MOTOtherapie für hochbegabte Kids? Ist das wirklich sinnvoll?


Hi!

Hiermit mal an die Allgemeinheit - falls sich einer damit auskennt - die Frage:

Im Kindergarten meinte eine Mutti, daß wenn Kindergartenkids hochbegabt sind in Punkto Bücher, Geschichten, Durchdenken, etc,
UND sich andererseits vor jedem Fahradfahren die Panik machen, ob sie überhaupt aufsteigen sollten, denn sie könnten ja hinfallen... -
und Tobsuchtsanfälle kriegen, weil ihre Tasche nicht da hängt, wo sie es erwarten
(statt sie einfach zu suchen, bzw. im Falle von nicht zugehenden Schuhen "EINFACH" mal rumzuprobieren, wie normale Kinder es tun würden)
daß dann den Eltern des betroffenen Kindes eine MOtotherapie nahe gelegt werden sollte.

Haltet ihr das für sinnvoll?

Ist doch eigentlich normal, daß sich Kids mal so mal so entwickeln.

Sie war der Ansicht, es würde sich nicht verwachsen, sondern immer nur noch schlimmer werden und die Allgemeinheit belasten.

Bearbeitet von Antina am 11.05.2006 10:27:11


ich kenn die Therapie nicht - was soll das sein?

ich hab so ein Kind - seit 16 jahren - und würde sagen:

hochbegabt ist immer schwierig :pfeifen:

meine Erfahrung: haste ein doofes oder kriminelles Kind kannste ev. Hilfe bekomme

haste ein hochbegabtes - kriegste in diesem Land keine Hilfe

und alle Tests Förderung und Therapien kannste selbst zahlen.

Hab was gefunden:

Mototherapie/psychomotorische Entwicklungstherapie im Kinderneurologischen Zentrum des Krankenhauses Gerresheim

Die Mototherapie ist eine bewegungsorientierte Methode zur Behandlung von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten und -störungen
in der Grob- und Feinmotorik,
in der Körperwahrnehmung,
in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt: Handlungskompetenz,
im Lernverhalten,
im Sozialverhalten: Interaktions- und Kommunikationsprobleme, Aggressivität, Verweigerung.
Im Rahmen der psychomotorischen Entwicklungstherapie wird versucht, durch gezielte konflikt- und erlebniszentrierte Spiel- und Bewegungssituationen die Handlungskompetenz im Bereich der Körper-, Material- und Sozialerfahrung zu erweitern.



Der Grundgedanke der Psychomotorik, die Untrennbarkeit von Psyche und Bewegung, bestimmt das therapeutische Vorgehen. Im Vordergrund stehen Spiel- und Bewegungsangebote, in denen das Kind die für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben notwendigen Kompetenzen ausbilden kann. Die Förderung orientiert sich daher an den Sinnthemen, den individuellen Stärken und dem Entwicklungsstand des Kindes.

Die psychomotorische Entwicklungstherapie wird als Einzel- und Gruppenbehandlung durchgeführt. Die Beratung und Zusammenarbeit mit Eltern und Bezugspersonen gehören zum unverzichtbaren Bestandteil jeder mototherapeutischen Behandlung.



Wer sichs leisten kann.

Bearbeitet von Ingeborg am 12.05.2006 07:32:40


Zitat (Antina @ 11.05.2006 - 10:25:45)
Im Kindergarten meinte eine Mutti, ......daß dann den Eltern des betroffenen Kindes eine MOtotherapie nahe gelegt werden sollte.


Mich würde zuerst einmal interessieren, ob diese Mutti vom Fach ist oder ob sie nur irgendwo eine Schlagzeile gelesen hat.
Wie schätzen denn die Erzieherinnen das Kind ein?

