Immer wieder werden christliche Werte gefordert


In regelmäßigen Abständen erhebt Frau Dr. Merkel den Zeigefinger und appelliert an die christlichen Werte. Leider sagt sie nie dazu welche Werte sie denn meint. M.E gibt es keine christlichen Werte, sondern nur Verhaltensmerkmale, die in jeder funktionierenden Gesellschaft für ein normales Zusammenleben vonnöten sind.
Zuerst sollte lieber endlich einmal die tatsächliche Trennung von Staat und Kirche erfolgen. Das wäre wichtiger. Denn so wie es jetzt ist regiert wohl das Christentum Deutschland.


Ja das wäre gut möglich, wir schneiden in der Pisa-Studie sch... ab aber Kinder in Bayern bekommen in der 3.Klasse 3!!! Wochenstunden Religion. :wallbash: :wallbash:
Da wundert man sich dann noch über den Fachkräftemangel.
Ich habe nichs gegen Religion und finde es auch wichtig Kinder an diese heranzuführen,doch was zuviel ist ist zuviel.
Und eben was die christlichen Werte anbelangt, so sind dies allgemein gültige Grundsätze um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen.Zu DDR Zeiten gab es für die Pioniere (Schülerorganisation bei der jeder Mitglied sein "durfte-mußte") die Pionierregeln, auch diese forderten Respekt, Ordnung und Disziplin und das weit weg von jeder Religiösität.
Besinnung auf Werte im allgemeinen wäre wichtig, kein Rückschritt zur Allmacht von Mutter Kirche.


Na klar gibt es christliche Werte. Die sind relativ festgeschrieben, braucht man nur nachzuschlagen. Und die gute Frau ist nunmal Vorsitzende der Christlichen Demokratischen Union, auch wenn das viele beim Wählen gerne mal übersehen. :pfeifen:

Ob man sich dann mit den Werten identifiziert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Unter anderem deswegen hab ich die Bagage auch nicht gewählt.


Zitat (witch_abroad @ 26.10.2010 16:38:03)
Na klar gibt es christliche Werte. Die sind relativ festgeschrieben, braucht man nur  nachzuschlagen. Und die gute Frau ist nunmal Vorsitzende der Christlichen Demokratischen Union, auch wenn das viele beim Wählen gerne mal übersehen.  :pfeifen:


Festgeschriebene christliche Werte, die für unsere Gesellschaft gültig sein sollen ? Wo soll das denn sein, in der Bibel? Du willst doch wohl nicht das Cristentum zum Staatsglauben erheben. Das klingt ja nach orientalischen Gedankengut.

Klar. Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht ehebrechen usw... Ich finde schon, daß das in unserer Gesellschaft festgeschrieben und gültig ist. Nicht, daß ich sonderlich viel mit der Christlichen Religion anfangen kann, aber bei diesen Dingen kann ich schon zustimmen.


Zitat
Du willst doch wohl nicht das Cristentum zum Staatsglauben erheben. Das klingt ja nach orientalischen Gedankengut.


Sagt das wer, dass ich das will? Nein. Du behauptest nur, es gäbe keine christlichen, festgesetzten Werte. Das ist so nicht richtig. Die Dogmen des Christentums sind per Definition unumstößlich. Dazu gehören in der römisch-katholischen Kirche unter anderem der Glaube an die Dreifaltigkeit und die Kirchengebote. Und rein theoretisch ist all das für jeden gültig, der diesem Glauben angehört, was bei uns ein recht großer Teil der Bevölkerung ausmacht.

Dass das der Staatsglauben sein soll, oder dass sich jeder an alles, was der Vatikan vorgibt, halten soll, das ist wiederum ein ganz andere Sache. Nur weil ich sage, etwas existiert, behaupte ich ja nicht, alle müssen sich dran halten. Unter anderem weil ich eben auch finde, dass Staat und Kirche nicht zusammengehören, und weil ich längst icht alles gutheiße was die Kirche vorpredigt, habe ich die CDU auch nicht gewählt, wie ich bereits sagte. Man soll nur nicht groß überrascht tun oder Skandal brüllen, wenn sie an christliche Werte appellieren, denn es ist eine christliche Partei.

