Ausziehen um Alg II zu erhalten: Vermögensauflistung v.Vermieter/Eltern ?


Mal eine Frage zu dem leidigen Harz 4:

als ich in einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet habe und aufstockendes Harz 4 beantragen wollte, sollten meine Eltern (ich wohne unter gleicher Anschrift in Untermiete) ihr Einkommen angeben. Beide sind Rentner mit geringem Einkommen und beim Finanzamt einkommenssteuerbefreit. Meine Eltern wollten das nicht, also habe ich das dann gelassen.

Nun habe ich die Arbeit nicht mehr und mußte wieder einen Antrag stellen. Da sich meine Eltern ihrer kleinen Rente schämen, wollen sie nichts mit den Behörden zu tun haben (das ginge die nichts an). Ich hatte überlegt, zur Not einen Kontoauszug zu kopieren, wo die Renteneinkünfte ersichtlich wären.

Nun sollen meine Eltern allerdings eine komplette finanzielle Auskunft geben (Sparkonten, Aktien, Grundstücke, also alles, was man sich vorstellen kann). Da sind sie natürlich wieder in Streik getreten, wollen sich nicht zwingen lassen, sich von fremden Leuten in die Unterbüx sehen zu lassen.

Muß ich mir eine andere Wohnung / anderen Vermieter suchen, um das Problem zu umgehen? Meine Eltern werden nicht jünger, letztes Jahr hatte meine Mutter eine schwere OP, das Haus bietet genug Platz - das sind so Gründe, weshalb ich einen Umzug ablehne.

Allerdings verbrauche ich hier auch Strom, Wasser, Heizung - wenn die Arge den Mietvertrag und Nebenkosten nicht anerkennt, finde ich das auch nicht OK. Ich bin übrigens aus der Unterhaltspflicht altersmäßig raus.


Hallo longsam66,

Grundsätzlich sind Verwandte ersten Grades beim ALG II nicht unterhaltspflichtig. Eltern, die mit langzeitarbeitslosen Kindern unter 25 Jahren in einer Haushaltsgemeinschaft leben, müssen für diese aufkommen, wenn die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben.

Die Kommune oder die Agentur für Arbeit prüft im Einzelfall, ob dies wirtschaftlich tragbar ist. Dies kann allerdings auch für ältere Kinder gelten... Ich denke, dass Du (sicherlich hast Du dies schon häufig getan und es fällt Dir verständlicherweise auch nicht leicht) nochmals ein entsprechendes Gespräch mit Deinen Eltern führen solltest. Beschreibe ihnen, dass Du bei Arbeitslosigkeit nicht krankenversichert bist (unter ca. 13o €/ monatl. kommste sicherlich bei keiner Krankenversicherung unter) und ohne Versicherung kannste im Akutfall nicht einmal den Zahnarzt bezahlen. Außerdem möchtest Du nicht von deren geringer Rente abhängig sein und wegen jeder Ausgabe bei Ihnen wie ein Teenager "betteln". Entsprechend können deren Angaben Dir ein einigermaßen selbstständiges Leben ermöglichen (ist das mit AlGII überhaupt möglich?!...). Deine Eltern sollen nicht vor Gott und der Welt ihr Vermögen/ Einkommen offenlegen, lediglich die Arge benötigt diese Angaben.

Vielleicht kannst Du auch bei der Arge die Sorge Deiner Eltern schildern und es gibt eine andere Möglichkeit. Erkläre denen bei der Arge, dass Du im Fall eines negativ beschiedenen Antrages wohl nach einer neuen Bleibe Ausschau halten musst (wie kostspielig darf eine Wohnung in Deinem "Bezirk" sein?) und dies den Staat wesentlich mehr kostet. Vielleicht können diese in dem Fall Deinen Status als WG-Mitglied eintragen, würde immerhin günstiger sein, als eine eigene Wohnung und Deine Eltern müssten ihr Einkünfte nicht offenlegen.

Gruß v. Rayka


Danke Rayka,

ich darf es gar nicht laut werden lassen - ich bin schon lange nicht mehr krankenversichert - war mir zu teuer (meine Eltern würden eine Krise kriegen, und das auch noch bezahlen, weil sie es für unbedingt notwendig halten). In diesem harten Winter mit dem ganzen Eis hatte ich schon Angst, dass ich mir beim Hinfallen Knochen breche.

Zur Zeit tragen meine Eltern schon die Essenskosten. Zwar habe ich einen Minijob auf 400 Euro-Basis - der ist aber unregelmäßig, und manchmal kann ich nur 100 - 150 Euro verdienen. Zur Tafel zum Lebensmittel holen kann ich auch nicht, da brauche ich einen Bedürftigkeitsnachweis (z.B. Harz 4 - Bescheinigung).

Man kann so gut wie auf alles verzichten (weggehen, Kino, neue Schuhe und Kleider), aber Wasser, Strom, Essen und Trinken braucht man jeden Tag.