Ich bin zwar nicht vom Fach, aber meines Wissens ist eine Mototherapie nicht für hochbegabte Kinde reserviert, womit ich bitte nicht in Frage stellen möchte, ob das betreffende Kind hochbegabt ist. Gerade im Kindergartenalter entwickeln sich Kinder nicht "gleichmäßig", die einen beschäftigen sich lieber mit Büchern, die anderen interessiert das gar nicht und brauchen viel körperliche Aktivität. Am besten einmal mit dem Kinderarzt, der das Kind kennt und über seinen Entwicklungsstand Bescheid weiß, sprechen. Indizierte Therapien sind wichtig und hilfreich, aber meiner Erfahrung nach - so leid mir das tut sagen zu müssen - schlagen Erzieherinnen gerne mal eine Therapie vor, wenn sich das Kind nicht in den schematischen Ablauf des Kindergartenalltags einfügt. Die Mutter sollte das Kind aufmerksam beobachten, ob es sich wirklich nicht altersgemäß entwickelt und Unterstützung braucht, oder ob es einfach seinen kleinen Charakter ausformt und eben kein Tobe-Kind, sondern vielleicht eher eine Leseratte wird.


... noch was vergessen:

Vielleicht sollte sich die Mutter auch über eine Therapie für sich selbst informieren; meines Erachtens ist es bedenklich, wenn eine Mutter ihr Kindergartenkind als "schlimm" und als "Belastung für die Allgemeinheit" bezeichnet, weil es mit der ein oder anderen Situation nicht erwachsenengerecht umgeht. Dass ein Kind mal einen Tobsuchtsanfall bekommt, weil es nicht auf Anhieb seine Tasche / Schuhe etc. findet, kommt vor und die Erwachsenen, vor allem die Eltern müssen lernen, ihrem Kind den Weg in die richtige Richtung zeigen. Erziehung und Vorbildfunktion ist nicht einfach aber zum Glück meistens machbar.


Und dann ist noch die Frage, ob da nicht jemand "Kunden" braucht.


So langsam nervt es mich wirklich, daß alle Kinder in Schubladen gesteckt, bzw. ein Etikett verpasst bekommen. Müssen denn alle Menschen auf Herausforderungen oder Stress gleich reagieren? Da ist ein begabtes Kindergartenkind, das sich nicht aufs Fahrrad getraut und Panik hat. Dieses Kind muss nun therapiert werden? Warum wartet man nicht ab bis es mutig genug ist und es selbst probieren möchte?

Uns wurde auch vorgeschlagen unseren Max auf Hchbegabung testen zu lassen und wir hatten sogar schon einen Termin für den Test. Irgendwie gefiel uns der Gedanke aber nicht und wir haben beschlossen, daß wir es sein lassen. Sollte er wirklich einmal extrem auffällig werden (damit meine ich nicht die schwierigen Entwicklungsphasen die jedes Kind durchlebt) dann können wir den Test immer noch machen lassen. Bis dahin soll er ganz normal mit seinen Stärken und Schwächen und ohne den Anspruch der Hochbegabung (oder auch nicht) aufwachsen können.


Zitat (moni* @ 12.05.2006 - 09:54:45)
Da ist ein begabtes Kindergartenkind, das sich nicht aufs Fahrrad getraut und Panik hat. Dieses Kind muss nun therapiert werden? Warum wartet man nicht ab bis es mutig genug ist und es selbst probieren möchte?


So ein Kind war mein Sohn auch.
Er hatte aber keine Panik sondern genug Phantasie um sich auszumalen, was bei einem Sturz passieren könnte. Außerdem hatte er keine Lust sich zu blamieren.
Irgendwann, als er seiner sich entwickelnden Motorik genug vertraute, ist er einfach aufgestiegen und losgefahren.
Er wollte und konnte seine Fähigkeiten schon als Kind gut einschätzen!
Wo bitte ist da der Therapiebedarf?

Und dass ein Kind mal trotzt, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, ist auch völlig normal.

Warum soll jeder, der gerade nicht der gängigen Norm entspricht, gleich therapiert werden?


tante ju



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