Was meinst du denn mit orientalischem Gedankengut? Der Orient ist ziemlich groß. :pfeifen:

Bearbeitet von witch_abroad am 27.10.2010 13:35:15

Mit der Dreifaltigkeit u.ä kann man ja wohl nicht in die gesamte Gesellschaft gehen und dort eine Zustimmung erwarten. Das ist nur was für Christen. Es ging aber um christliche Werte für Jedermann, da sie ja die Kanzlerin aller Deutschen sein will. Die dann erwähnten Auszüge aus den 10 Geboten (Du sollst nicht...), sind weder eine christliche Erfindung noch spezielle christliche Werte. Das sind allgemein menschliche Verhaltensregeln, die für jede Gesellschaftsordnung, ob mit oder ohne Christentum, unumgänglich für ein vernünftiges Zusammenleben sind. Diese normalen Ansprüche hat sich das Christentum nur zu eigen gemacht und verkauft sie nun als christliche Werte. Es sind aber keine, denn sie gelten immer und überall. Was also bleibt übrig als christlich und allgemeingültiger Wert ?


Du sollst nicht töten, gilt immer und überall? Wieviele Chinesen sind dieses Jahr schon hingerichtet worden?

Die christilichen Werte, meines Erachtens ist der wesentliche die Nächstenliebe, die Jesus gepredigt und gelebt hat, sind in unserer Kultur fest verwurzelt, wie du selber mit deiner Bemerkung, dass vieles davon immer und überall gilt, festgestellt hast.

Sie sind mir allemal lieber als Werte, die von irgendwelchen Diktatoren, welcher Coloer auch immer, der Jugend zwangsweise eingetrichtert werden. Dazu muss ich auch nicht gläubiger oder praktizierender Christ sein.


Die Chefin will damit wohl sagen: "Seid nett, tolerant und konstruktiv" zu einander.

Ich finde es nicht geschickt, diese Aussage in "christliche Werte" umzuwandeln. Ein religiöses Dogma zu zitieren könnte mehr schaden als bewirken. Und gerade jetzt, wo Migrationspolitik sich problematisch gestaltet.
Es kann von vielen (vielleicht auch unbewusst) als Provokation empfunden werden - selbst in den "eigenen Reihen". Christliche Gruppen ärgert es vielleicht, wenn Regierungsparteien ihre Glaubensrichtung beizerren um ihr Ding schmackhafter zu machen.

Grins: Wenn man mal in der Bibel schmökert, trifft man auch auf Passagen, wonach Frauen zu schweigen haben in der Gemeinde :lol: (Apostel Paulus? - Urchristentum). Ich weiß nicht, ob Frau Merkel diesbezüglich da zustimmen möchte.

Im Prinzip verstehe ich ja, was gemeint ist, wenn diese Werte zitiert werden, und ich finde es so gesehen positiv.

Es ist aber nicht geeignet als politisches Instrument.

:blumen:

Bearbeitet von Pitz am 27.10.2010 18:47:01


Man muss die Forderung nach Solidarität und Rücksicht ect nicht zwangsläufig als "christliche" Werte definieren.
Die Aufklärung und der Humanismus haben im Grunde die selben Aussagen wie die 10 Gebote (bis auf die mit direktem Gottesbezug, versteht sich), nur werden sie anders hergeleitet... das Resultat ist aber dasselbe.

Und die Trennung von Staat und Kirche ist hierzulande zwar nicht perfekt, aber doch deutlich weiter fortgeschritten als in vielen vielen anderen, auch europäischen, Ländern.


