Der elektronische Opferstock...


huhu ihr Lieben,
ab und zu geht Phoenix ja mal Kirchen angucken, ich habs zwar nicht mit der Religion, aber die Bauwerke an sich sind schon interessant. Und vor kurzem hab ich was gesehen, also, da hauts mir schon den Vogel raus: den elektronischen Opferstock. Neben den 4 Kästen, jeder schön beschriftet mit "Für die Münchner Armen" etc... war in der Kirche auch ein EQ-Terminal, mit der Aufschrift "Elektronischer Opferstock".
Da sag noch einer, die Kirche könne nicht mit der Zeit gehen...
Was haltet ihr denn davon? Gut, weil praktisch, nie mehr verlegen nach Kleingeld kramen? Oder blöd, weil "hab kein Kleingeld/kein Geld dabei" jetzt keine Ausrede mehr ist?
Ich war übrigens mit Phoenixmama da, und die war richtig verärgert, als sies gesehen hat, weil sie es superdreist findet. Ich sehe es ähnlich - beim Geld kann man auf einmal neues einführen...
Also liebe Muttis - ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Edit: Rechtgeschreibsel

Bearbeitet von Phoenixtear am 21.03.2010 22:20:03


Dazu kann ich noch nix antworten, mir steht der Mund noch offen.

Eine Frage hab ich aber: wo steht dieser Opferstock, in welcher Kirche? Wenn ich das nächste mal in die Stadt komme, muss ich mir das Teil unbedingt mal ansehen!

Herr Valentin meint "Wenn's um's Geld geht, können die super mit der Zeit gehen!" und will das Teil auch unbedingt mal sehen. Funktioniert das ähnlich wie diese Parkschein-Dinger, die man in den Parklizenzbereichen findet? Da kann man ja auch mit Geldkarte zahlen!

Bearbeitet von Valentine am 21.03.2010 22:29:55


Wenn du vom Stachus Richtung Marienplatz läufst, in der Kirche der Marianischen Männerkongregation.
Darf man hoffentlich so offen sagen, ist ja ne Tatsache...


Die da? Die muss ich mir unbedingt mal ansehen. Ich find's faszinierend, wie modern die Kirche sein kann, wenn's um Geld geht.

Na ja, mir steht der Mund da nicht offen. Weshalb eigentlich? Gab es schon vor 30 und mehr Jahren, zwar nicht der elektronische Opferstock, aber der Opferstock für alles Mögliche. In Sacre Coeur in Paris z.B. Ich hab mich drüber aufgeregt, mit welchen infamen Methoden da den Menschen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.

Ich hab dann mit offenem Mund vor verschiedenen Geschäften in Madrid gestanden, die religiösen Kitsch verkaufen im Namen Gottes und lange davor stand ich verwundert vor Briefkästen in einer Kirche in Indiana, alle mit Namen beschriftet, in den dann die Mitglieder der Gemeinde ihre Schecks legten. Ein zehntel vom Einkommen war da schon Pflicht.

Was ist sagen will: Auswüchse gibt es überall, und die Kirche ist immer wert, sich darüber zu beschweren. Kirche sollte eben nichts mit Geld zu tun haben, sondern eher mit Menschlichkeit.

Die Berliner Gedächtniskirche wollte ein paar Monate im Jahr schliessen, weil sie sie Heizkosten nicht bezahlen konnte Es kamen zum Glück die Spenden zusammen, wenn ich richtig informiert bin.

Also warum sollte mir mein Mund offen stehen, wenn Kirche auf die Möglichkeit zurück greift, eben auch elektronisch zu spenden. Du kannst es tun oder du kannst es lassen. Keiner wird gezwungen.

Was Kirche auch macht, sie macht es falsch. Oh, sie geht gegen die Zeit, oh, sie geht mit der Zeit, egal, alles falsch für alle, die es eben so sehen wollen.

Ich kann nicht behaupten von mir, dass ich ein treuer Kirchgänger bin, aber Platitüden reizen mich immer zum Widerspruch. Ich finde es eher bedenkenswert, wie Banken an ihren Zinsschrauben drehen.
Bei der Kirche kannst du es eben bleiben lassen. Was spenden ist völlig freiwillig ob cash oder mit Karte. Du kannst auch austreten und keine Kirchensteuer bezahlen - ist immer noch dir überlassen.

Wo ist das Problem :) ?


Markus

Bearbeitet von markaha am 21.03.2010 23:03:41


ich find das gar nicht so schlimm. viele treten aus der kirche aus und die gemeinden sind auf spenden angewiesen. In italien leben sie nur von spenden.


Mich irritiert gar nicht die Tatsache dass da Opferstöcke im Plural stehen- nur eben dass das Ganze wie 'ne Parkuhr vollelektronisch per EC-Karte bedient werden kann.

