Heimarbeit: Ist ein Heimarbeitsplatz sinnvoll ?


Hallo Leute,
folgendes Problem beschäftigt mich: Ich habe von meiner derzeitigen Firma einen Heimarbeitsplatz angeboten bekommen weil diese keinen Ersatz für mich findet. Ich ziehe nun einige Stunden von zuhause weit Weg zusammen mit meiner Freundin die nun studiert. Jetzt habe ich dort oben auch einen neuen Job gefunden und für diesen bereits den Vertrag unterschrieben und in 2 Wochen sollte es eigentlich los gehen. Dort habe ich natürlich erneut Probezeit und ich weiß nicht, was natürlich niemand kann, ob er mir auch wirklich Spaß machen wird.
Natürlich habe ich bei meiner alten Firma ein sicheres Standbein und einen unbefristeten Vertrag. Ich bin Fachinformatiker, dass arbeiten zuhause vor dem Computer kann ich mir sehr gut vorstellen nur hat man natürlich kaum noch soziale Kontakte (oder gar keine mehr) und ich habe die Befürchtung das es später heißt, dass ich mich doch häufiger mal mal auf der Arbeit blicken lassen soll als es eigentlich geplant war.
Der neue Job bringt einige Risiken mit sich hingegen mein alter natürlich ein sicherer Platz ist mit mehr Gehalt und die Möglichkeit, sollte es mit meiner Freundin nicht klappen oder sie möchte plötzlich nicht mehr studieren wieder zurück zu kehren usw..
Hat jemand von euch vielleicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht mit Heimarbeit oder kann mir gute Tipps geben ob ich mit 23 nicht vielleicht auch mal was neues, beruflich gesehen, kennen lernen sollte ?
Ich kann mich einfach nicht entscheiden, es gibt so viele Faktoren für und gegen die Heimarbeit..

freundliche Grüße :-)


Hallo, und guten Abend!

Unter "Heimarbeit" verstehe ich an sich, wenn man z.B. irgendwelche Kleinteile zusammen montiert für einen Hungerlohn.- Das mal vorab.- Wenn Du jedoch einer qualifizierten Tätigkeit im erlernten Beruf von daheim am Computer aus nachgehen kannst/sollst, gegen gutes Entgelt, sehe ich da an sich kein Problem.- Das hingegen
sähe ich, wenn Du a) erstmalig eine gemeinsame Wohnung mit Deiner Freundin beziehst, UND b )einen neuen geringer bezahlten Job annimmst.- Das sind dann zwei Unbekannte in einer Rechnung.
Da Du jedoch schon den neuen Vertrag unterschrieben hast, hast Du ja wohl den alten Job gekündigt, oder wie ist das zu verstehen?
Da müßtest Du erst mal die rechtlichen Seiten aufdröseln.

Deine Entscheidungen kann Dir Niemand abnehmen.- Leben ist Risiko, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben.-
Da nutzen Dir die Erfahrungen aller anderen Leute nicht Viel.- Die endgültige Entwicklung steht für Dich abzuwarten, und wird gelenkt, so, wie die Weichen vorab stellst.

Alles Gute...Gruß...IsiLangmut

Bearbeitet von IsiLangmut am 16.05.2011 22:18:14


Vielen Dank für deine Antwort :-)
Das rechtliche sehe ich nicht als das Problem an, denn ich befinde mich ja dann noch in der Probezeit und kann jederzeit von dem Vertrag wieder zurück treten. Es wäre ein Arbeitsplatz als würde ich im Büro sitzen.
Ich würde schon gerne mal was neues ausprobieren, aber es ist wie du schon sagtest ein großes Risiko mit den zwei unbekannten Variablen in der Rechnung dabei.
Ich kann mich einfach nicht entscheiden wie ich die Weichen stellen soll, dass ist wirklich sehr schwierig..

freundliche Grüße


Ich habe für einige Monate von zuhause aus gearbeitet.
Es hat deutliche Vor- aber auch gravierende Nachteile.

Es ist natürlich megaentspannt, wenn man sich nicht jeden morgen in die Büro-Klamotte packen muss und dann lange bis zum unterwegs ist.
Niemand guckt auf die Kleiderordnung, also kann man gemütlich in der Joggingbuchse am heimischen Schreibtisch sitzen und der luxuriöse "Anreiseweg" von vielleicht maximal 10 Metern ist auch nicht zu verachten.

Der Nachteil ist, dass man tatsächlich nicht aus dem Haus kommt. Grade wenn man frisch in eine Gegend gezogen ist, braucht man soziale Kontakte und die gibt es eben (auch) im Job. Mir hat das in der Zeit gefehlt.