Naja, im Grunde leben wir hier in Deutschland ebenfalls in einem Gottesstaat. Oder kennt ihr noch viele Länder, in denen die Kirche durch eine Kirchensteuer staatlich subventioniert wird? In jedem anderen Land lebt die Kirche von den Spenden, die ihr gemacht werden, aber in Deutschland ist der Fiskus dafür zuständig - und hält natürlich dabei selbst die Hand auf. Der Staat lässt sich diese Eintreiberei auch fürstlich bezahlen, und daher sind auch die Nicht-christlichen Parteien nicht davon zu überzeugen, diese Praxis zu ändern.
Trennung von Staat und Kirche? Leider nicht in Deutschland.


Neben der Kirchensteuer kassiert die Kirche noch zusätzlich jährlich 500 Millionen Euro vom Staat. Da war mal was vor 200 Jahren und seitdem muß der Steuerzahler bluten.
Und das, obwohl sie selber viele Milliarden besitzt.


Stimmt, das vergaß ich zu erwähnen. Die Priester und Bischöfe bekommen ihr Gehalt vom Staat, und nicht von der Kirche. <_<


um nochmal auf die gute frau M zurück zu kommen, es ist festgelegt, was sie als bei reden und auch bei kommentaren sagen soll( klingt komisch, is aber so), das mit den christliche werten ist eins davon, es gibt sogar einen katalog für reden und ansprachen ("wir sind auf einem guten weg...", "es {kann}darf nicht sein das..."),
die süße nimmt anscheinend gern mal den katlog zur hand (ist übrigens nicht frei im handel erhältlich,schaaaaade)

aber stimmt, manchmal gehen staat und religion ziemlich arg lieb miteinander um


Vor paar Jahren, als sie noch in der Opposition war, hat sie des öfteren zu der Gegenpartei gesagt:
"Also, das war jetzt aber nicht der große Wurf." :D


Zitat (exenter @ 26.10.2010 14:30:39)
In regelmäßigen Abständen erhebt Frau Dr. Merkel den Zeigefinger und appelliert an die christlichen Werte.




Das tut sie nur , um als christlichdemokratische Kanzlerin wiedergewählt zu werden.

Hier ein paar christliche Werte zit. nach Matthäus 5, 38 ff:

"Ihr wisst, dass es heisst: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Ich aber sage euch, verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut. Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte auch die linke hin.
Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm den Mantel dazu." ( Und das geht in diesem Ton munter weiter)

Wenn M. das packt, hat sie Chance, von der CDU wiedergewählt zu werden.

Zitat (Wyvern @ 27.10.2010 11:46:50)
Klar. Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht ehebrechen usw... Ich finde schon, daß das in unserer Gesellschaft festgeschrieben und gültig ist. Nicht, daß ich sonderlich viel mit der Christlichen Religion anfangen kann, aber bei diesen Dingen kann ich schon zustimmen.

Seit einiger Zeit mache ich mir so meine Gedake, wo war die Kirche im ud nach dem 2. Weltkrieg, wie reagiert sie jetzt auf die Missbrauchsfälle???

Soziale Grundlagen, ja ............ aber nicht kirchliche oder "christliche"
Was heißt überhaupt christlich??? Haben Anderstgläubige keine Grundlagen?



Ich denke es gibt ungeschriebene Regeln die in einer Gemeischaft gelten, dass hat nix mehr mit christlich zu tun

Soooo, und jetzt gebe ich als bekennende Christin auch mal meinen Senf dazu:
Frau Merkel hat mit Ihrer Partei nach meinem eigenen Empfinden nichts, aber auch gar nichts mit "christlichen Werten" zu tun.
Ich verstehe teilweise auch nicht, was die Jungs und Mädels aus dem Bereich geraucht haben müssen, um deren Parteiprogramme mit christlich - sozialem Verständnis gleichzusetzen....also, mein Gott, an den ich glaube, hat mir nicht erzählt, man müsse alle zwei Jahre die Automobilindustrie subventionieren und jährlich 30 Prozent der Autobahnen aufreißen und mit neuem Asphalt zu übergießen; genausowenig, wie er mir erklärt hat, daß man Raubbau an den Resourcen betreiben soll, die die Natur uns geschenkt hat.