In London und Florenz habe ich diverse Kirchen besichtigt, überall musste man Eintritt zahlen. Irgendwie müssen die Kirchen ja auch erhalten werden... und die Restaurierungsarbeiten werden halt dadurch finanziert.


das find ich jetzt garnicht soooo schlimm.

allerdings hats mir die sprache verschlagen bei elektrischen kerzen. also nix mehr mit wachs, docht, feuer, sondern nach dem spenden einfach knoepfchen druecken und schon leuchtet das birnchen an der plastikkerze. wenns noch heil ist. wenn nicht, einfach anderes knoepfchen druecken, kost auch nix weiter dann.

gesehen in irland, co. cork, cobh, st. colman cathedral

gruss :blumen:
shewolf


Valentine, genau die.

Markaha, mir muss die Kirche nichts (mehr) recht machen - ich fand nur einfach meinen seit Jahren bestehenden Eindruck bestätigt, nämlich dass im Vordergrund nicht der Glaube, sondern das Geld steht.

Mich interessiert nur, was andere davon halten - ich kenne auch sehr religiöse Menschen, die das nicht toll finden.

Eintritt bezahlen für ne Besichtigung einer Kirche finde ich aber auch normal. Für eine Burg, ein Museum etc. muss ich das schließlich auch.


So kann er aussehen.

Soll in Bayern jetzt vermehrt eingeführt werden.

Zitat
Eintritt bezahlen für ne Besichtigung einer Kirche finde ich aber auch normal.


ich nicht, wenn man Kirchensteuer zahlt, sollte man freien Eintritt haben. Oder man schafft die Kirchensteuer ab, dann ist es Eintritt o.k.

Da ich weder in Großbritannien noch in Italien Kirchensteuer zahle... der Eintritt war ja auch für die Besichtigung, nicht für Gottesdienst. (Allerdings weiß ich nicht, ob Anglikaner, die am Gottesdienst in der Westminster Abbey teilnehmen wollen, freien Eintritt haben oder auch bezahlen müssen? Vielleicht haben die ja Dauerkarten.)


Zitat (Sparfuchs @ 22.03.2010 08:30:22)
So kann er aussehen.

Das ist aber nur die Karosserie. :P
Dazu muß dann noch ein Kartenbezahlmodul beschafft, eine Standleitung gemietet und ein Vertrag mit einem Finanzdienstleiter zwecks Verbuchung/PIN-Abgleich abgeschlossen werden.
Mich würde der Kostenanteil interessieren, den der Bezahlvorgang schluckt.
Außerdem müßte noch eine Überwachungsanlage dahinter installiert sein. So ein Terminal läd ja geradezu dazu ein, manipuliert zu werden zwecks Kartendaten- und PIN-Abgriff. :heul:

Mit der Anonymität von einer Spende ists bei so einem elektronischen Verfahren auch vorbei. -_-

So stylish ist der nicht gewesen, war halt n stinknormales E-Cash-Gerät auf nem etwas höheren Holztisch...

Zitat
Mich würde der Kostenanteil interessieren, den der Bezahlvorgang schluckt

jep, karla, mich auch... ich mein - das muss sich ja auch rechnen, eigentlich...

Es gibt wohl echt nichts mehr, was es nicht gibt - nun auch der Elektronische Opferstock. :blink:
Erst hab ich aufs Datum geguckt... nee, doch noch nicht 1. April, dann hab ich aus Quatsch das I-Net gewälzt: Staun...

Das letzte Mal, daß Jesus die Geldwechsler aus seinem Templel warf, liegt sehr lange zurück - Zeit wirds mal wieder.


@ Biene

Ja, die Wechsler aus dem Tempel werfen vor 2000 Jahren - in einem ganz anderern Land, mit einer ganz anderen Kultur und das vor 2000 Jahren, das ist eine Sache und war bestimmt berechtigt, weil es zwar auch um Geld ging (Mach dich doch mal schlau, wie das damals im Tempel von Jerusalem los war, den gibt es nicht mehr, aber wir wissen, was da gängige Praxis war. Ein kritischer Mensch hat mal gesagt: "Jesus wollte das Reich Gottes und es kam.... die Kirche." Auch da sag ich ja, die Kritik teile ich. Und dann schau ich mir an......

Ich schau mir an, die kirchlichen Kindergärten und Schulen, die Sozialleistungen, die erbracht werden. Ich schau mir so an, was in die Jugendarbeit gesteckt wird (das zu verteiligen fällt eben schwer, wenn gerade diese in starkem Beschuss steht. Was da Priester oder Pfarrer gemacht haben, ist alles andere als vertrebar, um mich nicht falsch zu werden).

