine Jugend, die kaum noch Chancen hat, weil gewissenlose Spekulanten nicht nur Industriearbeitsplätze, sondern auch Lehrstellen plattmachen. Die ihren einzigen Lebenszweck noch darin sehen, am Wochenende "abzutanzen" und sich hemmungslos vollaufen lassen oder Partydrogen nehmen.

Menschen, denen ihr Mercedes wichtiger ist als der Vater, der Bruder, die eigene Frau oder die Kinder.

Alles egal. Alles in Ordnung.

Hauptsache ICH.

MIR geht es gut.

Basta.


Und da wundert ihr euch, dass sich junge Menschen vor laufender Kamera selbst töten?




Gruß

Abraxas


Zitat
Klar gab es "früher" (manche würden sagen "in der guten, alten Zeit") auch Selbstmorde. Aber weder vor laufender Kamera noch vollkommen öffentlich.


Was ist für dich "früher"? Wie gesagt, der Politiker den ich erwähnt habe, hat sich 1967 erschossen, als das Fernsehen durchaus noch als relativ "neues Medium" gezählt wurde.

Neue Medien bringe neue Formen des Suizids mit sich. So war es, so wird es immer bleiben. Sicher ist der Fall furchtbar tragisch, aber ich sehe nicht warum das heißt, dass früher alles besser war als heute. Auch früher waren Menschen einsam, verzweifelt. Aus anderen Gründen, weil die Welt eine andere war.

Als Werther von Goethe geschrieben wurde, brachten sich reihenweise Leute nach seinem Vorbild um. Das war 1774. Es gibt Traktate über den Roman als neue, verderbliche Form und Zeichen der Verrohung und Verdummung der Gesellschaft. Auf die "schönen alten Zeiten" zurückzugucken und unsere jetzige Zeit, die Menschen darin und die Medien alle zu verdammen bringt herzlich wenig, meiner Meinung nach.

Bearbeitet von witch_abroad am 01.12.2008 22:31:07

Hallo,

dann können wir aber zumindest feststellen, daß der Großteil der Menschheit nichts dazugelernt hat. Einstein: "Eins ist unendlich , das Universum und die Dummheit der Menschen, aber beim Universum überlege ich noch. "


Hier noch ein Selbstmord, wenn auch etwas anders in der Thematik.
Verständlich - Aber - muss denn so etwas im Fernsehen gezeigt werden?

Hier


T´schuldigung im TV werden in Spielfilmen uns gezeigt, wie zB - sich einer ne Waffe in den Mund stezt - nur noch einen Knall - nächste Szene - Typ liegt aufm Boden, nicht wirklich hübsch zum ansehen.
Das zur ganzen Tageszeit.
Kurzum man kann den ganzen Tag gespielter Tod in den fürchterlichsten Situationen sehen.

Dann ist da ein Herr, der sich seiner Lage absolut bewusst ist und eigentlich in seiner Not der Öffentlichkeit bewußt machen will, das ein selbst gewähltes Sterben doch ein persönliches Anliegen ist. Sein todsicheres und unglaubliches Leid in Würde zu entgehen zu können.

Ich habe respekt vor diesem Mann, warum er auch immer das in Bleitung einer Kamera machen wollte, kann er nicht mehr sagen. Aber was gedacht hat er sicherlich was dabei.
Ich habe Achtung vor seiner Ehefrau, die ihn auf ihre Weise in seinen Gedanken getragen hat!


Ich stimme AnCathara zu - das Thema "selbstbestimmtes Sterben" finde ich sehr wichtig.

Es geht doch in dem Link um den englischen Professor, der sich umgebracht hat und dabei filmen ließ? (hab den link-Film nicht angeschaut, das will ich nicht).

Ich finde aber, dass es wichtig ist, so Themen mal aufs Tapet zu bringen. Der Mann hat sich ja nicht aus Mediengeilheit umgebracht, sondern weil er eine Krankheit hatte, bei der er praktisch darauf warten konnte, dass er erstickt. Ich weiß nicht, ob ich mir in seiner Lage nicht was ähnliches überlegt hätte. :(

Die Frage ist natürlich auch - bringt das TV das, um eine Diskussion anzuregen, oder einfach, um mit dem Schocker-Film Quoten zu angeln. Naja, ist wohl nicht wirklich eine Frage...

Aber lieber solche Dokus im Fernsehen (mit vorheriger Ankündigung, was einen in der Sendung erwartet bitte!!!) als den hunderttausendsten CSI irgendwas, wo alle 5 min Hirn von der Wand gekratzt wird und die Drehbücher um die ekligste Todesart wetteifern.

Gruß
Ribbit


Auch den Fall habe ich mir durchgelesen und die Bilder dazu gesehen.
Ja: es geht um den englischen Professor.

Man kann viel dazu reininterpretieren: anhand dessen, was ich da gesehen habe, wollte dieser Mann vielleicht ein wenig aus Wissenschaftlerinteresse denn aus Quotengier zeigen, wie das nun genau mit dem begleiteten Sterben abläuft.
Das mag meine eigene Lesart sein.

Fakt ist: mir wäre selbstbestimmtes Ableben absolut wichtig (ohne Kamera: wozu).
Ehe ich röchelnd im Bett anderen zur Last falle... Maschinen meinen Brustkorb heben und senken und das Blutwäschegerät meine Nierenfunktion überwacht??
Mich die Intensivschwestern im Kindergartenton beim Windelwechsel anbrüllen, weil sie meinen, man müsse so mit mir reden?!!!!

NEIN! Lieber vorher selbst was tun (lassen). :ph34r:

Bearbeitet von Die Bi(e)ne am 14.12.2008 06:49:19



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