Ich fordere auch die "klassischen" christlichen Werte; das beinhaltet für mich Dinge, wie Nächstenliebe, Fürsorge, Empathie, Verantwortung denen gegenüber, bei denen der Laden nicht so rund läuft, usw...

Aber das hat für mich absolut gar nichts mit Frau Merkel und ihrem komischen Verein zu tun. Ich finde es zudem sehr bedenklich, daß eine Partei, die im Grunde genommen nur am Wirtschaftswachstum und Kommerz interessiert ist, sich mit dem Begriff "christlich" schmückt..... :(

Bearbeitet von Heiabutzi am 31.10.2010 02:29:31


Dennoch bin ich der Meinung, dass die genannten christlichen Werte nur allgemeingültige Werte sind und sich das Christentum diese Werte nur auf die Fahne geschrieben hat. Derartige Verhaltensweisen werden überall, oder sollten zumindest überall, praktiziert werden. Was soll daran christlich sein ? Auch ein Mongole,ein Eskimo oder ein Indianer lebt nach den gleichen Grundsätzen und erschlägt nicht seinen Nachbarn, sondern kümmert sich um ihn.
Das "C" in der CDU oder CSU sind Anstecknadeln, wohlwissend dass man damit breite Teile der Bevölkerung erreichen kann. Regiert wird hingegen eiskalt gegenüber dem Normalverbraucher und zum Wohl der Mächtigen,Reichen un der Kirchenfürsten.


Exenter: Wie war es denn, bevor es das Christentum gab? - von wem haben sie die Werte übernommen (falls es sie damals wirklich schon gab)?
Ausserdem ist oder zumindest war Europa lange Zeit eben christlich und hat sich so entwickelt.
Ich würde mir auch wünsche, dass es so wäre, wie Du sagst, nämlich dass das schlicht und einfach allgemeingültige Werte sind, aber dem ist leider nicht so und sogar die Christen haben damit ja ihre liebe Mühe, sonst sähe die Welt wohl ganz anders aus (es gäbe z.B. keine Kriege).
Aber es gibt leider auch Orte auf der Welt, wo Menschen gesteinigt werden und da wird das als "normal" angeshen.
Auch bin ich der Meinung, dass der Egoissmuss, die Habgier, der Neid etc., welche hier in Europa immer mehr in Erscheinung treten eben genau deshalb in Erscheinung treten, weil das Christentum bei uns immer mehr an Bedeutung verliert.


Zitat (tabida @ 31.10.2010 15:21:54)
Exenter: Wie war es denn, bevor es das Christentum gab? - von wem haben sie die Werte übernommen (falls es sie damals wirklich schon gab)?

Bei den alten Ägyptern gab es auch Werte.
Die hatten z.B. Totenbücher. Wenn man diese Regeln befolgte, dann konnte man guten Gewissens in der Unterwelt vor das Totengericht treten.
Also, es gab schon Werte vor dem Christentum.

Zitat
Regiert wird hingegen eiskalt gegenüber dem Normalverbraucher und zum Wohl der Mächtigen,Reichen un der Kirchenfürsten.


Ich frage mich bloß, warum die Parteien überhaupt das C im Parteinamen haben.
Heißt es nicht "Du kannst nicht 2 Herren dienen"?
Eigentlich dürften sich die beiden Parteien nur noch "U" nennen, denn sie sind weder christlich, noch demokratisch, noch sozial. :rolleyes:

weswegen werden allgemeingültige werte als christlich beschrieben?

seit jahrtausenden kümmern sich gesellschaften um bedürftige. um kinder, kranke und alte menschen. teilen gutes und schlechtes und sorgen für einander. ohne jemals vom christentum gehört zu haben. oder ihm keine beachtung zu schenken.

auch ist es arg merkwürdig, dass nur die guten werte genannt werden.

die prachtbauten und der reichtum der kirchen, das schweigen über missbrauch an kindern, die scheinheiligkeit der kirche, wenn sie ihre priester schützen und nicht die menschen vor den priestern. wie das mit der geforderten bescheidenheit zusammenpasst, habe ich nie begriffen.

die christlichen werte sind mir gleich. ich will menschliche und soziale werte. zuwendung, verantwortung und empathie braucht keine religionszugehörigkeit.