Aber ich finde es richtig, dass Opferstöcke eingerichtet werden, elektronisch zwar, aber wenn du nicht willst, kannst du es lassen. In jedem Museum musst du Eintritt zahlen. Geh mal in den Kölner Dom oder Trier, kein Mensch will einen Pfennig von dir und du wirst um eine Spende gebeten. Kein Museum der Welt ist so kostenlos. Und so ein Dom ist ein ein Museum, ein natürlich gewachsenes, es birgt Schätze in sich, die allemal eine Geschichte wert ist.

Wer sich dafür nicht interessiert, geht eben nicht hin.

Klar, da gibt es Meschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, ist ihr gutes Recht und sie nehmen dennoch den kostenlosen Kustgenuss hin. Und wenn sie dann kirchlich heiraten wollen, muss dann einer wieder eintreten, damit es geht, so jedenfalls meine Informationen. Da wird eine Dienstleistung in Anspruch genommen, die kostenlos ist für die andere tausende von Euros nehmen (ich denke nicht an das Standesamt, sondern an besondere Erlebnisse. Keiner kann verhindern, dass sofort nach der Hochzeit wieder ausgetreten wird.

Ich finde die Freiwilligkeit gut, den Weg, wie ein Mensch nun was spenden kann, ist der neuen Zeit angepassst (es ist ein großer Unterschied zu den Ablassbriefen, die im 15. Jhr. verkauft wurden und schießlich zu der Aufspaltung der Kircht führte - ganz so einfach war es nicht - smile, da würde jetzt zu weit führen). Aber jetzt der Kirche in der modernen Zeit einen Vorwurf (da gibt es viele andere) machen zu wollen, ist für mich nicht nachvollziehbar.



Liebe Grüsse

Markus


Hier kostet es aber ordentlich Eintritt: Berliner Dom
Und auch sonst verhält sich diese Kirche wie ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen: Rasterfahndung nach Kirchensteuerflüchtigen


@Karla

Ich bin schon lange nicht mehr im Berliner Dom gewesen, mein letzter Besuch da liegt bestimmt schon ein paar Jahre zurück - da gab es sowas noch nicht.
Ich halte die Preise für total überzogen. Ich kenne das aus anderen Kirchen in Berlin nicht, dafür ist eben auch oft die Türe verschlossen und wird nur zu Gottesdienstzeiten aufgeschlossen. Spar Heizkosten und Personal, ist die Devise, und wenn nicht erschließe andere Einkommensquellen. Ich halte diese Entwicklung für fatal, aber vielleicht unumgänglich (ich schau gerade mal nach, wie das in den anderen Kirchen in Berlin ist - Deutscher Dom, Französischer Dom, Gedächtniskirche).
Der Deutsche Dom ist schon lange ein Museum für verschieden Ausstellungen, dauerhaft für eine über deutsche Geschichte. Der französiche Dom nimmt keinen Eintritt.

Glaub mir, ich bin kein Freund davon, was da im Berliner Dom geschieht, es verwundert mich aber auch nicht. Ich kenne ein paar Leute, die da die Schlüsselpositionen inne haben, und das sind knallharte Geschäftsleute - glaub es oder lass es bleiben. Auf der anderen Seite ist die Unterhaltung von so einem großen Gebäude kaum aus Kirchensteuern zu finanzieren.

Die Gedächtniskirche nimmt mittlerweile auch Gebühren für Führungen, das ist in Ordnung - finde ich, aber keinen Eintritt. Für mich ist da der Opferstock -egal ob elektronich oder nicht, die bessere Alternative.


Die Aussage, dass du alle Kirchen umsonst besichtigen kannst, nehme ich damit zurück. So sollte es eigentlich sein - aber die Zeiten scheinen lange zurück zu liegen.

Und noch ein Wort zum "Humanistischen Bund", deiner zweiten Quelle und was damals bei der Wiedervereinigung passiert ist. Viele haben einfach "evangelisch" eingetragen - ist ja auch kein Wunder, sie wussten noch nicht, dass da eine Kirchensteuer fällig wird (aber das nur am Rande).
Und die rechtliche (Juristin) Chefin der Kirche ist ein verdammt scharfer Hund, die aber dran ist hier Zustände herbei zu führen, die das Überleben fördern. Für mich ist das zu wenig, aber lass Juristen ran und alles, was menschlich ist, geht verloren.
Gerade in den neuen Bundesländern hatte und hat noch der der Humanistische Bund grossen Zuspruch, auch in Berlin, es gehen mehr Kinder zur Jugendweihe als zur Konfirmation, beides vergleichbar.

Erst mal genug - ich könnte dazu noch soviel sagen.

Grüsse

Markus

Bearbeitet von markaha am 24.03.2010 12:25:08



Kostenloser Newsletter