Mein persönliches Fazit der Home-Office-Phase: Der schönste Job der Welt nutzt nichts, wenn man zuhause sozial verkümmert.

Bearbeitet von Cambria am 17.05.2011 08:30:57


Zitat (Cambria @ 17.05.2011 07:49:40)
Mein persönliches Fazit der Home-Office-Phase: Der schönste Job der Welt nutzt nichts, wenn man zuhause sozial verkümmert.

Vor allem, wenn man nach Kinderpause wieder arbeiten geht... nach Jahrelangem Windelwechsel ist es einfach nur toll wieder von volljährigen Menschen umgeben zu sein ;)

Die direkte Zusammenarbeit mit den Kollegen, nicht per Telefon oder email, ist nicht zu unterschätzen. Die geben einfach die Portion Würze, ohne die der Job evtl. langweilig wäre.

Und ein Wechsel kann gut oder schlecht ausgehen, auch hier spielen die Kollegen bzw. der Vorgesetze wieder eine große Rolle, alles steht und fällt mir den Leute mit denen man zusammenarbeitet... ich habe mich da auch schonmal gewaltig vergriffen in meiner Wahl den AG zu wechseln, nach knapp einem Jahr war ich da wieder weg... gute Arbeit, gute Bezahlung, aber sozial gesehen der allerletzte Sauhaufen von Kollegen...

Man kann es nur leider vorher nicht wissen. Was bei mir aber immer gut funktionierte, war das Bauchgefühl. Sobald ich das Hirn dazugenommen haben, waren die Entscheidungen - im Nachhinein betrachtet - nicht immer die besseren gewesen ;)

Vielen Dank für eure tollen Beiträge :-)
Meine Angst besteht darin das ich wie schon oben erwähnt wurde sozial verkümmere und mir immer mehr Aufgaben zugeschoben werden, denn ich bin nun ja "weiter weg". Oder ich doch häufiger in die Firma reisen muss als geplant.


T4aker,
es kann natürlich vorkommen, dass du zu Teambesprechungen ect. persönlich anwesend sein musst. Aber das ist dann Arbeitszeit, die dir ganz normal vergütet wird und Fahrtkostenerstattung wir in so einem Fall eigentlich auch immer gewährt. Also dürfte dir jedenfalls kein finanzielles Minus daraus entstehen.

Der sozialen Einöde kann man entgehen, wenn man sich anderweitige Beschäftigung sucht - Sportverein, Hobbyverein oder sowas am neuen Ort. Das ist ohnehin immer empfehlenswert.
Ich kenne mich mit Berufsverbänden/Vereinen für Informatiker nicht so aus, aber vielleicht gibt es ja eine Art "Verband der Informatiker" mit Regionalgruppen - in meiner Branche gibt es sowas und die Regios sind eigentlich immer sehr aktiv und bieten Stammtische, Vorträge ect. an. Das ist auch eine schöne MÖglichkeit, unter Leute zu kommen und gleichzeitig etwas beruflich zu Netzwerken.

Dass du wahrscheinlich weniger Aufgaben zugeschoben bekommst, weil du ja nicht vor ORt den Finger heben kannst, ist eine reale Befürchtung... Gibt es in deinem Unternehmen weitere Homeofficler, mit denen du dich mal kurzschließen könntest, wie es so bei denen läuft, insbesondere was die Aufgabenverteilung angeht?

Ich hab es damals so gehandhabt (aber auch schon zu Zeiten, als ich noch physisch vor ORt anwesend war), dass ich die Leute so lange genervt habe, bis ich genug Arbeit hatte.
Am Anfang kam ich mir blöd dabei vor, aber irgendwann haben sie gerafft, dass da noch jemand ist, der Aufgaben übernehmen kann, auch wenn man ihn nicht sieht... das ist echt wie im Kindergarten - was ich nicht seh, existiert nicht ;)
Mit etwas Vehemenz wirst du dich bald in das Gedächtnis der CHefs und Kollegen eingefräst haben, auch wenn du nicht im Büro nebenan sitzt.