@Rumbarak: Natürlich gab es schon immer Werte und alle Gesellschafte haben Werte (eben z.B. dass man jemanden Steinigen darf, weil er evt. Ehebruch begannen hat, ist auch ein Wert. Ehrenmorde gibt es ja auch, weil da ein gewisses Wertesystem herrscht usw. usf). Aber ich gehe nicht davon aus, dass Du diese Werte hochhalten möchtest.

Ich kann Seidlöckchen sehr zustimmen, aber diese Werte sind hier eben aus einer christlichen Gesellschaft herausgewachsen - in anderen Gesellschaft meist aus anderen Religionen. Es gab Zeiten, da wurden hier Kranke aus der Gesellschaft augeschlossen - Christen haben sich trotzdem um sie gekümmert. Die ersten Krankenhäuser und Pflegeausbildungen in Europa wurden von christlichen Organisationen angeboten. Almosen zu geben ist für Christen selbstverständlich. Wir wissen nicht, wie es anders wäre, weil wir eben hier in Ländern wohnen, die schon Jahrhundertelang christlich geprägt sind.
Aber es waren eben in den meisten Ländern Religionen die solche Werte als erste benannten und anerkannten (leider auch solche, die wir nicht verstehen und nachvollziehen können). Ich finde es auch sehr interessant, dass viele Religionen z.T. übereinstimmende Werte haben.

Ich glaube auch nicht, dass sich all diese Werte sich halten können, wenn die Religionen verschwinden. Ich betrachte das Leben einfach anders, wenn ich überzeugt bin, dass nicht alles in meinen Händen liegt. Meist wird es sehr gefährlich wenn Menschen glauben sie könnten alles erreichen und tun und lassen was sie können.


Zitat (tabida @ 31.10.2010 20:06:35)
Aber ich gehe nicht davon aus, dass Du diese Werte hochhalten möchtest.

Da hast Du recht. Das ist nicht mein Ding. Überhaupt, ich bin nicht gläubig. Ich freu mich schon, wenn es human zugeht.

Zitat (tabida @ 31.10.2010 20:06:35)
Ich kann Seidlöckchen sehr zustimmen, aber diese Werte sind hier eben aus einer christlichen Gesellschaft herausgewachsen - in anderen Gesellschaft meist aus anderen Religionen. Es gab Zeiten, da wurden hier Kranke aus der Gesellschaft augeschlossen - Christen haben sich trotzdem um sie gekümmert. Die ersten Krankenhäuser und Pflegeausbildungen in Europa wurden von christlichen Organisationen angeboten. Almosen zu geben ist für Christen selbstverständlich.

überall auf der welt kümmern sich menschen um kranke und hilflose. christen oder nicht.

in jeder religion gibt es grausame und gleichgültige menschen. menschen, die sich nicht um andere scheren. auch nicht um die eigenen kinder. darunter sind auch christen und solche, die die christlichen werte kennen.

das christentum würde ich nicht besonders hervorheben. ist es doch diese religion, die unehelichen kindern auch heute noch einen makel auferlegt. auch haben die christen die almosen nicht erfunden.

im islam ist es pflicht für jeden gläubigen, einen bestimmten teil seines besitzes den armen zu geben.

im judentum ist es auch pflicht. nicht nur dem eigenen volk gegenüber, sondern allen völkern. der geber darf dabei den empfänger nicht spüren lassen, dass er arm ist. der empfänger ist sogar verpflichtet, die almosen anzunehmen. denn es nicht zu tun, hieße das leben fortzuwerfen, das gott ihm gegeben hat.

das gebot der nächstenliebe ist nicht christlich. es ist jüdisch und stammt aus der tora. wie so vieles, was man heute für christlich hält.