Zustehen würde mir wohl eine 1-Zimmer-Wohnung (wenn sich das dann finden lässt zu dem Preis, den die Arge genehmigt). Allerdings wohne ich in Großstadtnähe, und im bundesweiten Durchschnitt was die Höhe der Mieten angeht, ist mein Wohnort unter den Top 10. Ich würde auch gerne in diesem Ort bleiben. Wenn sich irgendwo weiter weg auf dem Lande eine günstige Wohnung finden läßt, braucht man doch ein Auto oder kommt da nicht hin und weg.


Zitat
Da sich meine Eltern ihrer kleinen Rente schämen


Ich glaube nicht das Sie sich dafür schämen müssen-haben sie denn schon mal überprüfen lassen ob ihnen ein Zuschuss zusteht (Grundsicherung)?

Und du-schau zu das du krankenversichert bist, das könnte sonst schlimm enden.

Bearbeitet von Sparfuchs am 24.03.2010 22:17:26

Hallo nochmal,

was Du schilderst: mir krempeln sich die Fußnägel hoch. Es kann aus Deiner "Dummheit", auf eine Krankenversicherung zu verzichten, ein Problem auf Dich zukommen, welches Du in diesem Leben nur noch schwer bewältigen kannst! Erkläre der Arge Deinen Vorschlag ("Arge: seht es aus Schamgründen meiner Eltern als WG an, so entfällt eine Mietzahlung für ne komplette Wohnung durch den Staat...") und rede nochmals mit Deinen Eltern. Irgendwann wirst Du sonst den jetzigen Zustand übelst bereuen, er kann Dir Dein weiteres Leben ernsthaft verbauen (ohne, dass ich hier Beispiele anbringen möchte - die bleiben Deiner Fantasie überlassen).

Ich drücke Dir die Daumen für Dein Gespräch m. Deinen Eltern sowie einem pers. Ansprechpartner d. Arge oder Leiste d. Arge. Es ist traurig, dass es soweit kommen musste. Viel Glück :blumen:


@ sparfuchs

Wahrscheinlich stammen die Eltern v. longsam66 aus einer Generation, die sich schämen. Habe ich auch schon erlebt. Ich habe einmal von einer älteren Dame, die weniger als die Grundsicherung monatl. zum "Überleben" hat, den Spruch gedrückt bekommen "ich bin nicht vom Stamme "Nimm"!"...

Bearbeitet von Rayka am 24.03.2010 22:26:31


Zitat (Rayka @ 24.03.2010 22:25:37)
@ sparfuchs

Wahrscheinlich stammen die Eltern v. longsam66 aus einer Generation, die sich schämen. Habe ich auch schon erlebt. Ich habe einmal von einer älteren Dame, die weniger als die Grundsicherung monatl. zum "Überleben" hat, den Spruch gedrückt bekommen "ich bin nicht vom Stamme "Nimm"!"...

Auch ich gehöre zu der Generation, die lieber ohne Hilfe auskommt, nur manchmal geht es nicht anders.
Und wenn ich sehe, wie manch andere Personen die Hand aufheben, denke ich mir steht es mir im Notfall auch zu.

@sparfuchs

Ich denke, dass ich auch zu dieser Generation gehöre, allerdings nicht altersbedingt. Was Du anreißt... habe schon überlegt nen Buch zu schreiben so viel ist mir in meinem kurzen Leben zu Ohren gekommen :( . Meine Nacht ist allerdings nur kurz, deshalb will ich mal den Threat v. longsam66 nicht verhunzen. :mussweg:


Hm, wer Hilfe vom Staat braucht, muß halt auch angeben, was da ist. Vor wem schämen sich Deine Eltern? Sie haben lang genug gearbeitet, schade, daß die Rente nur so gering ist.

Das Du aus "Scham" nicht krankenversichert bist, ist echt ziemlich blöd von Dir. Entschuldigung, aber weißt Du, welche Kosten das im schlimmsten Fall für Dich persönlich verursachen kann? Auch bei 400 EUR-Jobs kann man sich krankenversichern lassen. Ist halt etwas Aufwand für den Arbeitgeber, und man bekommt weniger Geld raus. Aber wenn Du unglücklich fällst, oder gerade jetzt eine schlimme Krankheit wie Krebs oder so auftaucht, die eine lange, kostenintensive Therapie braucht, au weia.

Sorry, daß ich das nicht in "Vielleicht solltest Du nochmal"-Sätze packe, aber Du solltest nicht vielleicht nochmal, Du mußt morgen zur Arge und Dir Fakten beschaffen. Und wenn Deine Eltern sich, warum auch immer, schämen, mußt Du halt mit weniger Geld auskommen oder Dir eine Wohnung suchen.

Ich wünsch Dir viel Glück! Liebe Grüße, Claudia



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