Ganz wichtiges Edit:

Du musst dir im Klaren sein, dass ein Homeoffice-Arbeitsplatz die gedanklichen Grenzen zwischen ARbeit und Freizeit aufhebt.
Wenn du aus dem Büro raus gehst, läufst du nicht ständig an deinem Schreibtisch vorbei, auf dem unerledigte Aufgaben liegen.
Wenn du aber von zuhause aus arbeitest, grinst dich ständig ein Haufen (ja, ein Haufen...) Arbeit an. Auch nach Feierabend, 10 Minuten vor Dienstbeginn und im Urlaub.
Es gehört sehr viel Disziplin dazu, da eine klare Trennlinie beizubehalten.
Wenn es dir räumlich möglich ist, würde ich ein eigenes Zimmer zum Arbeitsplatz einrichten (also nicht am Wohnzimmerschreibtisch arbeiten oder am eigenen Privatschreibtisch) oder wenn das nicht geht, dann einen Rollcontainer anschaffen, in dem du jeden Abend deine arbeitsbezogenen Utensilien verstaust, sodass sie dir nicht im Sichtfeld liegen.

Bearbeitet von Cambria am 17.05.2011 12:11:21


Ich habe eher die Befürchtung zu viele Arbeiten zu bekommen weil man mich ja nicht mehr direkt "sieht". Und das es halt den Arbeitgebern bald doch nicht mehr passt das ich "zuhause" arbeite..


Naja, gegen zu viel Arbeit kann mans ich sowohl im Home-als auch im Normal-Office am effektivsten dadurch wehren, dass man dem Cheffe sagt, dass man darauf besteht, die bereits übernommenen Aufgaben erst zu einem guten Ende zu führen und sie korrekt auszuführen, bevor man was neues beginnt - das ist kein spezifisches Homeofficeproblem.

Und wie das mit der "Rücknahme" des Homeoffices aussieht, ist schon wieder ein ganz anderes Thema.
Wenn dir dein AG ein Homeoffice erlaubt udn es auch einrichtet, kann er es nicht einfach so wieder "wegnehmen". Dazu könntest du einfach mal bei deiner Gewerkschaft (ich hoffe doch, du bist in einer?) nachfragen in der Rechtsberatung. Oder einen Anwalt (Fachanwalt für ARbeitsrecht oder Tätigkeitsschwerpunkt ARbeitsrecht) aufsuchen.
Vielleicht gibt es auch Ratgeberliteratur dazu... da weiß ich aber grade nichts zu.


Ich kann mich einfach nicht entscheiden...


Zitat
Ich habe eher die Befürchtung zu viele Arbeiten zu bekommen weil man mich ja nicht mehr direkt "sieht". Und das es halt den Arbeitgebern bald doch nicht mehr passt das ich "zuhause" arbeite..


Ich habe bisher eher das Gegenteil mitbekommen. Unsere Heimarbeiter gerieten immer schnell in Vergessenheit... Also, wenn man mal schnell Hilfe brauchte, weil man selbst Land unter hatte, dann hat man das nie an die Heimarbeiter abgegeben, sondern immer erstmal in der Firma jemanden gesucht.

Aber auch bei den kleinen, ungeplanten "Meetings" - beim Kaffeeholen, Rauchen, am Kopierer - wo wirklich wichtige Entscheidungen getroffen werden können oder Neuigkeiten getauscht wurden, war der Heimarbeiter nie dabei... auch bei den Geburtstagsfeiern, Einstandsfeiern, Ausstandsfeiern... die "Kleinigkeiten" halt, die den Büroalltag nett machen.
Auch bei technischen Problemen mit Drucker, Fax etc. bist Du erstmal auf Dich alleine gestellt, der IT-Kollege kann nicht schnell vorbeikommen und helfen.
Du musst Dich evtl. immer wieder bei den Kollegen in Erinnerung rufen und selbständig den Kontakt zur Firma suchen, vor allem, wenn Du Vorgesetzte hast, die nicht gerade ein gutes Händchen haben und ihre Vorgesetzen-Rolle eher als Last sehen :wacko:

Bearbeitet von runzenplunz am 17.05.2011 12:25:05

my2pence: wenn ich den Wohnort wechseln und von der Liebsten abgesehen mein soziales Umfeld zurücklassen würde, täte ich den neuen Job annehmen, allein schon um sozialer Isolation vorzubeugen ... wenn du jeden Tag allein zu Hause hockst, lernst du dort niemanden kennen, das stelle ich mir furchtbar vor

du bist doch so jung, sei ein Mann und trau dich was :)

hast du mit deiner Freundin darüber gesprochen, was ist denn ihre Meinung ?

so oder so, ich wünsche dir viel Erfolg :blumen:


Zitat (Agnetha @ 17.05.2011 13:08:30)
hast du mit deiner Freundin darüber gesprochen, was ist denn ihre Meinung ?


Vielen Dank für deine Antwort :-)
Sie meinte Sie hat Angst das ich mich zuhause völlig isolieren könnte oder mir der Ehrgeiz fehlt zu arbeiten..


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