kranke werden auch heute noch ausgeschlossen. auch von christen. wie oft sprechen christen von einer strafe gottes, wenn man eine krankheit ertragen muss. oder einem etwas furchtbares widerfährt.

wie oft werden schwer kranke menschen und behinderte in unserer gesellschaft, die die christlichen werte kennt, angestarrt, verhöhnt und benachteiligt. in cafés sind rollstuhlfahrer nicht sehr willkommen. da sie viel platz fortnehmen. und das laute gebaren vieler behinderter störe die anderen gäste. :angry:

mein mann nimmt regelmäßig bewohner eines seniorenheimes auf einen einkaufsausflug mit. für die alten leute ist das herrlich. oder er fährt sie in die kirche. wo sich von gottesdienstbesuchern beschwert wurde, dass der anblick alter menschen, denen ein wenig speichel aus dem mund läuft, eine zumutung sei! :angry:

ist das christlich? es ist unmenschlich.

nach meiner fehlgeburt bekam ich ein wenig trost von menschen, die ich von früher gut kannte. viele davon sind christen. es sei gottes wille. einige sagten, mit einem christlichen vater sei das vielleicht nicht geschehen.

von der jüdischen verwandtschaft meines mannes bekam ich dutzende von tröstenden briefen, karten, telefonanrufen und kleinen geschenken. obwohl viele mich noch niemals gesehen hatten.

nach der geburt meiner tochter bekamen mein mann und ich sehr viel hilfe und unterstützung von seiner familie. es wurde uns viel abgenommen. wir hatten sehr viel zeit, unser kleines kennen zu lernen.

von christlichen müttern kamen spitze bemerkungen. wie leicht wir es uns doch machen würden. wie man sich nur so betüddeln lassen könne. ob ich das kochen verlernt hätte. sie hätten gleich wieder an den haushalt gemusst.

die welt hat jahrmillionen ohne das christentum gelebt. wenn jemand sich auf eine religion berufen muss, um etwas zu tun oder zu lassen, ist es nicht echt.

nächstenliebe kommt aus dem herzen. und hat viele gesichter.

Das ist eine gute und klare Zusammenfassung der Thematik und trifft den Kern der Sache. So muss man es wohl sehen und nicht zulassen das alles vom Christentum vereinnahmt wird. Es ging mir immer um die Feststellung menschlicher Werte, die an keine Religion gebunden sind. Selbst wenn es keine Religionen gäbe würde das Zusammenleben der Menschen, solche Regeln nötig machen.


Welches sind denn diese "allgemein gültigen Werte"? und wenn es so ist: Warum gelten sie nicht auf der ganzen Welt?

Seidenlöckchen hat z.B. sehr schön erzählt, wie die jüdische Verwandtschaft sich um die Familie kümmert. Dafür beneide ich sie sehr. In der Jüdischen Tradition geht nämlich Familie über alles und Kinder werden sehr ernst genommen.

Aber auch bei den Religionen kann man eben nicht alle über einen kamm scheren. Ich habe sehr ähnlich schlecht Erfahrunge wie Seidenlöckchen gemacht, aber eben auch sehr sehr gute. Ich wurde noch nie von einer Gemeinschaft so offen und herzlich aufgenommen, wie hier in der Kirchgemeinde - war in allen früheren (auch Kirchgemeinden) ganz anders. Ich habe deshalb auch sehr lange der Kirche den Rücken zugedreht. Aber als ich einmal eine sehr sehr schlecht Zeit hatte, war es eben einzig der hiesige Pfarrer, der sich trotzdem um mich gekommert hat und mich wieder aufgebaut (und kein einziges Mal habe ich von ihm gehört, das hätte Gott halt so gewollt).


Zitat (tabida @ 01.11.2010 18:59:54)
Welches sind denn diese "allgemein gültigen Werte"? und wenn es so ist: Warum gelten sie nicht auf der ganzen Welt?

Seidenlöckchen hat z.B. sehr schön erzählt, wie die jüdische Verwandtschaft sich um die Familie kümmert. Dafür beneide ich sie sehr. In der Jüdischen Tradition geht nämlich Familie über alles und Kinder werden sehr ernst genommen.

Aber auch bei den Religionen kann man eben nicht alle über einen kamm scheren. Ich habe sehr ähnlich schlecht Erfahrunge wie Seidenlöckchen gemacht, aber eben auch sehr sehr gute. Ich wurde noch nie von einer Gemeinschaft so offen und herzlich aufgenommen, wie hier in der Kirchgemeinde - war in allen früheren (auch Kirchgemeinden) ganz anders. Ich habe deshalb auch sehr lange der Kirche den Rücken zugedreht. Aber als ich einmal eine sehr sehr schlecht Zeit hatte, war es eben einzig der hiesige Pfarrer, der sich trotzdem um mich gekommert hat und mich wieder aufgebaut (und kein einziges Mal habe ich von ihm gehört, das hätte Gott halt so gewollt).

diese werte gelten überall. es geht um frieden, hilfsbereitschaft, verantwortung und teilen. und um vieles mehr. abweichungen davon verursachen hass, unglücklich sein und sich ausgeschlossen fühlen.

das ist überall so. denn wer wünscht sich nicht, dass ihm in der not geholfen wird? oder bietet hilfe an, wenn man sieht, sie wird benötigt? es geht beinahe immer um die familie. um die dorfgemeinschaft. um das gemeinsame tragen von verantwortung. denn es bedeutet auch schutz vor angriffen.

gewiss kann man nicht alle über einen kamm scheren. es gibt überall schwarze schafe. auch in meiner familie. meine mutter ist christin. die nächstenliebe geht ihr über alles. jedoch reicht sie nicht, um ihre kinder ihr eigenes leben zu lassen.

sie mag weder meinen mann noch die lebensgefährtin meines bruders. ihre enkeltochter hat sie ein einziges mal gesehen. ihr passt nicht, wie die lebensgefährten ihrer kinder aussehen. und steht mit ihrer meinung allein da.

in meiner schwiegerfamilie gibt es einige entfernte verwandte. sie sind unhöflich und beleidigend. ich glaube, sie wagen es nicht, aus der tradition auszubrechen. wie mein mann und ich es getan haben. und flüchten sich in zynismus und gemeinheiten.

bis ich mich in meinen mann verliebte, hatte auch ich keinen grund, mich zu beschweren. man war nett zu mir. gewiss auch, weil ich die tochter meiner eltern bin. sie sind sehr engagierte gemeindemitglieder.

nachdem meine mutter überall ihr leid geklagt hatte, dass ihre tochter auf einen tätowierten jüdischen mann mit langem haar hereingefallen sei, wurde ich anders behandelt. sein einfluss auf mich sei schlecht. ich sei fehlgeleitet, blind und noch vieles mehr, das so arg unverschämt ist, dass ich es nicht wiederholen werde.

ich ließ mich früher recht leicht von meinen eltern beeinflussen. was nicht schwer war. da ich kaum selbstbewusstsein hatte. nach jahren habe ich erfahren, dass man nur darauf wartete, dass er sich etwas zuschulden kommen ließ. um es gegen ihn zu verwenden. das werde ich niemals vergessen. gewiss waren nicht alle so. doch es zeigt mir, wie dünn die oberfläche von nächstenliebe ist.

nun ist es nicht mehr so arg. denn unser leben ist der beweis dafür, dass sie falsch lagen. nicht ich. ich fragte frühere gute bekannte, was sie denn für ihre mitmenschen täten. außer sonntags in der kirche zu beten, altkleider zu spenden und hin und wieder ein wenig geld zu geben.

mein mann schert sich nicht um religionen. oder christliche werte. doch er lebt nächstenliebe viel mehr als diese menschen, die sich christen nennen. wäre er christ, würden sie ihn loben. er arbeitet in zwei berufen, um unsere kinder abzusichern. ist immer für seine familie da. kümmert sich um alte und kranke und tut, was er kann, um tieren in not zu helfen.

er jedoch erntet dafür von meiner mutter nur stiche. oder von anderen gemeindemitgliedern. da er kein christ ist.

das alles ist mir gleich. denn meine schwiegerfamilie fängt all dies auf. in ihr habe ich einen zusammenhalt gefunden, wie ich ihn niemals für möglich gehalten hätte. obwohl ich keine jüdin bin. ich war katholikin, als ich meinen mann kennen lernte.

niemals haben sie auch nur die andeutung einer frage gemacht, ob ich nicht konvertieren wolle. gewiss auch, weil mein mann selbst nicht gläubig ist. doch ihnen ist der mensch wichtiger. nicht das buch, nach dem sie beten. ihre hilfe kommt unauffällig. und wird respektvoll gewürdigt und angenommen. es muss niemals über ein revanchieren gesprochen werden. oder aufgewogen werden.

zu beginn war ich davon sehr erstaunt, dass man sich so für mich interessierte. und mich herzlich aufnahm. wie sehr man anteil an allem nahm, was ich erlebte. das kannte ich nicht.

später erfuhr ich, wie es mir geneidet wurde. wie es schlechtgeredet wurde. wie das, was ich bereits schrieb. wie hämisch man wurde, weil ich so viel unterstützung von meiner schwiegerfamilie bekam, als meine tochter geboren wurde.

ich fragte, was daran schlecht sei. dass ich immer ansprechpartner hatte. ich nicht wochenlang übermüdet war und mein haushalt nicht wie ein schweinestall aussah. dass ich auch zeit für mich und meinen mann hatte. und mein kleines immer wohlumsorgt wusste. als antwort hörte ich, man müsse doch als ehefrau und mutter selbständig sein. nur für die familie da sein. :blink:

doch ich bekam keine antwort, als ich sagte, dass man mir und meiner familie nächstenliebe schenkte. und man mich niemals allein ließ mit meinen sorgen als unerfahrene junge mutter. gewiss wurde mir auch das angekreidet. dass man als mutter alles zu wissen habe und nichts fragen dürfe. :hihi:

diese unterstützung nehme ich sehr gern an. und habe kein schlechtes gewissen dabei. denn wenn man etwas gibt, bekommt man im gleichen augenblick etwas dafür. die gewissheit, dass die hilfe gern angenommen wird. dass man nicht hilflos ist. etwas geben kann.

dein pfarrer war gewiss sehr nett. einen solchen pfarrer würde ich auch mögen. jedoch muss ich nicht mögen, was seine kirche denkt. oder ihm zu handeln eingibt. und es ist eine bestätigung dessen, was ich glaube. der mensch ist wichtig. nicht die religion, der er angehört. :blumen:

Und weil diee Werte überall gelten, wie Du sagst:
Warum ist es den meisten Menschen egal, dass sie auf Kosten anderer Leben?
Warum ist es den meisten Menschen egal, dass wir diesen Planeten kaputt machen?
Warum gibt es Krieg?
Warum werden Frauen gesteinigt?
Warum werden Homosexuelle umgebracht?
Warum werden Kinder abgetrieben?
Warum?

Diese Werte gelten doch überall?!?

Da nehme ich auch keine Religion oder Weltanschauung aus. Daran sind alle beteiligt.


das schrieb ich bereits. weil diese werte nicht von jedem menschen gelebt werden. seien es christen oder andere.

und es überall menschen gibt, die gewissenlos, gierig und egoistisch sind. in jedem land, in jeder religion.


Eine Freikirchliche Gemeinde in die ich mich mal verirrte machte Teufelsaustreibung an mir, aufgrund frühkindlicher Traumata die sie nicht einordnen konnten.

Sie glaubten, wenn sie das tun, sei alles wieder ok. Ich hoffte das auch.

Es war die Hölle. Es hat nicht geholfen..... es hat retraumatisiert.

Allein das Wort "Christlich" kann nun Panikattacken hervorrufen.

Menschliche Werte, liebevolles Miteinander, da kann ich mehr mit anfangen.



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